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Noch einmal rein in die Läden

Am Sonnabend hatten viele Geschäfte letztmalig in diesem Jahr geöffnet. Kunden kamen reichlich, doch ein Massenansturm blieb aus.

Weihnachtsbummel in Meißen: Axel Kirste (56) und Tochter Paula (15) schauen sich am Sonnabend auf der Burgstraße nach Geschenken um. Erwartet hatten sie mehr Leute, finden die ruhige Atmosphäre aber angenehm.
Weihnachtsbummel in Meißen: Axel Kirste (56) und Tochter Paula (15) schauen sich am Sonnabend auf der Burgstraße nach Geschenken um. Erwartet hatten sie mehr Leute, finden die ruhige Atmosphäre aber angenehm. © Claudia Hübschmann

Von Ulrike Keller

Meißen. Es ist ruhig an diesem Nachmittag in der Meißner Innenstadt. Sehr ruhig für einen verkaufsoffenen Sonnabend im Advent. Extrem ruhig für den letztmöglichen Einkaufstag in vielen Geschäften vor dem harten Lockdown. „Erwartet hatte ich mehr Leute“, sagt Axel Kirste. „Aber ich finde es eher angenehm.“ Er kommt gerade mit seiner 15-jährigen Tochter Paula aus einem Modegeschäft auf der Burgstraße. Es ist halb drei.

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Gekauft haben sie nichts. Dafür sind sie vorher in einem anderen Laden fündig geworden. Etwas zum Verschenken. Die Überraschung trägt Paula in einer kleinen Papiertüte. „Wir sind gerne in Meißen“, erzählt Axel Kirste, der mit seiner Familie zwischen Meißen und Großenhain wohnt. In Großenhain waren sie am Vormittag bummeln. „Da war mehr los“, berichtet er. „Vor einem Schmuckgeschäft standen die Leute an.“ Auch im Baumarkt seien es viele Leute gewesen.

"Man merkt die gedrückte Stimmung"

In Meißen wollen sie nun die Burgstraße hinauf schlendern. Was Axel Kirste in mehreren Geschäften aufgefallen ist: „Man merkt die gedrückte Stimmung bei den Betreibern.“

Er und Tochter Paula tragen Maske. Wie fast alle auf der Straße und überhaupt in der Altstadt. „Am Busbahnhof, wo wir parken, waren mehr ohne Maske unterwegs, mehr auch als in der Großenhainer Innenstadt“, vergleicht der 56-Jährige.

Ein Stück weiter oben auf der Burgstraße: Aus einem Kunsthandwerksgeschäft tritt eine adrett gekleidete Mittfünfzigerin mit schwarzen Haaren, schwarzer Jacke, schwarzem Mundschutz. Sie lüftet leicht ihre Maske, schnappt nach Luft. Tränen stehen ihr in den Augen. „Das macht mich zu traurig“, sagt sie leise. „Nächstes Jahr ist das alles tot hier.“

Das Warten in der Schlange nahmen viele in Kauf. Maske und Abstand waren für alle eine Selbstverständlichkeit, wie hier in Coswig. Beim Coswiger Kunstgewerbegeschäft auf der Bahnhofstraße war der Andrang enorm. Immer wieder bildeten sich Warteschlangen.
Das Warten in der Schlange nahmen viele in Kauf. Maske und Abstand waren für alle eine Selbstverständlichkeit, wie hier in Coswig. Beim Coswiger Kunstgewerbegeschäft auf der Bahnhofstraße war der Andrang enorm. Immer wieder bildeten sich Warteschlangen. © Arvid Müller
Gefragte Läden: Die Künstlerinnen Susann Starke (v.l.), Bettina Schieser und Madlen Breitsprecher in Meißen sind zufrieden mit ihrem Weihnachtsgeschäft auf der Burgstraße.
Gefragte Läden: Die Künstlerinnen Susann Starke (v.l.), Bettina Schieser und Madlen Breitsprecher in Meißen sind zufrieden mit ihrem Weihnachtsgeschäft auf der Burgstraße. © Claudia Hübschmann

Nicht ganz so pessimistisch sieht es eine andere Passantin: „Ich habe gehofft, dass die Innenstadt so leer ist, weil die Zahlen schon hoch sind“, sagt sie. Die Meißnerin geht davon aus, dass viele Menschen bereits in den vergangenen Tagen und Wochen vorgesorgt haben und ihre Geschenke in der Mittagspause oder nach Feierabend gekauft haben.

Einzelne Pärchen, Familien mit Kind, Leute mit Hund – die wenigen Menschen auf der Straße lassen sich Zeit. Keiner hetzt. Wo einst Brück & Sohn sein Traditionsgeschäft hatte, steht die Ladentür weit offen. Eine weihnachtlich gestaltete Holzleiter schmückt den Eingang. Innen warmes Licht, ein sanfter Duft und Unikate aus Porzellan, Filz & Co. Eine Frau bezahlt an der Kasse und fragt: „Ist am Montag noch geöffnet?“ Die Antwort von Susann Starke: „Heute ist unser letzter Samstag. Großes Finale.“ Auch an dieser Stelle.

Einnahmen von Märkten fehlen

Susann Starke gehört zu den sechs Künstlern aus der Region, die seit sechs Jahren nur für die Weihnachtszeit in Meißen einen Laden anmieten, um ihre Fabrikate zu verkaufen. Dieses Jahr hatten sie nun das Traditionsgeschäft an der Burgstraße 1 gewählt und waren auch schon frühzeitig, seit Oktober, darin präsent. Die Einnahmen von den Märkten fehlten.

„Im Oktober haben viele erst mal geguckt und in den vergangenen drei Wochen gezielt zugeschlagen“, sagt die Keramikkünstlerin aus Nossen. In der vorigen Woche sei der Andrang besonders groß gewesen. Ein Trend, der bis Sonnabend andauert. „Wir hatten richtig viel zu tun und sind sehr zufrieden“, so Susann Starke. Filzkünstlerin Bettina Schieser und Wollkünstlerin Madlen Breitsprecher stimmen zu. Darum haben sich die Kreativen auch entschieden, im nächsten Jahr wieder in Meißen ein Geschäft zu mieten. Ein anderes. Erneut im Zentrum. Voraussichtlich schon ab März. Mehr wollen sie noch nicht verraten. Bis dahin sind die Künstler online erreichbar.

Dankbarkeit bei Ladeninhaber

Der Laden füllt sich. Acht Personen – alle mit Maske – verteilen sich gut. Die nächste will gerade die Stufe ins Geschäft nehmen, als Bettina Schieser sachte interveniert: „Sie müssten kurz warten.“ Nur acht Kunden dürfen gleichzeitig im Raum sein, um den nötigen Abstand einhalten zu können. „Die meisten haben freundlich gewartet“, erzählt Susann Starke.

Aus eben diesem Grund bildet sich in Coswig an der Ecke Bahnhofstraße/Dresdner Straße am Sonnabend immer wieder eine Schlange. Ladeninhaber Ralf Burkhardt hatte sogar mit einem noch größeren Ansturm gerechnet. Er ist dankbar, dass die Kunden nicht genervt reagiert haben.

„Schon seit November habe ich eine sehr hohe Kundenfrequenz“, sagt er und berichtet ebenfalls von einem sehr guten Umsatz. Wer nun noch Herrnhuter Sterne oder ein spezielles Produkt kaufen wolle, könne ihn anrufen. Er liefert nach seinen Möglichkeiten gern an.

Conrad Rost von der Coswiger Buchhandlung Ernst Tharandt, schräg gegenüber, fährt mit seinem Team schon seit Donnerstag Bücherbestellungen aus. Von Dienstag an registrierte er merklich mehr Kunden im Geschäft auf der Bahnhofstraße. Dieser Trend hat auch am Sonnabend angehalten. Nun laufen Onlineshop und Auslieferungsbetrieb weiter. „Wie es aussieht, werden wir voll weiterarbeiten“, sagt er optimistisch.

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