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Kreis Meißen: Hohe Energiepreise bringen Kunden in Schwierigkeiten

Kunden von insolventen Billigstromern müssen beim regionalen Anbieter deutlich mehr bezahlen. Für sehr ernste Fälle hat die Verbraucherzentrale einen Geheimtipp.

Von Ulf Mallek
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Romantik pur: Ein Windrad dreht sich am Abend vor der Kulisse der untergehenden Sonne. Doch die Energiepreise sind gar nicht mehr romantisch. Viele Familien suchen jetzt nach einem Ausweg aus der Kostenfalle.
Romantik pur: Ein Windrad dreht sich am Abend vor der Kulisse der untergehenden Sonne. Doch die Energiepreise sind gar nicht mehr romantisch. Viele Familien suchen jetzt nach einem Ausweg aus der Kostenfalle. © Soeren Stache/dpa

Meißen. Die Strompreise sind auf einem Rekordhoch. Analysen von Preisvergleichs-Portalen zeigen, dass Verbraucher aktuell in der Grundversorgung rund 15 Prozent mehr zahlen müssen als im Vorjahr. Noch größer ist der Anstieg beim Gas. Der Preis hat sich unterm Strich beinahe verdoppelt. Angesichts dieser dynamischen Entwicklung befürchten Verbraucherschützer schlimme Folgen vor allem für einkommensschwächere Haushalte.

"Derzeit sind uns keine Kulanzregelungen bekannt", so Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen. Doch die Stadtwerke Riesa können gestiegene Schulden oder mehr Schuldner noch nicht feststellen. Das läge vor allem daran, dass das Unternehmen bereits im Vorfeld bemüht sei, mit den betroffenen Kunden nach Lösungen zu suchen, so Katja Siebert aus der Geschäftsführung. "So arbeiten wir bereits seit mehreren Jahren mit dem Caritasverband für das Dekanat Meißen e.V. im Rahmen des Stromspar-Checks zusammen, bei dem Kunden mit finanziellen Schwierigkeiten ihren Energieverbrauch analysieren lassen können, um so beispielsweise Stromfressern auf die Spur zu kommen." Weiterhin böten die Stadtwerke ebenfalls bereits seit vielen Jahren Prepaid-Zähler an, die der Kunde individuell aufladen kann. Ähnlich wie beim Mobilfunk.

Auch Sachsen-Energie (früher Enso), die im Kreis Meißen den ländlichen Raum beliefert, rät den Kunden, sich bei Zahlungsschwierigkeiten schnell zu melden. "Für uns ist es wichtig, dass wir immer versuchen, mit dem Kunden eine individuelle Lösung zum Abbau des Zahlungsrückstandes zu finden", so Pressesprecherin Nora Weinhold. Dies habe dazu geführt, dass das Unternehmen keinen deutlichen Forderungsanstieg und auch keinen Anstieg der Versorgungsunterbrechungen bei den Privathaushalten in den letzten zwei Jahren feststellen konnte.

Prokurist Henrik Stenzel von den Meißner Stadtwerken empfiehlt, höhere Nachzahlungen durch Anpassung der monatlichen Abschläge zu vermeiden. Das funktioniere sehr gut online oder durch Anruf in der Kundenberatung. Sollten Kunden Zahlungsschwierigkeiten erkennen, beraten die Mitarbeiter auch individuell zu möglichen Stundungen, über Vereinbarungen zu Ratenzahlungsplänen oder geben Hinweise zu sozialen Beratungsstellen. "Im Einzelfall einer nachweisbaren Zahlungsunfähigkeit bemühen wir uns auch um eine kulante Lösung", so Stenzel.

Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale hat noch einen Geheimtipp für Familien, die mit ihrer Strom- oder Gasrechnung in Verzug geraten sind: 2020 wurde bundesweit eine gesetzliche Ausnahmeregelung als Reaktion auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie geschaffen. Danach besteht "ein zeitlich begrenztes Leistungsverweigerungsrecht bei Dauerschuldverträgen". Wer durch die Überweisungen seinen angemessenen Lebensunterhalt gefährdet, der braucht erst mal nicht zu zahlen.

Ein großes Problem sind die vielen Neukunden, die zu den regionalen Versorgern wechseln mussten, weil ihre Billig-Anbieter wegen des gestiegenen Weltmarktpreises insolvent wurden. Das betraf beispielsweise die Anbieter Stromio, Neckermann Strom, Grünwelt Energie, Deutsche Lichtmiete AG oder Green City. Bei den betroffenen Haushalten kommt aber weiterhin Strom aus der Steckdose, da automatisch der Grundversorger einspringt. So haben die Meißener Stadtwerke in den vergangenen Wochen 120 Stromkunden mit jährlichen Verbräuchen in Summe von einer halben Million Kilowattstunden im Tarif der Ersatzversorgung aufgenommen. Bei der Erdgaslieferung betraf dies 80 Kunden mit einer summierten Jahresmenge von 3,5 Millionen kWh. Diese zusätzlichen Mengen waren in den Absatzplanungen nicht enthalten und müssen nun an den Kurzfristmärkten zu sehr hohen Preisen geordert werden. Kostenerhöhungen in der Spitze auf ca. 700 Prozent innerhalb der letzten Monate im Gasmarkt verteuern diesen Tarif also deutlich, so Prokurist Stenzel. Aus diesem Grund haben die Meißener Stadtwerke für den betroffenen Tarif, der Erdgas-, Grund- und Ersatzgrundversorgung, eine Preiserhöhung zum 1. März angekündigt.

Auch Sachsen-Energie fordert höhere Preise von den Neukunden, insbesondere bei Gastarifen. Die Stadtwerke Riesa, so Katja Sieber von der Geschäftsführung, tun das nicht. Sie unterscheiden tariflich nicht zwischen Neu- und Bestandskunden, obwohl im Dezember 2021 und Anfang 2022 insgesamt rund 260 Kunden zu den Stadtwerken Riesa wechselten. "Aufgrund der drastischen Preisänderungen an den Energiemärkten stellte auch uns der zusätzliche Energiebedarf der neuen Kunden vor große Herausforderungen", so Frau Sieber.

Wichtig: Keine Stromsperrungen

Wichtig für Verbraucherschützer ist es, dass es vor allem im Winter nicht zu Unterbrechungen in der Versorgung durch Stromsperrungen kommt. "Eine Preisspaltung zwischen Bestands- und Neukunden sehen wir sehr kritisch", so Stefanie Siegert. Grundversorgung sei Daseinsvorsorge muss bezahlbar bleiben, für alle Kunden zu den gleichen Bedingungen. "Die pauschale Rechtfertigung hinsichtlich der derzeitigen hohen Beschaffungskosten kann allein nicht überzeugen." Das zeigen auch hauseigene günstigere Sondertarife.

Derzeit sollte man regelmäßig nach einem günstigeren Tarif Ausschau halten. Hierbei sollten die Laufzeiten und Kündigungsfristen nicht zu lang sein, damit man auf Preisschwankungen jederzeit reagieren kann. Die Beratungseinrichtungen der Verbraucherzentrale Sachsen unterstützen hier gerne. SachsenEnergie hat für Preissteigerungen ebenfalls eine Empfehlung: Einen fixen Vertrag wählen. Er schreibt die derzeitigen Konditionen für längere Zeit fest. Allerdings auch dann, wenn die Preise im Sommer wieder fallen sollten.