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"Das ist ein Quantensprung"

Die Sanierung des Weinbergschulgebäudes geht mit großen Schritten voran. Das Haus B des Franziskaneums Meißen erhält ein ganz besonderes Kabinett.

Planer Jürgen Voigt informiert sich mit Schulleiterin Heike Zimmer und Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke über den Baufortschritt am Franziskaneum.
Planer Jürgen Voigt informiert sich mit Schulleiterin Heike Zimmer und Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke über den Baufortschritt am Franziskaneum. © Claudia Hübschmann

Meißen. Gähnende Leere herrscht an diesem Freitagvormittag, 9 Uhr, auf dem Hof des städtischen Gymnasiums Franziskaneum. Statt sich die Beine zu vertreten und frische Luft zu schnappen, hocken die Gymnasiasten aufgrund des erneuten Lockdowns zu Hause vor ihren Rechnern. Den Handwerkern, die gerade im Haus Weinbergschule zugange sind, dürfte das nicht ganz unrecht sein. Unbeeinträchtigt vom normalen Schulbetrieb können sie derzeit die Sanierung des Gebäudes vorantreiben.

Um sich einen Überblick vom Fortgang der Arbeiten zu verschaffen, ist von der anderen Elbseite Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) auf einen Rundgang vorbeigekommen. Begleitet wird er von Planer Jürgen Voigt und Birgit Scholz aus dem Stadtbauamt. Raschke erinnert daran, dass das Großvorhaben Weinbergschule mittlerweile bereits im zweiten Bauabschnitt angekommen ist. In der ersten Phase wurden sieben Klassenzimmer auf Vordermann gebracht. Jetzt folgen weitere fünf Klassenräume und ihre Umgebung. Insgesamt investiert die Stadt 3,2 Millionen Euro, von den 60 Prozent auf dem Förderprogramm Schulische Infrastruktur kommen.

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Historische Details erhalten

Schulleiterin Heike Zimmer lädt ins Innere ein. Dort riecht es nach Mörtel und Farbe. Die Türen stehen zumeist offen. An die Wände sind Bauzeichnungen mit vielen Zahlen gepinnt. Aus der Decke hängen Kabelstränge. Fünf Kilometer an Kabeln sorgen dafür, dass in dem alten Gemäuer ganz neue Lern- und Lehrmethoden genutzt werden können. "Viele Dinge wird man in ein paar Wochen und Monaten für selbstverständlich halten und gar nicht mehr sehen, was alles gemacht wurde", sagt Planer Voigt. Er verweist auf Details wie das historische Geländer im Treppenhaus. Um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen, musste es erhöht werden. Das wiederum durfte nur so geschehen, dass dem Denkmalschutz Genüge getan wurde. Vom Brandschutz kamen weitere Auflagen.

Bei einem Blick in die komplett neue ausgestatteten Toilettenräume spricht Heike Zimmer von einem Quantensprung. Kein Vergleich zu den etwas anrüchigen, früheren Verhältnissen. Dies trifft ebenso auf die Klassenzimmer zu. Wo es möglich war, wurde das ursprüngliche Parkett erhalten und aufgearbeitet. Als Alternative kam ein Vinyl-Boden mit antiker Holzoptik zum Einsatz. Wer dies nicht weiß, dürfte es kaum bemerken.

Wo es ging, wurde das historische Parkett aufgearbeitet. In Räumen, wo dies nicht mehr möglich war, kommt eine Alternative aus Vinyl zum Einsatz, welche sich dank ihrer Holzoptik nahtlos in den Stil des historischen Gebäudes einpasst.
Wo es ging, wurde das historische Parkett aufgearbeitet. In Räumen, wo dies nicht mehr möglich war, kommt eine Alternative aus Vinyl zum Einsatz, welche sich dank ihrer Holzoptik nahtlos in den Stil des historischen Gebäudes einpasst. © Claudia Hübschmann
Als Quantensprung bezeichnet Schulleiterin Heike Zimmer die komplett neu gestalteten WC-Räume. Schüler, welche sich noch an den vorherigen Zustand erinnern, dürften ihr dabei sicherlich zustimmen.
Als Quantensprung bezeichnet Schulleiterin Heike Zimmer die komplett neu gestalteten WC-Räume. Schüler, welche sich noch an den vorherigen Zustand erinnern, dürften ihr dabei sicherlich zustimmen. © Claudia Hübschmann
Fünf Kilometer an Kabeln wurden im Haus Weinbergschule des Franziskaneums während der Sanierungsphase verlegt. In den modernisierten Klassenräumen gibt es ausreichend Steckdosen und Anschlüsse für moderne Lern- und Lehrtechnik.
Fünf Kilometer an Kabeln wurden im Haus Weinbergschule des Franziskaneums während der Sanierungsphase verlegt. In den modernisierten Klassenräumen gibt es ausreichend Steckdosen und Anschlüsse für moderne Lern- und Lehrtechnik. © Claudia Hübschmann

Planer Voigt macht auf eine Besonderheit aufmerksam. Die Räume auf der Ost- und Südseite des Weinbergschul-Gebäudes heizten sich in den heißen Sommern der letzten Jahre mitunter auf über 30 Grad Celsius auf. Konzentriertes Lernen war unter diesen Umständen kaum mehr möglich. Jetzt soll eine Kombination aus innerem und äußerem Sonnenschutz für erträgliche Temperaturen sorgen. Ein automatisches Klimasystem sei in dem alten Schulhaus nicht zu realisieren gewesen, sagt Voigt.

Insgesamt liegen seinen Angaben zufolge die Arbeiten bis auf wenige Ausnahmen im Zeitplan. Die Pandemie mache sich allerdings auch beim Bauen negativ bemerkbar. Eine Firma habe die Arbeit einstellen müssen, da durch Infektionen und die Notwendigkeit der Kinderbetreuung Mitarbeiter fehlten. Schulleiterin und Planer stimmen darin überein, dass es richtig gewesen sei, sich für den Bau bei laufendem Schulbetrieb zu entscheiden. Hätte nur in den Sommerferien gearbeitet werden können, ließe sich das weit über 100-jährige Gebäude nicht so schnell für den sechszügigen Betrieb ertüchtigen. Bis zum Spätsommer 2021 soll die innere Sanierung abgeschlossen sein. Die Planungen für Dach, Fassade, Anbau und Außenanlagen laufen parallel.

Mit einer Besonderheit endet der Baustellenrundgang. Die alte Turnhalle entsprach längst nicht mehr den Anforderungen eines modernen Sportunterrichts. Sie wird durch einen Neubau in der Nachbarschaft des Gymnasiums ersetzt. Der große Raum erhält deshalb eine ganz neue Bestimmung als musisch-künstlerisches Fachkabinett. Die Empore verleiht im einen ganz besonderen Charme. Wie in einer kleinen Aula könnten hier künftig Veranstaltungen wie Konzerte oder Ausstellungen stattfinden. Schulleiterin Heike Zimmer kann es kaum erwarten, dass statt gähnender Leere bald Trubel in dem hohen Saal herrscht.

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