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Freispruch für den Sensenmann

Hat ein Mann aus Diera-Zehren eine Motorsense als Waffe benutzt? Er erzählt eine ganz andere Geschichte.

Mit einer Motorsense ähnlich dieser soll der Angeklagte seinen Nachbarn angegriffen haben.
Mit einer Motorsense ähnlich dieser soll der Angeklagte seinen Nachbarn angegriffen haben. © Symbolfoto: Jens Böhme/Archiv

Meißen. Wer solche Nachbarn hat, braucht keine Feinde mehr. Könnte man meinen, wenn man die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hört. Diese wirft einem 51-jährigen Mann aus einem kleinen Ort in der Gemeinde Diera-Zehren vor, auf seinen Nachbarn mit laufender Motorsense losgegangen zu sein und ihn dabei verletzt zu haben.

Er habe rechtswidrig das Grundstück des Nachbarn betreten, dort gemäht und dem Mann die laufende Motorsense gegen die Brust gedrückt, heißt es in der Anklage. Dabei habe sich dieser Schnittwunden an der Hand, am Hals und am Oberschenkel zugezogen.

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Wegen gefährlicher Körperverletzung sitzt der 51-Jährige nun vor dem Meißner Amtsgericht. Und der Mann, der laut eigener Aussage im Kulturbereich tätig ist, liefert eine bühnenreife Vorstellung ab. Er legt Wert darauf, im Stehen sprechen zu dürfen. Wegen seiner überlangen, ausschweifenden und am Kern der Frage vorbeigehenden Monologe würde er allerdings vom Publikum wütende Buhrufe ernten und gnadenlos ausgepfiffen werden.

Er dreht den Spieß einfach um

Der Angeklagte dreht den Spieß einfach herum. Er habe auf öffentlichem Grund und Boden gemäht, nicht auf dem Grundstück des Nachbarn, behauptet er. "Dann kam er an, hat mich angegriffen und in die laufende Maschine gegriffen", sagt er. Der Nachbar habe versucht, ihm die Motorsense ins Gesicht zu drücken und ihm die Nase zu brechen. Dann habe ihn der Nachbar zu Boden gerungen und an einer Betonkante das Bein brechen wollen, so der Angeklagte. Dabei versucht er in einer Art Pantomime, die Situation nachzustellen. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen.

Drei Tage nach dem angeblichen Vorfall geht er zum Arzt. Dieser kann zumindest keine äußerlichen Verletzungen feststellen.

"Es war eine reine Provokation"

Was mag der Nachbar nur für ein brutaler Typ sein? Dann betritt dieser den Gerichtssaal als Zeuge. Ein 68-jähriger, gesetzter, seriöser Mann. Er schildert, wie der Angeklagte zunächst an der Straße mäht. Dann aber, als er gerade Besuch empfängt, der Mann schnurstracks über eine kleine Mauer auf sein Grundstück geht und anfängt, dort zu mähen. "Ich bin hin, habe ihn vom Grundstück geschoben und nach der Sense gegriffen, um die Waffe von mir fernzuhalten. Ich musste mich ja vor dem Angriff schützen", sagt er. Der Angeklagte haben den Motor aufheulen lassen und habe ihn mit dem Messerkopf angreifen wollen, sagt er.

Der Zeuge beschreibt seinen Nachbarn, mit dem er sich nicht zum ersten Mal vor Gericht trifft, als gemeingefährlich, unverschämt, provokativ, frech. Das Grundstück, das dieser gepachtet hat, sei total verwildert. Aber ausgerechnet beim Nachbarn will er angeblich Ordnung schaffen. "Ihm ist jede Arbeit zu viel. Es ging ihm nicht ums Mähen, sondern es war eine reine Provokation", sagt er.

Dann tritt sein Sohn, der gerade mit seiner Familie zu Besuch kam, in den Zeugenstand. Er bestätigt, dass der Angeklagte auf dem Grundstück seiner Eltern gemäht hatte. Sein Vater sei hingegangen, beide hätten miteinander gerungen und auf dem Boden gelegen. "Ich habe geschrien, dass sie aufhören sollen", sagt er. Es sei eine gefährliche Situation gewesen. Aber der Angeklagte habe die Motorsense nicht als Waffe benutzt, sagt er aus.

Es habe eine Rangelei gegeben, aber dass mit der Sense wie angeklagt ein Schlag ausgeführt wurde, sei nicht nachweisbar, so der Staatsanwalt. Der Sensenmann wird deshalb vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. "Was Sie getan haben, ist keine Straftat, aber es war nicht in Ordnung, das fremde Grundstück zu betreten. Sie hatten dort nichts zu suchen", so die Richterin. Und gibt ihm den dringenden Rat, dass er dem Nachbarn ab sofort aus dem Weg gehen sollte. Ansonsten geht dieser seit Jahren andauernde Nachbarschaftsstreit wohl weiter.

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