merken
PLUS Meißen

Meißner Frauenkirche hat ihre Orgel zurück

Seit 2019 restauriert die Firma Jehmlich das 1929 erbaute Instrument. Jetzt ist es wieder vollständig. Ein Weihetermin steht schon fest.

Die Orgelbauer balancieren die Orgelpfeifen behutsam auf den Prospekt. Die längste Pfeife ist 4,80 Meter.
Die Orgelbauer balancieren die Orgelpfeifen behutsam auf den Prospekt. Die längste Pfeife ist 4,80 Meter. © Claudia Hübschmann

Meißen. Orgelpfeifen zu montieren, ist so, wie eine Tür einzuhängen. Beides braucht viel Geduld. So darf man nicht zu hektisch die Tür bewegen, um beide Scharniere zu treffen. Bei den Orgelpfeifen in der Frauenkirche kommt erschwerend hinzu, dass diese bis zu fünf Meter lang sind. Dadurch benötigt es mindestens zwei Personen, um sie am Holzrahmen einzuhängen. 93 Prospektpfeifen werden so am Montag in Meißen angebracht. Insgesamt erklingen in der Orgel fast 3.800.

„Warte, warte, keine Hektik“, ruft ein Handwerker. Ein anderer trommelt etwas aufgeregt auf die Orgelpfeife. Restaurator Thoralf Möbius gibt das Zeichen: „Ist drin.“ Stille. Die nächste Pfeife wird schon angeliefert. Bevor sie am Prospekt befestigt wird, reinigt sie ein Orgelbauer noch mit einem Staubtuch. In einem Beitrag des MDR sagt Thoralf Möbius, dass die Montage eine ganz schöne Fummelei sei.

Anzeige
Digitaler Infotag an der BA Riesa & Leipzig
Digitaler Infotag an der BA Riesa & Leipzig

Die Berufsakademie (BA) Sachsen in Riesa und Leipzig lädt Studieninteressierte am 13. März 2021 zum digitalen Tag der offenen Tür mit Praxispartnern ein.

Holz, dass wie Pfefferkuchen aussieht

Die montierten Pfeifen befinden sich auf dem Prospekt. Man sieht sie als Erstes, wenn man im Kirchenraum auf der Bank sitzt. Sie und die anderen Orgelpfeifen bestehen aus Zinn und wurden in der Dresdner Werkstatt von Jehmlich Orgelbau aufwendig in 5.000 Arbeitsstunden restauriert. Das heißt, gereinigt und teilweise nachgebaut. Dabei konnte der Familienbetrieb auf eigene Konstruktionspläne zurückgreifen. Denn Bruno und Emil Jehmlich, die dritte Generation der Familie, bauten diese Orgel schon 1929.

„Das ist natürlich für mich, aber auch unsere Mitarbeiter eine Herzensangelegenheit“, erklärt Ralf Jehmlich, Geschäftsführer der Orgelbau-Werkstatt. „Zudem ist die Orgel historisch bedeutsam.“ Denn sie sei seit 1937 nahezu unverändert geblieben und stehe unter Denkmalschutz, so Ralf Jehmlich, der die sechste Generation seiner Familie repräsentiert. Nur vier Register passte man damals an den klanglichen Zeitgeist an. „Diese haben wir nun wieder im ursprünglichen Zustand rekonstruiert“, erklärt er.

Daneben wurden in der Dresdner Werkstatt insgesamt 5.000 Ledermembranen erneuert, die unter anderem den typischen pneumatischen Klang erzeugen. Die Lederstücke sind in mehr als 80 Jahren so porös geworden, dass die Orgel schlicht nicht mehr schön klang. Eigentlich müssten diese nach 30 bis 40 Jahren ausgetauscht werden, so Ralf Jehmlich. Während der Restaurierung wären noch die Schäden des Holzwurms so schlimm gewesen, dass aus dem Holz Pfefferkuchen wurde. In Zukunft müsse deshalb die Orgel regelmäßig gewartet werden, damit mögliche Schäden des Insekts früh erkannt werden. Je nachdem, wie oft die Orgel gespielt werde, kommen Mitarbeiter der Orgelbaufirma ein- bis zweimal im Jahr. Mindestens, um sie zu stimmen.

Die restaurierte Jehmlich-Orgel wird wieder in der Frauenkirche Meißen aufgebaut.
Die restaurierte Jehmlich-Orgel wird wieder in der Frauenkirche Meißen aufgebaut. © Claudia Hübschmann

Weltweit erste Kirchenorgel mit Porzellanregister

Die erste Vorintonation der Orgel passierte schon in der Dresdner Werkstatt. In den nächsten Wochen werden die Orgelbauer die Pfeifen an die Raumakustik der Meißner Kirche anpassen. Das wird noch mal viel Zeit in Anspruch nehmen. Doch Ina Heß ist froh, dass das jahrzehntelange Projekt nun abgeschlossen wird. Denn vorher war der Klang der Orgel schlecht. „Wir freuen uns darauf, sie hoffentlich am Pfingstsonntag einweihen zu können.“ Das sei der offizielle Weihetermin, der, so Corona will, auch mit Publikum stattfindet.

In Zukunft soll ein Register aus Meissener Porzellan dazukommen, und zwar auf der Emporenbrüstung. Die Idee geht dabei auf den Künstler Ludwig Zepner zurück. Dieser entwickelte zusammen mit Jehmlich-Orgelbau Orgelpfeifen aus Porzellan. Das wäre dann die weltweit erste Kirchenorgel, die ein Porzellanregister hätte, so Ralf Jehmlich. Denn es gibt schon eine weltliche Orgel aus Meissener Porzellan der Dresdner Firma. Diese steht in der Lalaport Mall in Yokohama, Japan.

Weiterführende Artikel

Im Orgeljahr zeigen Kirchen ihre Schätze

Im Orgeljahr zeigen Kirchen ihre Schätze

Ihre Musik ist bereits Weltkulturerbe. 2021 wird die "Königin der Instrumente" nun selbst gewürdigt. Auch Görlitz und Niesky präsentieren ihre Orgeln.

Einbau der Frauenkirche-Orgel geht weiter

Einbau der Frauenkirche-Orgel geht weiter

Nachdem die Mitarbeiter wegen eines Corona-Verdachtsfalls abgezogen wurden, sind sie nun wieder am Ort. Denn der zweite Test war negativ.

Holzwurm frisst Frauenkirch-Orgel an

Holzwurm frisst Frauenkirch-Orgel an

Der Traditionsbetrieb Jehmlich restauriert das riesige Instrument in Dresden. Die Familie kann dabei auf einen besonderen Schatz zurückgreifen.

Insgesamt koste die Orgel 350.00 Euro, laut einem SZ-Bericht von 2019. Das Porzellanregister ist da noch nicht enthalten. Es gab allerdings Denkmalmittel des Bundes sowie Fördermittel der Landeskirche und der Sparkasse. Zusätzliche Gelder gibt es noch von den Mitgliedern des Fördervereins Frauenkirche Meißen und der Kirchgemeinde.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen