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So läuft das digitale Lernen in Meißen

In den vergangenen Monaten mussten Schulen ihren Unterricht komplett umstellen. Trotz Zugriffsproblemen ist der Onlineunterricht für sie eine Chance.

Für viele Schüler waren die vergangenen Wochen herausfordernd. Noch immer haben nicht alle einen eigenen Laptop oder schnellen Internetzugang.
Für viele Schüler waren die vergangenen Wochen herausfordernd. Noch immer haben nicht alle einen eigenen Laptop oder schnellen Internetzugang. © Claudia Hübschmann

Frühjahr 2020, erster Lockdown Deutschland. Wegen der Corona-Pandemie werden alle Schulen geschlossen. Dass die Schulbesuchspflicht so ausgesetzt wurde, wird einige Schüler gefreut haben. Trotzdem wurde der Unterricht weiter fortgesetzt. Und zwar zu Hause bei den Schülern. Der neudeutsche Begriff „Homeschooling“ war geboren. Mittels digitalen, aber auch analogen Mitteln mussten nun die Lehrer die Schüler unterrichten. Das klappte nicht überall. Ein Problem von vielen: Nicht alle Schüler konnten erreicht werden, denn nicht alle besaßen einen eigenen Laptop oder schnelles Internet. Für die sächsische Lernplattform Lernsax ist dies jedoch entscheidend. Wie es im zweiten Lockdown an Meißner Schulen bisher läuft.

Pestalozzi-OS: Technische Ausstattung der Elternhäuser entscheidend

Gerade jetzt im zweiten Lockdown wäre herausfordernd gewesen, dass Lernsax nur unzureichend erreichbar gewesen war, erklärt André Pohlenz, Schulleiter der Pestalozzi Oberschule. Zum anderen wäre die technische Ausstattung der Schüler sehr unterschiedlich. Das habe direkten Einfluss auf das Ergebnis des Homeschoolings. „So ist es uns als Schule zwar möglich, alle Schüler im Umgang mit LernSax zu schulen, aber Einfluss auf die technische Ausstattung der Elternhäuser haben wir nicht“, so der Schulleiter. „Uns stehen keine Leihgeräte wie Laptops für Schüler zur Verfügung.“ Zwar könne man Lernsax auch per Smartphone bedienen, allerdings nur eingeschränkt.

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Wenn die Elternhäuser digital nicht zu erreichen sind, halten die Fach- und Klassenlehrer der Oberschule per E-Mail, Telefon und Briefpost Kontakt. „So verteilen sie, auch mithilfe des Schulsekretariats, ihre Aufgaben“, sagt André Pohlenz. „Das ist nicht immer ganz einfach, funktioniert aber auch aufgrund unserer Erfahrungen aus dem ersten Lockdown überwiegend gut.“ Wenn die sächsische Lernplattform allerdings läuft, sei sie eine deutliche Erleichterung und Verbesserung für Lehrer und Schüler, um Homeschooling vielfältig zu gestalten. „Wir werden auch in Zukunft weiter damit arbeiten“, erklärt deshalb André Pohlenz.

Sankt Afra: Permanenter Kontakt nicht nötig für häusliches Lernen

Bert Xylander, Schulleiter des Landesgymnasiums Sankt Afra, lobt die Lernplattform. Aus seiner Sicht habe der Freistaat Weitsicht bewiesen und sehr gute Voraussetzungen für digitales Lernen geschaffen. „Im Vergleich zu allen anderen Bundesländern war Sachsen damit sehr gut auf häusliches Lernen vorbereitet.“ Die aufgetretenen Probleme, Lernsax zu erreichen, wären hauptsächlich technischer Natur bei einer immensen Anzahl von Zugriffen. „Wenn Lernsax läuft, hat die Plattform sehr viel Potenzial für digitales Lernen und Arbeiten in der Schule und zu Hause.“

Für Bert Xylander steht deshalb auch fest, dass er weiter mit der Plattform arbeiten wird. Denn sie biete verschiedene Möglichkeiten des digitalen Lernens, das im Präsenz- sowie Distanzunterricht zu Hause eingesetzt werden könne. Neben Onlineunterricht über Konferenzen können einzelne Schüler gefördert werden. Aber auch die schulische Organisation zum Beispiel von Elternsprechtagen erleichtere das Onlineportal.

Der Schulleiter des Gymnasiums fragt in Hinblick auf die Lernsax-Störungen, ob durchgehender Kontakt für häusliches Lernen denn nötig sei. Es sei zu hinterfragen, „was die jeweilig Beteiligten unter Lernen an sich und unter digitalem Lernen oder Lernen in der häuslichen Lernzeit verstehen“. Ob es dann überhaupt möglich sei, hänge zusätzlich von der unterschiedlichen Internetausstattung in den Familien ab.

Freie Werkschule: Für Schüler ist herausfordernd, selbstständig zu lernen

„In normalen Zeiten sind digitale Lernangebote immer eine Erweiterung“, so Tobias Schuhmann von der Freien Werkschule. „Jetzt versuchen wir, so einen Präsenzunterricht hinzubekommen.“ Dafür benutze die Schule eine auf Office 365 basierende Cloudlösung plus Moodle-System, eine unabhängige Lernplattform. Beides gab es schon vor dem ersten Lockdown. Die Herausforderung sei aber im Frühjahr 2020 gewesen, allen Lehrern sowie Schülern eine technische Ausstattung sowie den Zugang zu gewährleisten. Zudem mussten die Lehrer lernen, das digitale Angebot kompetent zu nutzen. „Mittlerweile sind sie fit“, so Tobias Schuhmann.

Der IT-Verantwortliche für die gesamte Schule und stellvertretende Schulleiter der Grundschule sieht allerdings eine andere Herausforderung. „Die Schüler mussten lernen, das Arbeitspensum selbst zu organisieren. Dafür brauchten sie Disziplin und viel Kontakt zu den Lehrern.“ Bei vielen Schülern auf dem Land wäre zudem das Internet so instabil, dass sie deswegen an keiner Videokonferenz teilnehmen konnten. Dafür scheitert es nicht an Laptops. Denn diese verleiht die Werkschule an Schüler, die keinen eigenen besitzen.

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Außerdem hat er in den vergangenen Monaten beobachtet, dass es mittlerweile viele digitale Lerninhalte gibt. „Die Gefahr ist groß, darin zu versinken.“ Die Aufgabe der Schule sei es deshalb, noch mehr als sonst, den Schülern Medienkompetenz beizubringen. Das heißt, wo finden sie das Angebot, das ihnen weiterhilft. Hier können aber die Lehrer auch von den Jungen lernen.

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