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So sieht das alte Gefängnis von innen aus

Der österreichische Bauherr war in Meißen zu Besuch, um den Sensationsfund zu begutachten. Alles verläuft nach Plan, wenn auch verspätet.

Das ehemalige Gefängnis wird für 1,2 Millionen Euro saniert. Jetzt gibt es erste Bilder vom Innenraum.
Das ehemalige Gefängnis wird für 1,2 Millionen Euro saniert. Jetzt gibt es erste Bilder vom Innenraum. © Claudia Hübschmann

Meißen. Licht bricht durch die offene Mauer des ehemaligen Gefängnis auf dem Domplatz. Dort, wo einmal Zellen waren, ist jetzt einfach nur Raum. „Das ist unser Balkonien“, sagt Georg Spiegelfeld stolz. Der Bauherr meint den Durchbruch im ehemaligen Gefängnistrakt. Eingerahmt durch zwei Mauern, die die 500-jährige Geschichte des Gebäudes erzählen. Sie bestehen unter anderem aus Sand- und Ziegelstein. Die offene Stelle im Gefängnis erfüllt einen wichtigen Zweck für die Wiederbelebung des alten Gemäuers, in das 1,2 Millionen Euro investiert werden.

„Die Fassade bleibt offen, hier kommt keine Verglasung hin, was viele vermuten“, erklärt Architekt Matthias Förster. Das Ziel: Durch die offene Stelle im Mauerwerk soll man die Stadt spüren können. Und zwar durch die Geräusche, die Gerüche, das Licht oder auch einfach durch die Optik. „Nirgendwo sonst steht man mit dem Rücken zum Dom und kann das Meißner Panorama mit den roten Dächern bewundern. Das wissen auch die Bauarbeiter zu schätzen, und machen dort gern ihre Mittagspause“, so Georg Spiegelfeld.

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Der Blick von einer Wohnung zur fensterlosen Fassade.
Der Blick von einer Wohnung zur fensterlosen Fassade. © Claudia Hübschmann
Architekt Matthias Förster (links) beim Rundgang mit dem Bauherrn Georg Spiegelfeld. 
Architekt Matthias Förster (links) beim Rundgang mit dem Bauherrn Georg Spiegelfeld.  © Claudia Hübschmann
Zukünftige Bewohner haben einen Rundumblick auf die Meißner Altstadt. Das Gitter des alten Gefängnis bleibt erhalten.
Zukünftige Bewohner haben einen Rundumblick auf die Meißner Altstadt. Das Gitter des alten Gefängnis bleibt erhalten. © Claudia Hübschmann
Der Sensationsfund des Gebäudes: Die spätgotische Decke wird von Gunter Preuß restauriert.
Der Sensationsfund des Gebäudes: Die spätgotische Decke wird von Gunter Preuß restauriert. © Claudia Hübschmann

Gleich neben dem Durchbruch befindet sich der Sensationsfund: eine spätgotische Decke, die man dort nicht erwartet hätte. Gunter Preuß kommt beim Anblick ins Schwärmen: Er erzählt die Geschichte Arnold von Westfalens, der unter anderem die Albrechtsburg erbaute. Es liegt nahe, dass der Bau des Gebäudes auf dem Domplatz 4 ebenfalls von dem kursächsischen Landesbaumeister angeleitet wurde, erklärt der Diplom-Restaurator.

Er hat lange in Meißen gewohnt und gearbeitet. Deshalb kennt er die Geschichte der Stadt sehr gut. Die spätgotische Decke hat mächtige Balken, ähnlich der Dimension in der Albrechtsburg oder im Rathaus. Sie wurde in den vergangenen Wochen stark befestigt und kann deshalb jetzt von Gunter Preuß restauriert werden. „Ganz selbstverständlich ist das nicht. Die Decke zu stabilisieren, war aufwendig. Das sieht man jetzt aber nicht mehr“, so der Restaurator.

„Der Wahnsinn des Bauherrn“

Da auf dem Domplatz kein Platz für schwere und große Baugeräte ist, mussten die Bauarbeiter händisch arbeiten, erklärt Architekt Matthias Förster. Zum Beispiel mit einer kleinen Betonpumpe. Damit die spätgotische Decke keine Last tragen muss, wurde darüber ein Boden aus Beton gegossen. Allerdings belastete man nachträglich die Decke erneut, damit sie authentisch aussieht. Ohne Last würde sie nicht durchhängen. „Eigentlich hätten wir diesen Raum gar nicht erhalten müssen“, meint Matthias Förster. „Denn unser Denkmalschutzkonzept wurde schon genehmigt. Das Meißner Denkmalamt war natürlich höchst erfreut, dass Georg Spiegelfeld sich für die Restaurierung aussprach.“

Der Österreicher sagt zu den Arbeiten an der Decke scherzhaft: „Das ist die Leistung der Bauwerker und der Wahnsinn des Bauherrn.“ Doch ein Funken Wahrheit steckt in seiner Aussage. Denn ihm selbst sei es noch nicht passiert, dass plötzlich ein neuer Raum entsteht, der so nicht vorgesehen war. Auch der Architekt ist begeistert: „Wir stehen hier in einem Raum, den es so nicht gab.“ Was aber am Ende hier ausgestellt wird, muss nach der Arbeit Gunter Preuß entschieden werden. Denn ein konkretes Konzept gebe es noch nicht, so Georg Spiegelfeld. Im Vordergrund stehe zunächst die Restauration.

Der Bauherr lässt den Bauarbeitern freie Hand: „Alle sollen hier kreativ arbeiten können, jeder soll sich einbringen.“ Das mache in seinen Augen die Qualität der Arbeit aus. Er möchte keinen, der auf der Baustelle gedankenlos ist und stur nach Vorgabe arbeitet. Das mache in seinen Augen die Handwerker „stumpf“. Doch gerade so ein kompliziertes Bauvorhaben wie hier im alten Gefängnis erfordere, dass alle zusammenarbeiten und nicht jeder seins macht. „Das ist auch ein Stück Lebensqualität für die Bauarbeiter, etwas Schönes mit eigenen Händen entstehen zu lassen. Meine Handwerker bestätigen mir das.“

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Weitere Projekte sind in Meißen schon geplant. Die möchte der Bauherr aber noch nicht verraten, denn sie sind noch nicht hundertprozentig spruchreif. Gewiss ist, dass es im nächsten Jahr eine Präsentation geben wird, um das Hauskonzept des Denkmals der Öffentlichkeit vorzustellen. Dabei freue er sich, wenn bald Meißner das Haus nutzen. „Wegen Corona verschiebt sich das um ein Jahr. Im besten Fall kann das ehemalige Gefängnis ab 2022 bewohnt werden“, so Georg Spiegelfeld.

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