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"Weihnachten hat man im Herzen"

Wegen der Corona-Pandemie möchte die Familie Wünsche den Meißnerinnen und Meißnern eine kleine Freude bereiten. Schon das zweite Jahr in Folge.

Von Martin Skurt
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Die meisten Menschen kommen erst zufällig und dann immer wieder, um das weihnachtlich geschmückte Haus der Familie Wünsche zu bewundern.
Die meisten Menschen kommen erst zufällig und dann immer wieder, um das weihnachtlich geschmückte Haus der Familie Wünsche zu bewundern. © Claudia Hübschmann

Meißen. Wenn es die Corona-Pandemie nicht gebe, würden die Menschen gemütlich auf dem Meißner Weihnachtsmarkt ihren Glühwein trinken und miteinander quatschen. Doch dieses Jahr ist wieder fast alles so wie 2020. In ganz Sachsen wurden vor zwei Wochen die Weihnachtsmärkte abgesagt. Auch in Meißen verkaufen die Buden keinen Glühwein, sondern nur Handelswaren. Deswegen ist es umso schöner, dass es einzelne Glanzlichter in der Stadt gibt, die den tristen Corona-Alltag in der Vorweihnachtszeit vergessen lassen. So wie das Haus in der Erlichtstraße in Lercha Süd.

Wer vom Bahnhof Triebischtal in Richtung des Meißner Obdachlosenheims wandert, vermutet nicht die Strahlkraft des Hauses, die einen gegenüber vom Heizkraftwerk erwartet. Die Straße auf dem Weg dahin ist düster und mit wenig Laternen bestückt. Einmal von der Hirschbergstraße in die Kurve der Erlichtstraße abgebogen, leuchtet dem interessierten Wanderer das Haus entgegen, wenn es dunkel genug ist.

Sofort sticht der 4,50 Meter hohe, mit Luft aufgeblasene Schneemann ins Auge. Wenn der Wind günstig steht, winkt und nickt er von Weitem. Der Schneemann stand schon im vergangenen Jahr, als die Familie Wünsche damit begonnen hat, ihr Haus weihnachtlich zu schmücken.

Ein buntes Lichtermeer im Triebischtal

Durch die Corona-Pandemie gebe es dieses Jahr zum zweiten Mal keine schöne Stimmung in der Vorweihnachtszeit. "Wir wollen deswegen den Menschen eine Freude machen, die hier zufällig oder gezielt vorbeilaufen", sagt Christine Wünsche. Besonders kleine Kinder seien ganz angetan von der bunten Lichtstimmung, die unter anderem etwa 2.000 LED-Lampen auf 100 Metern verbreiten, so die 36-jährige Pflegefachkraft.

Wie viel Strom die Beleuchtung verbraucht, das kümmert Christian Wünsche wiederum nicht. "Weihnachten hat man im Herzen", beschreibt der 41-Jährige seinen Drang, das Grundstück schön zu schmücken. Es sei zudem nur ein Monat im Jahr. Der Verbrauch und die Kosten spielen da nur eine untergeordnete Rolle.

Christian Wünsche führt am Abend stolz die Funktionen der LEDs vor. Von stroboskopartigen bis wabernden Leuchteffekten in allen Farben lässt sich die Lichterkette einstellen. Nun blinkt sie langsam. "Wir müssen aufpassen, das nicht aus Versehen ein Flugzeug bei uns landet", schmunzelt Christian Wünsche. Nach der Vorführung schaltet er die Lichterstimmung wieder um.

Da die Lichterkette das ganze Grundstück rahmt, leuchtet sie deswegen gleichbleibend in Rot, Grün, Blau und Gelb. Auf dem Grundstück stehen dabei noch weitere mit Luft gefüllte Figuren neben dem übergroßen Schneemann. Ein als Weihnachtsmann verkleideter Bär, eine aufblasbare Schneekugel, drei Schneemänner übereinander, ein Elch mit rotgrünem Schal und darüber wieder eine Schneekugel. Und alles in Bunt.

Hinter dem Weihnachtshaus ist ein ehemaliger Weinhang

Seit etwa zwei Jahren besitzen Christine und Christian Wünsche das Haus, das sie mit eigenen Händen liebevoll saniert haben. Am Fuße eines ehemaligen Weinhanges, noch erkennbar durch Teile der alten Trockenmauer, die sich nahtlos auf dem Grundstück einfügen. Einige Weinpflanzen sind am Steilhang noch intakt, sodass die Familie daraus dieses Jahr einen eigenen Federweißen produziert hat. "Und der hat sogar geschmeckt", sagte Christian Wünsche überrascht und zugleich glücklich.

Seitdem sie das Haus besitzen, ist die Beleuchtung explodiert und wird wohl jedes Jahr mehr. Beim fast zweitägigen Aufbau nach dem Totensonntag hatte Christian Wünsche nur eins im Sinn: "Mir sind sofort Ideen fürs nächste Jahr in den Kopf geschossen." Welche genau, das wollte der Berufskraftfahrer nicht verraten. Die Meißnerinnen und Meißner müssen also künftig selbst nachschauen. Zum Beispiel bei einem Adventsspaziergang mit der ganzen Familie.

Nur das geben er und seine Frau preis: Sie wollen dieses Jahr noch ein paar Änderungen an ihrem Weihnachtsgarten vornehmen. Die neuen Sachen fürs nächste Jahr sind bestellt und ein paar davon will das Ehepaar schon aufstellen. Wer sich selbst vom Haus verzaubern lassen möchte: Die Lichtinstallation steht noch bis mindestens Weihnachten. Danach wird sie nach und nach abgebaut.