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Krisen-Modus statt Jubiläums-Feier

Seit 30 Jahren gibt es das Nossener Unternehmen. Corona stellt es vor neue Herausforderungen.

Ivo Hake (rechts) und Daniel Klein von Hegewald & Peschke prüfen ein letztes Mal die Kalibierungsmaschine, die an das Eichamt in Leipzig ausgeleifert wird.
Ivo Hake (rechts) und Daniel Klein von Hegewald & Peschke prüfen ein letztes Mal die Kalibierungsmaschine, die an das Eichamt in Leipzig ausgeleifert wird. © Claudia Hübschmann

Nossen. 30 Jahre Hegewald & Peschke. Das sollte in diesem Jahr gefeiert werden. Doch dann kam die Corona-Pandemie dazwischen. Eine ungewisse Zeit, auch für das mittelständige Unternehmen in Nossen, das Maschinen zur Materialprüfung und zur Prüfung von Bauteilen und Fertigprodukten entwickelt und produziert. Vertrieb und Service wie Überprüfung, Wartung und Instandsetzung der Maschinen standen fast komplett still. „Im März und April konnten wir niemanden besuchen, niemand war erreichbar“, berichtet Geschäftsführer Jan Hegewald.

Der promovierte Chemiker und Sohn von einem der beiden Firmengründer 1990, Volkmar Hegewald, stieg vor drei Jahren als Geschäftsführer und Hauptanteilseigner ein. „Aber wir sind bisher gut durch die Corona-Krise gekommen“, sagt Jan Hegewald. Hilfreich dabei sind die breite Produktpalette und die vielen Unternehmen in den verschiedensten Branchen, die zum Kundenkreis von Hegewald & Peschke gehören. „Qualitätssicherung von Produkten ist zeitlos und auch Universitäten, die Forschung betreiben, wird es immer geben.“ So bearbeitet die Firma mit den Universitäten in Chemnitz und Dresden oder anderen Forschungsinstituten gemeinsame geförderte Entwicklungsarbeiten.

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Als Beispiel nennt Jan Hegewald das in diesem Jahr mit der TU Chemnitz fertiggestellte Rotationsschlagwerk, mit dem eine Crashsimulation an Faserverbundwerkstoffen vorgenommen werden kann. Früher seien für derartige Prüfungen Falltürme von sieben bis 15 Metern oder höher benötigt worden. „Wir beschleunigen ein Pendel, Rotationsmasse. Und wenn die Sollgeschwindigkeit erreicht ist, erfolgt der Einschlag ins Material“, erklärt Jan Hegewald. „Damit können wir deutlich kompakter bauen.“ Diese Sonderanfertigung zur Prüfung von technischen Textilen und Verbundwerkstoffen will das Unternehmen jetzt vermarkten. Mit dieser Technologie habe das Unternehmen sein Know-how erweitert, denn bisher ist die Firma mit ihren Entwicklungen im statischen und quasistatischen Bereich unterwegs gewesen.

„Es war eine sehr ungewisse Zeit"

Auf die coronabedingten Einschränkungen hat sich Hegewald & Peschke schnell eingestellt. Statt Messen und Kundenbesuche wurden Maschinen in Videokonferenzen präsentiert. Bürokratie ist dazugekommen, die aber generell schon viel mehr geworden sei. Dazu gehören auch der Nachweis von Lieferketten oder das Lesen von 60 bis 100 Seiten Einkaufsbedingungen großer Firmen. „Wir freuen uns immer, wenn von mittelständigen Unternehmen ein einseitiger Auftrag kommt. Kurz und bündig“, sagt Jan Hegewald. Doch das ist sehr selten geworden.

Kein Vergleich zu den 90er Jahren, als sein Vater Volkmar Hegewald gemeinsam mit Volker Peschke die Firma als GbR in Freiberg gründeten. Beide Ingenieure arbeiteten in einem Prüflabor. „Es war damals eine sehr unruhige Zeit. Man wusste nicht, wie lange man noch in Lohn und Brot war“, erzählt Volkmar Hegewald rückblickend. So überlegten beide Kollegen, gemeinsam etwas zu machen. Kontakte in das - wie es damals hieß - nicht-sozialistische Ausland gab es bereits. Also machten Hegewald und Peschke eine Dienstreise zu drei Firmen im Ruhrgebiet, um ab Januar 1990 den Vertrieb für deren Prüfmaschinen zu übernehmen. Ein Labor hatten sich beide in Freiburg gemietet, Leihmaschinen zur Demonstration für Interessenten bekamen sie kostenfrei zur Verfügung gestellt. „Es war eine sehr ungewisse Zeit. Viele Firmen wurden zerschlagen. Wir wollten selber etwas machen. Selbst zuständig sein, wenn wir arbeitslos werden“, sagt Volkmar Hegewald mit einem Lachen. Damals war er 37 Jahre alt, Peschke 29. „Wir waren selbstbewusst, junge Menschen voller Energie.“

Doch, so erzählt er, „es war eine schwere Zeit. Von Null anfangen, eine völlig neue Technik. Wir waren viel unterwegs.“ Und mit der EDV war es noch ziemlich kompliziert. Mit dem Privatauto sind sie durch die Gegend gefahren, Geld hatten sie noch keins. Nach und nach ging es aufwärts, ein Büro wurde ausgestattet, ein Auto geleast. 1994 in das neue, eigene Firmengebäude mit Labor- und Fertigungskapazität nach Nossen gezogen, zwei Mitarbeiter eingestellt. Mit den Vertriebserfolgen konnte die Belegschaft erhöht werden. In allen Bereichen: Vertrieb, Fertigung, Entwicklung, Servicetechnik. Heute zählt das Unternehmen, seit 1997 eine GmbH, 70 Mitarbeiter.

Heute entwickelt und baut Hegewald und Peschke selbst, auch Sonderprüfmaschinen, speziell auf Kundenwünsche angepasst. Die Investitionswilligkeit der Firmen habe zwar jetzt in der Corona-Krise nachgelassen, „aber unser Vorteil ist, dass wir branchenbreit aufgestellt sind und auch im universitären Bereich arbeiten“, resümiert Jan Hegewald.

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