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Naherholung statt große, weite Welt

Jahrelang hat Anett Scheffler Reisen in alle Herren Länder verkauft. Doch jetzt setzt sie auf heimischen Tourismus.

Anett Scheffler arbeitet seit Anfang dieses Jahres im Team des Regionalmanagements Lommatzscher Pflege.
Anett Scheffler arbeitet seit Anfang dieses Jahres im Team des Regionalmanagements Lommatzscher Pflege. © Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Sie hat ihren Job von der Pike auf gelernt, ist Reiseverkaufsfrau. 15 Jahre lang arbeitete die Lommatzscherin Anett Scheffler bei einem bekannten Dresdner Reiseunternehmen, machte sich dann mit ihrer Geschäftspartnerin Sandra Winkler mit der Reislounge in Meißen selbstständig. Seit Anfang dieses Jahres arbeitet die 47-Jährige im Team des Regionalmanagements Lommatzscher Pflege. Und hatte doppeltes Glück. Ihr Arbeitsweg verkürzte sich deutlich, denn das Büro für Regionalentwicklung zog von Meißen nach Lommatzsch um, befindet sich jetzt an der Nossener Straße 3/5.

Hier ist nichts mehr zu spüren von der Enge in Meißen. Sie und ihre beiden Kollegen Marcel Borisch und Markus Göldner schwärmen von den neuen Räumlichkeiten. "Wir sind hier in zentraler Lage im Fördergebiet, das von den ländlichen Riesaer Ortsteilen wie Jahnishausen bis nach Klipphausen geht. Wir können uns auf 115 Quadratmetern sehr gut präsentieren", so Marcel Borisch, der Regionalmanager. Die Themen EU-Förderung und Naherholung seien in dem Ladengeschäft wunderbar zu sehen.

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Der Umzug passierte jedoch nicht ganz freiwillig. "Uns wurde in Meißen der Untermietvertrag bei der Wirtschaftsförderung Meißen gekündigt, so dass wir uns nach neuen Räumlichkeiten umsehen mussten. Da traf es sich gut, dass uns die Malerfirma Burkhardt Räume zur Verfügung stellte und auch gleich renovierte", sagt Anita Maaß, Bürgermeisterin von Lommatzsch und zugleich Vorsitzende des Fördervereines Lommatzscher Pflege, zu dem das Regionalmanagement seit 2014 gehört.

Die Regionalentwicklung hatte einen Untermietvertrag bis Ende 2020 in den Räumlichkeiten der Wirtschaftsförderung Meißen. Eine Verlängerung des Mietvertrages sei nicht möglich gewesen, da sich die Wirtschaftsförderung durch den Bereich Breitbandförderung erweitert hat und weitere Räumlichkeiten daher ab 2021 nicht mehr zur Verfügung standen, so Marcel Borisch. Für die künftige Regionalentwicklung wurden mehrere Standorte geprüft. Der Vorstand des Fördervereins entschied sich letztlich für die Räumlichkeiten in Lommatzsch.

Wieder Gondelfahrten in Semmelsberg

Die Regionalentwicklung ist für die Fördermittel aus dem Leader-Programm zuständig. In der letzten Förderperiode wurden 11 Millionen Euro Fördermittel an Gemeinden, Vereine und Privatpersonen vergeben. Insgesamt waren damit Investitionen in Höhe von 24 bis 25 Millionen Euro verbunden. "Daran sieht man, wieviel Geld durch die Fördermaßnahmen in die regionale Wertschöpfung flossen, denn die Arbeiten wurden fast ausnahmslos von Handwerkern und Firmen aus der Region ausgeführt", so Marcel Borisch.

Für den Bereich Naherholung, für den Anett Scheffler jetzt zuständig ist, waren ursprünglich eine Million Euro eingeplant. Ausgezahlt wurden schließlich rund zwei Millionen Euro. "Nach zähem Beginn gab es eine regelrechte Antragsflut. Weil es uns gelang, Geld umzuschichten, musste niemand leer ausgehen", so Marcel Borisch. Die Ergebnisse sind jetzt schon zu sehen oder werden noch zu sehen sein. So gab es zum Beispiel 80.000 Euro Fördermittel für private Bauherren, welche das aus dem Jahr 1907 stammende ehemalige Kaiserliche Postamt in Lommatzsch umbauten und sanierten, das ist die höchste Summe, die es für Private gibt. Geld floss beispielsweise in den Umbau der "Alten Post" in Lommatzsch zu einem Wohnhaus. Insgesamt wurden im Förderzeitraum private Wohnprojekte mit insgesamt fast 2,7 Millionen Euro gefördert.

Geld gab es aber auch für die Reaktivierung des Gondelteiches an der Preiskermühle in Semmelsberg. Ab Sommer können dort wieder Gondelfahrten unternommen werden. Auch die Umgestaltung des ehemaligen Schlossparks in Niederjahna wurde mit 200.000 Euro gefördert. Am Jahnatalwanderweg in Stauchitz entstand ein Rastplatz.

Vom Reisebüro zur Naherholung, ist das nicht für Anett Scheffler eine große Umstellung? Nein, sagt sie. "Ich stamme aus der Region, bin sehr mit dieser verwurzelt und verbunden, freue mich darauf, beitragen zu können, sie für den Tourismus, für die Naherholung attraktiver zu machen", sagt sie. Wobei das Regionalmanagement nicht der Ideengeber ist. "Die Ideen kommen von den Gemeinden, Vereinen, Unternehmen und Privatpersonen. Wir helfen dann bei der Umsetzung und bei der Beschaffung von Fördermitteln", sagt sie. Ideen gibt es schon eine ganze Menge. So soll das ehemalige Kalkbergwerk in Miltitz wieder für Besucher begehbar gemacht werden. Die Gemeinde Ostrau will in Münchhof alte Kalköfen wieder herstellen.

Vor allem aber soll die Region bekannter gemacht werden. "In Hirschstein beispielsweise kennt wohl jeder das Schloss. Aber, dass es dort einen tollen Waldspielplatz, welcher durch das Leader-Programm unterstützt wurde, und einen Lehrpfad gibt, das weiß kaum jemand", sagt Anett Scheffler. Durch Corona habe die Naherholung einen Schub erhalten. Dies soll genutzt und möglichst ausgebaut werden. "Wir wollen beispielsweise auch Riesaer dazu bewegen, die Lommatzscher Pflege kennenzulernen, ihnen die Kleinode, die vielen kleinen Landschlösser, die Mühlen oder die Radwege näherbringen", so die Lommatzscherin. Helfen soll dabei auch eine interaktive Karte, die auf der Homepage des Regionalmanagements zu finden ist. Dort können alle Sehenswürdigkeiten mit Fotos und Informationen gefunden und angeschaut werden.

Kleinode vor der Haustür entdecken

Ab Frühjahr soll auch die Entdeckertour mit dem Maskottchen Gerstin durch die Lommatzscher Pflege starten. Durch Corona musste dieses Projekt verschoben werden. Abseits der üblichen Pfade können alte Dorfkirchen, Schlösser und Herrensitze, Höhlen, Museen und weitere Sehenswürdigkeiten entdeckt werden. Dazu gibt es eine Gerstin-Stempelkarte. Wer alle Gemeinden besucht hat, bekommt als Dankeschön ein kleines Präsent.

Um Leute in die Region zu locken, müssen alle Voraussetzungen stimmen. "Dazu gehört, dass die Rad- und Wanderwege gut ausgeschildert sind, beispielsweise die angegebenen Entfernungen stimmen. Gut wäre auch, wenn es uns gelänge, dass alle Sehenswürdigkeiten zu einheitlichen Zeiten geöffnet sind, beispielsweise sonntags von 10 bis 17 Uhr", sagt Anett Scheffler. Dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

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Ein Weg, den die Lommatzscherin nun mitgehen möchte. Potenzial dazu habe die Region. Für sie heißt es nun Naherholung statt große, weite Welt. Doch wie sagte schon Johann Wolfgang von Goethe: "Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah."

Kontakt: Regionalmanagement Lommatzscher Pflege, Nossener Straße 3/5, 01623 Lommatzsch; Telefon 035241 - 815081 oder 815082 oder 815083; Mail: [email protected]

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