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Eine neue Hochwasserschutzlinie

Fluten der Elbe und der Triebisch sollen künftig keine Schäden mehr in der Altstadt anrichten. Das sieht ein Konzept vor, das im Bauausschuss vorgestellt wurde.

Die Flutmauer am linken Elbufer soll unterirdisch vertieft werden. An der Triebischmündung kann sie im Hochwasserfall vollständig geschlossen werden.
Die Flutmauer am linken Elbufer soll unterirdisch vertieft werden. An der Triebischmündung kann sie im Hochwasserfall vollständig geschlossen werden. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Altstadt lässt sich abdichten und in Zukunft dauerhaft vor Hochwasser schützen. Das ist die Kernaussage einer neuen Studie, welche die Meißner Architektin Regine Görtler-Henschke jetzt im Bauausschuss vorstellte. Erreichen lässt sich das durch eine neue Hochwasserschutzlinie, die auf dem bestehenden Flutschutz aufbaut. Dazu müsste eine etwa 600 Meter lange Mauer zwischen den natürlichen Begrenzungen Plossen und Burgberg gezogen werden. Und sie müsste tief in die Erde reichen – bis dorthin, wo der Untergrund wasserundurchlässig ist.

Diese hydraulische Sperre wäre in einer Tiefe von etwa 20 Metern möglich. Rein technisch ist diese Idee umsetzbar. Dazu ließe sich ein Bauverfahren anwenden, das Bohrpfähle tief in die Erde treibt und den dabei anfallenden Kies in Beton umwandelt, erklärt Holger Metzig. Der Meißner Bauingenieur und Stadtrat der Unabhängigen Liste Meißen (U.L.M.) hatte nach dem Hochwasser von 2013 aus eigenem Antrieb umfangreiche Untersuchungen und Berechnungen für einen wirksamen Flutschutz angestellt. Diese hatten ergeben, dass es in Meißen möglich ist, das Hochwasser fernzuhalten.

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Im Vergleich zu den Schäden, die ein Hochwasser anrichtet, seien Aufwand und Bauzeit von ein bis zwei Jahren vertretbar, so Holger Metzigs Fazit. Auf diesen Überlegungen beruht ein Grundsatzbeschluss der Stadträte vom Juni 2018, ein Konzept für den dauerhaften Hochwasserschutz zu erarbeiten. Damit war daraufhin das Architekturbüro von Regine Görtler-Henschke beauftragt worden.

Ihr Vorschlag sieht die Nutzung der bereits bestehenden Flutschutzmauer am linken Elbufer vor. „Zwischen Altstadtbrücke und dem Anschluss Burgberg verschwindet die Schutzwand in der Straßenbrüstung der B 6“, schlägt die Architektin vor. Der Stadt würden keine Kosten entstehen: Sollte dieser Vorschlag umgesetzt werden, würde nach sächsischem Recht die Landestalsperrenverwaltung (LTV) für den Bau der Bohrpfahlwand aufkommen.

So könnte die Uferpromenade aussehen, die in der neuen Studie zum Hochwasserschutz der Altstadt vorgeschlagen wird.
So könnte die Uferpromenade aussehen, die in der neuen Studie zum Hochwasserschutz der Altstadt vorgeschlagen wird. © Architekturbüro Görtler-Hensch

Außer der unterirdischen Vertiefung soll die Flutmauer zudem so nachgerüstet werden, dass auf ihr im Hochwasserfall ein mobiles Schutzwandsystem installiert werden kann. Regine Görtler-Henschke schlägt vor, sich dabei am Hochwasser von 1878 zu orientieren. Nach den Recherchen ihres Büros, das am Theaterplatz selbst von den jüngsten Hochwassern schwer betroffen war, war die Flut von 1878 die größte, die in Meißen überliefert ist – der höchste Pegelstand übertraf den der Flut von 2002 um 73 Zentimeter.

Die mobilen Schutzwand-Systeme, über die Meißen bereits verfügt, lassen sich für den oberirdischen Flutschutz ergänzen. Da sie innerhalb von 24 Stunden installiert sein können, reichen die Zeiten der Vorwarnung im Hochwasserfall aus.

Pumpen an der Triebischmündung

Die vorgeschlagene Hochwasserschutzlinie bewahrt die Altstadt künftig vor den Wassermassen der Elbe. Die bei Hochwasser ebenfalls anschwellende Triebisch würde dann unterirdisch abgesperrt. Leistungsstarke Pumpwerke sollen dafür sorgen, dass sie sich nicht staut und die Innenstadt überflutet. Nach Holger Metzigs Berechnungen müssen im schlimmsten Fall 8.000 Kubikmeter Wasser in der Sekunde bewegt werden. Dazu sollten zwei Pumpwerke an der Mündung der Triebisch installiert werden. Im Katastrophenfall können sie mit Notstromaggregaten betrieben werden, über die die Stadt bereits verfügt. Das in die Elbe gepumpte Wasser würde deren Pegel nur um einige Zentimeter erhöhen – zu diesem Schluss kommen hydrologische Gutachten.

Die von Regine Görtler-Henschke im Bauausschuss präsentierte Studie enthält auch Vorschläge zur städtebaulichen Gestaltung. Schließlich ging es von Anfang an auch darum, die bestehende Flutschutzmauer nicht zu erhöhen und damit Sichtbeziehungen zu versperren. „Zwischen Eisenbahn- und Altstadtbrücke entsteht so eine attraktive Uferpromenade, welche in Zukunft ein beliebtes Ziel für Bewohner und Besucher Meißens werden könnte“, heißt es in der Studie. „Die Ausweitung der Gehwegfläche ermöglicht das Verweilen auf Sitzbänken und mündet am Zugang einer repräsentativen Treppe. Diese erschließt die Ebene bis zur Triebisch und geht im Uferbereich in Sitzstufen über. Die terrassierte Elbwiese wird durch erhöhte und abgesenkte Gehölzinseln gegliedert“, schlägt Regine Görtler-Henschke vor.

Erfahrungen aus Regensburg

Gute Erfahrungen mit einem solchen Hochwasserschutz-System sind aus dem bayerischen Regensburg und aus der niedersächsischen Stadt Hitzacker bekannt, erklärte Holger Metzig in der anschließenden Debatte. In Regensburg, wo im Jahr 1990 begonnen wurde, ein Hochwasserschutzsystem nach dem für Meißen vorgeschlagenen Prinzip zu installieren, erstreckt sich der aus stationären und mobilen Maßnahmen kombinierte Schutz auf eine Distanz von fünf Kilometern – in Meißen geht es um eine Länge von 600 Metern, um die Altstadt zu schützen, argumentierte der Stadtrat der CDU/FDP/Freie Bürger/U.L.M.-Fraktion. Die Stadt Regensburg gehört wie Meißen der Arbeitsgemeinschaft Historische Städte an. Holger Metzig will sich um Kontakt zur dortigen Bauverwaltung bemühen.

Ingolf Brumm (Linke) äußerte im Bauausschuss die Befürchtung, dass die mit der Umsetzung dieses Konzepts verbundenen Eingriffe in die Natur mehr Schaden als Nutzen anrichten. Insbesondere der Eingriff in das Grundwassersystem sei mit der Gefahr verbunden, dass das Hochwasser in anderen Teilen der Stadt steigt. Dem entgegnete Holger Metzig, dass durch das Pumpen von 8.000 Kubikmeter Wasser in der Sekunde, wie es das Konzept vorsieht, das Hochwasser an der Stadt vorbeigleitet werden kann.

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Nach dem vor zwei Jahren gefassten Grundsatzbeschluss ergänzt die nun vorliegende Studie ein Baugrund- und ein hydrologisches Gutachten zum Hochwasserschutz der Meißner Altstadt. Damit hat Meißen umfangreiche Vorarbeiten geleistet, um die Landestalsperrenverwaltung zu sensibilisieren. Dort laufen alle Bemühungen zum Hochwasserschutz im Freistaat Sachsen zusammen – vor allem natürlich die Planung und Ausführung der einzelnen Bauvorhaben. Derzeit wird das Bauprogramm vorbereitet, das im Jahr 2023 beginnen soll. 

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