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Erwarten wir einen heißen Kultursommer?

Aus der Mitte der Stadt über die Brücken rein ins Vergnügen. Im Gespräch mit Sara Engelmann, Kulturreferentin der Stadt Meißen über gemeinsame Bewegung.

Von Christiane Weikert
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Kulturreferentin Sara Engelmann
Kulturreferentin Sara Engelmann © Archivbild: SZ Claudia Hübschmann

Eine entbehrungsreiche Zeit liegt hinter uns und die Corona-Krise schüttelt nicht nur die Kultur, sondern auch die Menschen. Was wir alle brauchen, ist ein wenig Hoffnung.

Die Hoffnung, auf einen heißen Kultursommer

Die Begeisterungswellen über die erfolgreiche Umsetzung der Heißzeit 2021 schlugen extrem hoch. Kulturreferentin Sara Engelmann präsentierte mit vielen tollen Partnern den Meißnern und ihren Gästen eine wahrhaft heiße Zeit voller kultureller Erlebnisse und einem gemeinsam erlebten Miteinander.

Liebe Frau Engelmann, auch mit dem Rückblick auf das letzte Jahr – dürfen die Meißner wieder mit einem ähnlichen Kultursommer 2022 rechnen?

„Sicher! Etwas Ähnliches ist angedacht, die Umsetzung wird aber kleiner werden. Dieser Form der kulturellen Lebendigkeit und Sichtbarkeit von Kunst und Kultur in den öffentlichen Räumen würden wir aber gerne auch künftig mehr Raum geben. Es wird der Stadt insgesamt guttun, nicht nur die Plätze der Altstadt zu beleben und den Blick zu weiten. Wir wollen zeigen, was die Stadt zu bieten hat an Orten und Möglichkeiten, möchten die Menschen mit Kunst und Kultur überraschen, sie mit einbeziehen und ihnen persönlich begegnen. Der Kultursommer hat für viele begeisterte Reaktionen gesorgt. Endlich war wieder etwas los in der Stadt, endlich gab es wieder einen Anreiz nach draußen zu gehen und miteinander etwas zu erleben. Und daran wollen wir gerne wieder anknüpfen. Natürlich wollen wir auch in diesem Jahr so viele Akteure wie möglich einbeziehen und sind gerade in guten Gesprächen, wie uns das am besten gelingen kann. Jeder soll seinen Raum haben und auch wahrgenommen werden, in dem was er tut.“

Wie sieht es mit der diesjährigen Umsetzung aus und wird es eine finanzielle Unterstützung geben?

„Mit der Förderzusage der Kulturstiftung des Bundes 2021 war es für uns als Stadt möglich, die Veranstaltungsreihe des Theaters „Heisser Sommer“ und die Freitagskonzerte des Stadtmarketings aus dem Jahr 2020 als Formate nicht nur zeitlich auszuweiten, sondern auch die Programmpunkte vielfältiger zu denken – als große, flirrende Heißzeit nach der kulturellen Eiszeit. Also nicht nur Konzerte, Theater und Schauspiel auf den Plätzen der Altstadt zu planen, sondern auch Bildende Kunst, Performances, Aktionskunst, Tanz oder Workshop-Angebote mit anzubieten und damit ins ganze Stadtgebiet zu gehen und neue Orte zu bespielen. So eine Förderung wird es in diesem Jahr wohl nicht geben, aber wir nutzen die Netzwerke aus dem letzten Jahr, in dem wir viele Kooperationen angestoßen haben. Mit diesem Gedanken und diesen Partnern entsteht gemeinsam ein Kultursommer in der Stadt. Das ist z.B. das Theater Meißen, der Kunstverein, der Hafenstraße e.V., freie Künstler und Tänzer, die wir gerade ansprechen. Gemeinsam möchten wir versuchen, über kleinere Fördertöpfe und Gelder aus dem städtischen Haushalt einzelne Projekte abzudecken und Aktionen auf den Weg zu bringen, die ordentlich Schwung in den kommenden Meißner Sommer bringen. Finanziell wird sich der Sommer anders stricken, die tolle Mischung aus unterschiedlichsten Formaten an verschiedenen Orten der Stadt soll es aber wieder geben.“

Mit Kunst und Kultur überraschen – Meißen bewegt Der Slogan für dieses Jahr heißt „Meißen bewegt“. Wird sich auch der Kultursommer in diese Richtung bewegen?

„Auf alle Fälle wird der Kultursommer im weitesten Sinne mit in dieses Motto einfließen. Wir haben gezielt ein paar Projekte im Kopf, bei denen wir noch schauen, wie sich das alles fügt und findet. So viel sei verraten: Es wird viel um Tanz und Bewegung gehen. Aus der Mitte der Stadt möchten wir die Menschen über die Brücken hinein ins Vergnügen locken, so dass sie selber wieder in Bewegung kommen. Gleichzeitig wollen wir wieder vielen Akteuren hier und außerhalb der Altstadt eine Bühne bieten. Durch die Kulturförderung im letzten Jahr sind enge Partnerschaften entstanden und wir merken deutlich, dass in dem Moment, wo wir uns zusammenfinden, gemeinsam mehr bewegen können. Die Dinge gewinnen nochmal an Dynamik, Tempo und an Intensität. Das ist unglaublich spannend. Wir freuen uns auch auf neue Kooperationen. Im letzten Jahr gab es z.B. die wunderbare Fahrradkonzerttour „Organ & Bikes“, bei der Domkantor Thorsten Göbel mit seinem Publikum sechs Kirchen in Meißen erradelte, um dort Orgel zu spielen. Das wurde sehr gut angenommen und soll in diesem Sommer mit Unterstützung der Stadt auf die umliegende Region ausgeweitet werden. Vom Dom über Coswig, Brockwitz bis nach Radebeul. Natürlich mit kulinarischen Verschnaufpausen!“

Können auch die Kinder und Jugendlichen begeistert werden?

„Das hoffen wir auf jeden Fall und war uns im letzten Sommer schon ein großes Anliegen. Es ist wichtig da zu sein und Angebote zu unterbreiten. Selbst ohne große Förderung sind mir persönlich Formate wie die Spielplatzkonzerte und Workshops für Kinder und Jugendliche extrem wichtig. Auch in diesem Sommer wollen wir die jungen Leute wieder zum Mitmischen einladen. Kinder genießen diese Aufmerksamkeit. Gerade die, die sonst eher weniger mit Kunst und Kultur in Berührung kommen, konnten wir z.B. auf den Spielplätzen wirklich überraschen und begeistern. Mit unseren Netzwerkpartnern aus der Kulturellen Bildung planen wir vor den Sommerferien außerdem eine „Junge Bühne“, eine Plattform für junge Akteure aus Schulen, Kitas und Vereinen. Schülerbands, Kindertanz, Jugendtheater, Performances – jede und jeder soll seine Bühne haben dürfen.“

Unser Stadtjubiläum winkt ja, wenn auch noch etwas schwach aus der Ferne, wirft aber schon seinen Schatten voraus?

„Die Erwartungshaltung ist natürlich riesig und die ersten Ideen schwirren schon durch den Raum. Es muss allerdings erstmal eine Basis geschaffen werden, auf der man sukzessive aufbauen kann, es braucht eine gute Struktur, es braucht ein gutes Netzwerk. Corona hat die Schwerpunkte letztes Jahr eigenwillig neu bestimmt. Aber der Konzeptentwurf steht und im Sommer wollen wir mit der Stadtgesellschaft auch gemeinsam die ersten Schritte Richtung 2029 gehen – mit einer Auftaktveranstaltung in der Stadt, die für uns alle den Startschuss gibt.“

Vielen Dank für das Gespräch und wir drücken für alle Vorhaben ganz fest die Daumen.