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Kreis Meißen: Briefmarken werden knapp

Das Problem liegt nach der Preiserhöhung der Deutschen Post bei den Fünf-Cent-Ergänzungsmarken. Schnelle Abhilfe wird aber versprochen.

Von Ulf Mallek
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85 Cent kostet jetzt das Porto für einen Standardbrief der Deutschen Post. In manchen Filialen werden die Marken knapp, vor allem die 5-Cent-Ergänzungsbriefmarken. Sie werden benötigt, um die alten 80-Cent-Marken noch weiterzuverwenden.
85 Cent kostet jetzt das Porto für einen Standardbrief der Deutschen Post. In manchen Filialen werden die Marken knapp, vor allem die 5-Cent-Ergänzungsbriefmarken. Sie werden benötigt, um die alten 80-Cent-Marken noch weiterzuverwenden. © Claudia Hübschmann

Meißen. Das neue Jahr ist schon ein paar Tage alt. Höchste Zeit, die letzten Neujahrsgrüße zu verschicken. Eine Postkarte für die Tante und ein Brief für die Großeltern. In der Poststelle freut sich der Verkäufer aber gar nicht über die guten Wünsche zum neuen Jahr. Er schaut missliebig auf die Postsendung und wühlt dann unter seinem Verkaufstisch. Mehr zu sich selbst als zu dem Kunden sagt er: „Preise erhöhen, aber dann die passenden Marken nicht liefern“. Die 70-Cent-Marke für die Postkarte ist schnell gefunden. Schwieriger wird es bei dem Briefporto. Das kostet mittlerweile 85 Cent. Fünf Cent mehr als im Dezember. Die neuen Marken sind noch nicht geliefert, also muss gestückelt werden, doch auch das wird nicht ewig gehen. Die Fünf-Cent-Marken gehen ihm langsam aus.

Die Deutsche Post kennt das Problem, beteuert aber in einem Schreiben an sächsische.de: "Unsere Kundinnen und Kunden müssen sich keine Sorgen machen. Bundesweit sind in unseren Partnerfilialen in der Regel ausreichend 85-Cent-Marken vorrätig."

Hintergrund der Schwierigkeiten ist die Portoerhöhung vom 1. Januar 2022. Nach drei Jahren Stabilität zog die Post das Porto wieder mal an. Ein normaler Brief kostet jetzt 85 Cent (vorher 80), die Postkarte verteuerte sich recht deutlich auf 70 Cent (vorher 60) und ein Einschreiben 2,65 Euro (vorher 2,50). Die neuen Preise sollen bis Ende 2024 gelten.

Bereits erworbene Briefmarken bleiben gültig. Sie können mit den 5-Cent-Füllmarken ergänzt werden. Allerdings räumt die Post Probleme mit diesen Marken ein. Obwohl Ende des letzten Jahres eine besonders hohe Stückzahl an 5-Cent-Ergänzungsbriefmarken in unterschiedlichen Ausführungen (selbstklebend, nassklebend) und Gebinden (Einzelmarken, Markensets, Markenrollen) hergestellt wurden, könne es in den ersten beiden Januarwochen vorkommen, dass im Online-Shop der Deutschen Post oder in einzelnen Filialen nicht alle Ausführungen bzw. Gebinde vorrätig sind, so die Deutsche Post. Seit Jahresbeginn gebe es "eine unerwartet hohe Nachfrage nach selbstklebenden Markensets für diesen Portowert im Online-Shop und in einigen Filialen". Hans-Christian Mennenga, Leiter Post-Pressestelle Nord: "Wir lassen laufend nachproduzieren und versorgen den Online-Shop sowie die Filialen ebenfalls kontinuierlich mit Nachschub. Wir gehen daher davon aus, dass wieder spätestens ab der 3. Kalenderwoche für Vorratskäufe in Filialen alle Ausführungen und Gebinde in ausreichender Menge zur Verfügung stehen."

Unterfrankierte Briefe im Januar erlaubt

Der regionalen Wettbewerber der Deutschen Post in der Region Ostsachsen Post-Modern (das Unternehmen gehört zur DDV Mediengruppe, in der auch die SZ/sächsische.de erscheinen) hat Anfang Januar ebenfalls seine Preise erhöht. Sowohl bei Standardbriefen als auch bei Postkarten bleibt er 10 Cent unter den Preisen der Deutschen Post. Michael Ulbrich, Geschäftsführer PostModern: "Sowohl die Portoerhöhung der DPAG, als auch unsere Erhöhung, waren ja länger bekannt und geplant." Für gewerbliche Kunden sei der Vorteil noch um weitere 19 Prozent größer, weil die Briefmarken der DPAG ohne Mehrwertsteuer und bei PostModern inklusive sind.

PostModern stellte bereits seit Mitte Dezember eine erhöhte Menge an Bestellungen und Neukunden fest. Vermutlich eine Reaktion auf die Preiserhöhung der Deutschen Post, so Ulbrich. Bei PostModern gebe es sowohl ausreichend Briefmarken der neuen Wertstufen, als auch die 5-Cent-Füllmarken. Allerdings kam es vor, dass Servicepartner nicht genügend Füllmarken geordert haben. Ulbrich. "Aber wir liefern schnell nach. Es kann auch jeder in unserem WebShop direkt bestellen und sich die Marken bequem und ohne Zusatzkosten nach Hause liefern lassen."

Aus Kulanzgründen dürfen Post-Modern-Kunden ihre Briefe noch bis Ende Januar auch zum alten Portowert versenden. "Damit wollen wir umgehen, dass Briefe zum Absender unterfrankiert zurückgehen, nur weil der neue Preis noch nicht geübt ist", so Ulbrich. Auch die Deutsche Post hat erklärt, dass sie in den ersten Januartagen unterfrankierte Briefe passieren lässt.

Als regionaler Versender, der seit vielen Jahren schwarze Zahlen schreibt und Gewinne abliefert, hält Post-Modern zwar 70 Prozent des Briefaufkommens im Verbreitungsgebiet, das ist aber nur ein kleiner Teil der gesamten Zustellmenge. Sie wird nach wie vor von der Deutschen Post dominiert. Die meisten Briefe kommen von Ämtern und Firmen. Die Briefmenge sinkt im Internetzeitalter generell schon seit langem, weil viele Menschen zur Kommunikation lieber auf Mails, Chatnachrichten oder Posts in sozialen Medien setzen. Im Jahr 2020 sank die Briefmenge um neun Prozent auf 12,4 Milliarden. Auch Ämter setzen jetzt stärker auf digitale Kommunikation.

Doch noch gibt es Briefe und Postkarten. Zwei Tage später klingelt das Telefon. Die Großeltern sind dran und bedanken sich herzlich für den Brief. Alles noch mal gut gegangen.