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ULM-Gründer Tücks spricht nicht mit AfD

Im Nachgang der Landratswahl liefern sich die Vertreter der Parteien heftige verbale Gefechte.

Ist zwar als Stadtrat nicht mehr aktiv, verfolgt aber die politische Entwicklung in Meißen genau: ULM-Mitgründer Wolfgang Tücks.
Ist zwar als Stadtrat nicht mehr aktiv, verfolgt aber die politische Entwicklung in Meißen genau: ULM-Mitgründer Wolfgang Tücks. © privat

Meißen. Der langjährige Stadtrat Wolfgang Tücks hat ein Gesprächsangebot des Meißner AfD-Landtagsabgeordneten und AfD-Stadtrats Thomas Kirste abgelehnt. Er verfolge seit längerer Zeit auf Facebook viele AfD-Seiten, so der Mitgründer der Unabhängigen Liste Meißen (ULM). Dabei falle ihm auf, dass dort immer wieder unwidersprochen die freiheitlich demokratische Grundordnung herabgewürdigt werde. 

Die Rede sei von "Volksverrätern" und "Lügenpresse". Corona werde als Unterdrückungsinstrument bezeichnet. "Das ist nicht der Politik-Stil, nicht das politische Klima, das vorhanden sein muss, damit ein im geeinten Europa beheimateter deutscher Konservativer sich mit einem Politiker Ihrer Art und Güte an einen Tisch setzt", so Tücks abschließend.

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Die Äußerung des Meißner Kommunalpolitikers steht in einer Reihe mit mehren Verbalattacken gegen die Alternative im Landkreis. Im Nachgang der Wahl des CDU-Kandidaten Ralf Hänsel (parteilos) zum Meißner Landrat hatte der Meißner CDU-Kreisverbandschef Sebastian Fischer seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass der Durchmarsch des christdemokratischen Bewerbers im ersten Gang ein deutliches Zeichen für eine Trendumkehr sei. Ein Großteil der Wähler habe mittlerweile durchschaut, dass speziell die AfD-Landtagsabgeordneten oft nur Sprüche klopften, aber für ihre Wahlkreise letztlich nichts erreicht hätten.

Schärfer noch fiel der Angriff durch den Vorsitzenden der Linksfraktion im Meißner Stadtrat aus. Tilo Hellmann bezeichnete die AfD als "faschistische, sexistische, homophobe, unsoziale, inkompetente und rechtsextreme Partei". Gleichzeitig warf der Politiker Kirste vor, sich "mit fremden Federn zu schmücken" und eine Initiative der Stadt für den Kauf des Kornhauses neben der Albrechtsburg durch den Freistaat als seine Aktion zu verkaufen, obwohl er daran direkt nicht beteiligt gewesen sei. 

"Einzige noch ernstzunehmende Opposition"

Thomas Kirste antwortete auf diese Vorwürfe am Donnerstag in einem ausführlichen Schreiben an die Meißner SZ-Redaktion. In den vergangenen Tagen sei die AfD vermehrt Ziel verbaler Attacken durch kommunale Vertreter der "Altparteien" geworden, so der Meißner. Das freut die Alternative, denn es beweise, dass sie "als einzige noch ernstzunehmende Oppositionspartei vielleicht nicht alles, jedoch zumindest vieles richtig gemacht habe."

Dem früheren Meißner ULM-Fraktionschef Tücks hält Kirste vor, "Vorwürfe jenseits alles Sittlichen" gegen ihn selbst, die AfD und ihre Wähler erhoben zu haben. Auf dieses "höchst fragwürdige Niveau" werde man sich nicht begeben. Das Gesprächsangebot bleibe trotzdem bestehen. 

Deutlichen Widerspruch äußert der Landtagsabgeordnete zu der Interpretation des Ergebnisses der Landratswahl als CDU-Sieg durch Sebastian Fischer. Der Parlamentarier führt an, dass im Vergleich zur Landratswahl 2015  die Wahlbeteiligung in diesem Jahr sowohl qualitativ um vier Prozent als auch quantitativ um rund 6.000 aktive Wahlgänger angestiegen sei. Im gleichen Zeitraum habe die CDU mit rund acht Prozentpunkten beziehungsweise über 3.000 Wählern massiv an Stimmen eingebüßt. "Es war das schlechteste Ergebnis eines CDU-Landrats in der Geschichte unseres Landkreises", so Kirste. 

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Thomas Kirste rechnet sich für die Wahl am Sonntag durchaus Chancen aus. Bei einem zweiten Wahlgang geht er von einem ähnlichen Szenario wie in Görlitz aus.

Fragen müsse sich auch Tilo Hellmann, weshalb die Linkspartei Wähler an die AfD verliere. Vielleicht liege der Grund darin, dass die Alternative die Anhänger der politischen Mitbewerber "weder direkt noch indirekt mit unflätigen Kampfbegriffen beleidige", sondern mit Argumenten und Sacharbeit um Stimmen werbe. In der Frage des  Kornhauses habe die Linke über zwölf Jahre Zeit gehabt, "eine konstruktive Zusammenarbeit auf Stadt- und Landesebene anzuregen", so Kirste. 

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