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Wo bleiben die Schnelltests für Grundschulen?

Ab Montag müssen sich im Landkreis Meißen Grundschüler testen lassen: Doch fehlende Schnelltests gefährden den Schulstart.

Steffen Gehrke nimmt täglich bis zu 200 Nasen-Abstriche.
Steffen Gehrke nimmt täglich bis zu 200 Nasen-Abstriche. © Claudia Hübschmann

Normalerweise ist Schulleiterin Sylvia Kreller während der Ferien nicht in der Freinet-Grundschule Friedewald bei Moritzburg anzutreffen. Doch in diesen Osterferien sind einige Vorbereitungen nötig, damit ihre Schüler zurückkommen dürfen. Alles steht und fällt mit dieser einen erlösenden E-Mail, welche die Lieferung der Schnelltests ankündigt.

Die aktuelle Corona-Schutzverordnung sieht vor, dass Schulen und Kindertagesstätten geöffnet bleiben - ganz unabhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz. Dafür gelten verschärfte Maßnahmen: Die Testpflicht wird auf zweimal pro Woche ausgeweitet und gilt ab Montag erstmalig auch für Grundschüler.

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Erste Schulen wurden bereits beliefert, teilte das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) mit, die zweite große Lieferung aus Österreich sei am Donnerstag eingetroffen. Ob sich darunter auch Schnelltests für die Grundschüler aus Friedewald befinden, ist unklar. In Krellers Postfach findet sich nur die ernüchternde Nachricht, dass freie Schulen die Tests selbst abholen müssten - in Dresden. Laut Roman Schulz, Pressesprecher des Lasub würden spätestens Sonntag genügend Tests vorrätig sein.

Für die Schulleiterin aus Friedewald wäre das zu spät: Für Sonnabend ist geplant, die Antigen-Tests mit Abstand und Maske auf dem Pausenhof zu verteilen. Wirklich zuversichtlich ist sie nicht mehr und hat vorsorglich alle Eltern informiert, sich eigenständig einen Schnelltest zu besorgen. Denn eine gemeinschaftliche Testung im Klassenverbund hält Kreller nicht für zumutbar. Zum einen würden Schüler dadurch stigmatisiert, aber auch aus Infektionsschutzgründen sei das unverantwortlich: „Wer positiv ist, soll gar nicht erst in die Schule kommen.“

Die Landesregierung stellt sich eine andere Handhabung vor: "Wir gehen davon aus, dass die Testungen in den Schulen stattfinden", erklärt Schulz am Telefon. "Selbsttests sind keine Give-Aways." Eltern, die ihre Kinder selber testen wollen, sollten sich eigenständig um Tests kümmern.

Dass solche Tests das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit von Kindern nicht verletzen, hatte das Oberverwaltungsgericht Bautzen bereits Ende März geklärt und den Eilantrag gegen das Zutrittsverbot für Ungetestete an Schulen abgelehnt. Da es sich um Tests handele, bei denen ein Abstrich direkt im vorderen Nasenbereich erfolgt, oder um vergleichbare Tests, die nicht mit beachtlichen Schmerzen einhergehen. Allerdings zu einem Zeitpunkt, als Grundschüler von dieser Regelung noch gar nicht betroffen waren.

Für Kitas greift die neue Regelung bereits seit dieser Woche: Ohne negativen Schnelltest dürfen Eltern die Kindertagesstätte nicht betreten, um ihre Kinder abzuholen. Kindergartenkinder sind davon ausgenommen.

3 bis 6 positive Tests täglich

Während manche Schulen verzweifelt auf Schnelltests warten, gibt es für den Rest der Bevölkerung genug - auch wenn die Menschentraube vor dem Testzentrum des DRK in Meißen ein anderes Bild vermittelt - doch die warten nur noch auf ihr Testergebnis.

Die Abfertigung läuft schnell und routiniert und so haben am Mittwochabend fast 170 Personen auf dem weißen, regelmäßig desinfizierten Teststuhl Platz genommen. Bevor es losgeht, erklärt eine der beiden Freiwilligen mit beruhigender Stimme, was hier für ein Test vorgenommen wird. Nämlich ein Abstrich in der Nase mit flexiblem Teststäbchen.

Bis das Ergebnis da ist, dauert es 15 Minuten.
Bis das Ergebnis da ist, dauert es 15 Minuten. © Claudia Hübschmann

Obwohl die Schnelltests seit Dienstag eine neue Bedeutung bekommen haben und ein negatives Testergebnis Türöffner für die neuen Lockerungen ist, lässt sich der Ansturm am Testzentrum an der Zaschendorfer Straße noch mit zwei Freiwilligen bewältigen. Selbst am Dienstag, als knapp 200 Menschen getestet wurden. Sollte der Andrang zunehmen, würde eine zusätzliche Kraft zur Hilfe geholt. Ausreichend Schnelltests seien auf jeden Fall vorhanden, so DRK-Kreisgeschäftsführer Christoph Ruppert. Allein in diesem Testzentrum würden so täglich drei bis sechs positive Fälle herausgetestet. "Die Betroffenen reagieren äußerst unterschiedlich: Manche sagen, das hab ich mir schon fast gedacht- mir ging es am Wochenende bereits schlecht", berichtet Ruppert.

Die meisten würden vom positiven Testergebnis jedoch kalt erwischt. Eine Person habe sich sogar eine "zweite Meinung" in einem anderen Testzentrum einholen wollen. Allerdings sei ein positiver Test ziemlich eindeutig. Zwar hätten die eingesetzten Schnelltests eine Fehlerquote von zwei Prozent, doch die äußere sich viel häufiger in falsch-negativen, als durch falsch-positive Tests.

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Ein weiterer Corona-Toter wurde gemeldet. Die meisten Infizierten leben in Radebeul. Außerdem: Ab nächster Woche gibt es wie geplant Präsenzunterricht in Schulen.

Ab nächster Woche verlässt man das Testzentrum sogar mit einem digitalen Testergebnis, das den Einkauf im ganzen Landkreis erleichtern soll. Das zu überprüfen, liegt derzeit in der Verantwortung der Einzelhändler. Eine Überprüfung durch das Gesundheitsamt findet nicht statt.

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