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PLUS Familienkompass 2020 Meißen

"Schön ist etwas anderes"

Mehr als 1.000 Menschen haben beim Familienkompass im Landkreis mitgemacht. Meißen belegt im Vergleich das Mittelfeld.

Im Familienkompass 2020 kritisieren Meißner vor allem das Betreuungsangebot der Kitas. Öffnungszeiten seien zu kurz, und es gebe zu wenig Personal. Da der Bedarf an Betreuung so hoch ist, eröffnete die Stadt erst 2018 eine Kita auf dem Kalkberg.
Im Familienkompass 2020 kritisieren Meißner vor allem das Betreuungsangebot der Kitas. Öffnungszeiten seien zu kurz, und es gebe zu wenig Personal. Da der Bedarf an Betreuung so hoch ist, eröffnete die Stadt erst 2018 eine Kita auf dem Kalkberg. © Archivfoto: Claudia Hübschmann

Meißen. In Meißen sind die Erzieher engagiert, die Kitas gut ausgestattet und die Kinder gehen gern zur Schule. Doch trotzdem reicht es im Familienkompass nur zur Note 2,9. So sagt eine 38-jährige Mutter, die an der Umfrage teilgenommen hat: Meißen tue absolut nichts für seine Kinder, Jugendlichen und Familien. "Anstatt dort zu investieren, sind irgendwelche sinnlosen Bauten wichtiger." Eine andere Mutter, 32 Jahre alt, bedauert fehlende Angebote und bemängelt zudem überfüllte Vereine: "Die Jugendlichen sitzen mit Alkohol und Drogen an den Elberadwegen und verschmutzen ohne Perspektive die Umwelt. Schön ist etwas anderes."

Wohnumfeld meist nicht familienfreundlich

Deshalb steht wohl auch das subjektive Wohlbefinden im Landkreis-Vergleich auf dem letzten Platz: mit der Note 2,7. Obwohl sich drei Viertel der Befragten in Meißen und ihrer Nachbarschaft wohlfühlen, ist das Wohnumfeld nicht familienfreundlich. Jeweils die Hälfte der Befragten geben an, dass sich die Nachbarschaft eher schlecht oder schlecht um die Kinder sorgt und es nicht genügend Flächen zum Spielen gibt. Für den Landkreis Meißen sagen das jeweils noch 40 Prozent, in ganz Sachsen sind es sogar nur ein Drittel.

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Eine 66-jährige Großmutter kommentiert das: "In Meißen weiß man nicht wirklich, wo man mit Kindern im Grundschulalter hingehen soll. Außer Elberadweg gibt es keinerlei innerstädtisches Grün. Spielplätze sind sehr niveaulos." Trotzdem sagen wiederum drei Viertel der Befragten, dass ihre Nachbarn freundlich sind. 

© SZ Grafik
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Zu wenige Erzieher und zu volle Schulklassen

Die befriedigenden Schulnoten im Familienkompass kommen auch deshalb zustande: Das Betreuungsangebot in der Stadt ist für viele nicht ausreichend. Dafür erhält Meißen eine 3,3. So geben mehr als die Hälfte der Befragten an, dass es kein bedarfsgerechtes Angebot an Kitas gibt. Für knapp die Hälfte sind die Öffnungszeiten zu kurz und für etwa 83 Prozent sind diese nicht oder schlecht mit Schichtarbeit vereinbar. 

Für eine 37-jährige Mutter dreier Kinder gebe es zu wenig Personal. So könne keine qualitativ hochwertige Betreuung für Kinder gewährleistet werden. Das spiegelt sich in den Umfragewerten: So nennen fast 60 Prozent, dass die Personalausstattung schlecht ist. Dafür empfinden mehr als 80 Prozent die Erzieher engagiert. Etwa zwei Drittel der befragten Eltern fühlen sich gut informiert und können sich in den Kitas einbringen. Deswegen bewerten Meißner die Kita-Qualität auch deutlich besser, und zwar mit einer 2,4.

Die Lehrbedingungen an Schulen tritt ebenso positiv hervor: mit einer 2,4. Das ist etwas besser als der sächsische Durchschnitt und der zweite Platz im Landkreis Meißen nach Radebeul. So sticht aus der Umfrage heraus, dass die Meißner Kinder gern zur Schule gehen: etwa 80 Prozent stimmen dem zu. Jeweils die Hälfte sind der Meinung, dass ihre Kinder optimal gefördert werden, die Meinung der Eltern in den Schulen zählt und diese auch gut informiert werden. Zwei Drittel sagen zudem, dass der Zustand der Schulgebäude gut ist. 

42 Prozent der Befragten bemängeln jedoch, dass die Klassenräume zu voll sind. Genauso viele sagen wiederum, dass es keinen Unterrichtsausfall gibt. Und mehr als die Hälfte ist überzeugt: Es gibt ein vielfältiges Ganztagsangebot und kein Mobbing oder Gewaltprobleme an Meißner Schulen.

Freibad und mehr Perspektiven für die Jugend

Zwar sind die Schulen gut ausgestattet, allerdings beschäftigt eine 54-jährige Mutter zweier Kinder etwas anderes. Sie gibt zu bedenken, dass Schüler unbedingt in Meißen gehalten werden müssen. Sie sollen am Ende ihrer Ausbildung nicht den Wunsch nach "Wegzug" verspüren. Denn viele Meißner sind der Meinung, dass zu wenig für die Jugend getan wird.

So fällt eine 30-jährige Mutter mit einem Kind ein vernichtendes Urteil:  "Indoorspielplatz, Freibad et cetera gibt es nicht. Es fehlt komplett an Freizeitmöglichkeiten." Gerade das Thema Freibad bewegt viele Meißner in der Studie und wird gleichzeitig vom Verein Meißner Freibad 09 vertreten. 

Meißner wollen sichere Radwege

Der städtische Verkehr wird in Meißen ebenfalls als nicht familienfreundlich bezeichnet und landet im Vergleich zum Landkreis auf dem letzten Platz: mit einer 3,2. Eine 33-jährige Mutter zweier Kinder ordnet das so ein: "Es gibt zu wenig Schulbusse. Von manchen Stadtteilen müssten Kinder auf der anderen Elbseite umsteigen, um in die Schule zu gelangen." Das sei deswegen keine Option für kleinere Schulkinder. "Mit dem Fahrrad ist es auch zu gefährlich."

Etwas mehr als 60 Prozent geben im Familienkompass an, dass der Schulweg mit dem Rad nicht sicher ist. Das bestätigt eine 66-jährige Frau, die zeitweise ihre Enkel betreue. Der Radweg durch die Stadt sei ihr zu gefährlich. "In Meißen fühlt man sich als Radfahrer oft, als wenn man auf dem Standstreifen einer Autobahn ist." Wiederum eine 54-jährige Mutter zweier Kinder wünscht sich, dass Radwege innerhalb der Stadt als Schulwege nutzbar sein sollen. Dafür gibt es den Arbeitskreis Radverkehr der Stadt Meißen, der Anregungen der Meißner entgegennimmt.

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Meißner haben zudem noch weitere Themen bewertet, die im Familienkompass 2020 abgefragt wurden: Arbeit mit 2,8; Familienpolitik mit 2,7; Gesundheit mit 3,2; und Wohnen mit 3,4. Gerade die beiden letzten Themen werden auch im Landkreis eher schlecht bewertet. Überall fehlt es an genügend Fach- und Kinderärzten oder einem großen Wohnungsangebot. 

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