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Meißen

Barock abstrakt

Der Dresdner Künstler Esteban Velázquez von Wilhelm zeigt seinen sächsischen Hof auf der Albrechtsburg. Er ist einer von etwa 40 Ausstellern beim 20. Meißner Grafikmarkt.

Der aus Venezuela stammende Dresdner Künstler Esteban Velázquez von Wilhelm gehört zu den Ausstellern beim 20. Meißner Grafikmarkt, zu dem die Albrechtsburg an diesem Wochenende einlädt.
Der aus Venezuela stammende Dresdner Künstler Esteban Velázquez von Wilhelm gehört zu den Ausstellern beim 20. Meißner Grafikmarkt, zu dem die Albrechtsburg an diesem Wochenende einlädt. © Claudia Hübschmann

Meißen. Schlösser und Fürsten sind seine Welt. Dutzende seiner Bilder, die Esteban Velázquez von Wilhelm aus seinem Dresdner Atelier nach Meißen mitgebracht hat, zeigen Porträts sächsischer Adliger. In abstrakt anmutender Malweise zeigen seine farbenfrohen Ölgemälde Kurfürsten, Herzöge und Könige von Sachsen.

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Perücken oder Orden weisen darauf hin, dass es sich um barocke Persönlichkeiten handelt, die von Wilhelm porträtierte. In seinem Atelier, wo er die Werke bei klassischer Musik schuf, habe er „Zwiesprache mit den Adligen aus vergangener Zeit“ gehalten, berichtet der Künstler. Und er selbst macht keinen Hehl daraus, dass er sich wie ein König fühlt und einer gewissen Dekadenz nicht abgeneigt ist, wie der 41-Jährige beim Auspacken seiner Bilder sagt.

Der studierte Historiker entstammt einer Familie, die im 19. Jahrhundert aus Deutschland ausgewandert war und sich in Venezuela niedergelassen hatte. Allen, der mal arrogant, mal spöttisch dreinblickenden Gesichter, gemein ist das Fehlen eines Auges. Esteban Velázquez von Wilhelm selbst trägt eine Augenklappe im Gesicht. In seiner südamerikanischen Heimat, wo er im Alter von 23 Jahren ein Lifestyle-Magazin namens „Wilhelm“ gegründet hatte, war er 2009 in den Redaktionsräumen überfallen worden. Bei dem Anschlag hatte er sein rechtes Auge verloren.

Diese Attacke ist ein Grund, warum Esteban Velázquez von Wilhelm seiner Heimat den Rücken kehrte und Asyl in Deutschland beantragte. Seit fünf Jahren lebt er in Dresden. „Von Wilhelms Kurfürsten von Sachsen befinden sich bereits in wichtigen Kunstsammlungen in den Vereinigten Staaten, Frankreichs, Österreichs, Spaniens Englands und Lateinamerikas“, heißt es in einem vom Kunsthistoriker Edwin Chacon Ferrer verfassten Begleittext zur Präsentation des Künstlers auf der Albrechtsburg.

In den für Sonderausstellungen vorgesehenen Räumen im Erdgeschoss des Schlosses ist er einer von etwa 40 Künstlern, die sich und ihre Werke hier an diesem Wochenende vorstellen – beim Meißner Grafikmarkt. Bereit zum 20. Mal findet diese Schau, die vom hiesigen Kunstverein initiiert worden war und die sich mit den Jahren einen guten Ruf über die Grenzen der Stadt hinaus erworben hat, in Meißen statt.

Inzwischen fungierten die Albrechtsburg und der Freundeskreis Albrechtsburg Meissen e. V. als Organisatoren. Der Gewerbeverein und die Stadt Meißen unterstützen das Vorhaben, das Künstlerinnen und Künstlern aus der Region die Möglichkeit bietet, sich einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und ihre Werke zum Kauf anzubieten. Die ausstellenden Künstler wurden von einer Jury ausgewählt, berichtet Veranstaltungsmanagerin Jeanette Matthies vom Team der Albrechtsburg. Über Mund-zu-Mund-Propaganda habe es sich schnell verbreitet, als die Schlossleitung Anfang des Sommers entschied, den Grafikmarkt, der 2020 wegen der Pandemie ausfallen musste, in diesem Jahr wieder stattfinden zu lassen.

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Als Baudenkmal bietet die Albrechtsburg den Künstlern den perfekten Rahmen zur Präsentation ihrer Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Grafiken, Illustrationen und Fotografien. Bewundert und gekauft werden können die Arbeiten am Sonnabend und Sonntag in der Zeit von 10 bis 18 Uhr. Es gelten die 3 G-Regeln. Der Eintritt ist frei.

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