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Zerstörungswut am Rondell

Der Park am Katharinenhof soll saniert werden. Die Bemühungen darum werden immer wieder torpediert.

Von Harald Daßler
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Notdürftig abgesperrt hat Michal Kotrc die zerstörte Mauer am Rondell der Aussichtsplattform.
Notdürftig abgesperrt hat Michal Kotrc die zerstörte Mauer am Rondell der Aussichtsplattform. © Claudia Hübschmann

Meißen. Idyllisch ist der Blick auf die Elbe, die gegenüberliegenden Stadtteile und Landschaften, der sich von der Aussichtsplattform im Park des Katharinenhofes bietet. Ins Auge fallen aber auch zwei Lücken, die in der Mauer klaffen. „Hier haben Vandalen gewütet“, sagt Michal Kotrc.

Der aus Tschechien stammende Ingenieur, der das Areal des Katharinenhofes von Grund auf saniert und zu einer Seniorenresidenz umgestaltet hat, ist privater Eigentümer des drei Hektar umfassenden Parks, in dem sich die Aussichtsplattform befindet. Die Zerstörungen an der Mauer machen ihn noch immer fassungslos, ebenso die Müllablagerungen. Neben Unrat und weggeworfenen Flaschen finden sich ganze Müllsäcke im Park. Immer wieder! Als Eigentümer bleibt Michal Kotrc nichts Anderes übrig, als die Müllablagerungen zu beseitigen. Die zerstörte Mauer am Rondell hat er notdürftig abgesperrt.

Der Katharinenhof und der angrenzende Park mit dem Rondell gehören zusammen – auch damit Bewohner und Angehörige der Seniorenresidenz sowie die Meißner hier spazieren und die Aussicht genießen können, sagt Michal Kotrc. Aber die Jahre, in denen sich niemand um das Areal kümmerte, haben Spuren hinterlassen. Der Sturm am Donnerstag hat acht Bäume umstürzen und zahlreiche Äste herabfallen lassen. Vor einem Monat waren zwölf Bäume umgefallen, berichtet er. Damit niemand zu Schaden kommt, hat er das Betreten des Parks „bis auf Weiteres“ untersagt.

Zettel an mehreren Stellen untersagen das Betreten des Parks bis auf Weiteres.
Zettel an mehreren Stellen untersagen das Betreten des Parks bis auf Weiteres. © Claudia Hübschmann

„Es liegt mir sehr am Herzen, den Park zu sanieren“, sagt Michal Kotrc. Dafür braucht es nicht nur Geduld und Ausdauer, sondern auch erhebliche finanzielle Ressourcen. Umso ärgerlicher sind die Rückschläge, die seine Bemühungen durch Vermüllung und Zerstörungswut erfahren. So wurde eine Mauer, die das Gelände zur Kirchbergstraße abgrenzt und die er vor zwei Jahren für eine fünfstellige Summe sanieren ließ, erheblich beschädigt – wohl, weil sie einigen einen gewohnten Weg versperrt. Im nächsten Jahr sollen die Schäden repariert und ein kleines Tor eingebaut werden, kündigt Michal Kotrc an. Auch das muss er bei der Denkmalschutzbehörde beantragen.

Damit der Park seine alte Schönheit zurückerhalten kann, hat er bereits viele Gespräche und Briefwechsel mit der Denkmalschutzbehörde geführt. Und er hat für mehrere Tausend Euro eine Studie anfertigen lassen, die den Zustand der Parkanlage betrachtet. Das von der Landschaftsarchitektin Dr. Stefanie Krihning erarbeitete Papier schlägt Maßnahmen zur Sanierung für die nächsten fünf Jahre vor. Jede dieser Maßnahmen muss vom Denkmalschutz sowie von der Landesgartenaufsicht genehmigt werden. Zunächst sollen alte, kranke und nicht zur ursprünglichen Anlage des Parks gehörende Bäume entfernt werden. Das sind insgesamt 57 Bäume, für die eine Fällgenehmigung beantragt wurde. Dem Entfernen der Bäume schließen sich sukzessive Neuanpflanzungen an.

Als Nächstes soll das Rondell saniert werden. Die zerstörte Mauer soll einem Geländer weichen. Auch für die Sanierung der Aussichtsplattform hat Michal Kotrc die Anträge bei den Behörden eingereicht. Das Rondell soll aus Sandsteinplatten wiederhergestellt werden. Gern würde er hier auch einen Pavillon aufstellen, dessen Erscheinung sich am historischen Vorbild des 1822 im neogotischen Stil errichteten Pavillons orientiert. Erste Entwürfe dafür hat er bereits in Auftrag gegeben.

Was Michal Kotrc nicht möchte, ist ein Zaun. Denn der Park soll offen zugänglich bleiben – so wie es eine Gestattungsvereinbarung vorsieht, die er mit der Stadt schloss, als er das Areal in sein Eigentum übernahm. Aber weiteren Mülltourismus und sinnlose Zerstörungswut will er sich nicht bieten lassen. Auf gesunden Menschenverstand und Respekt vor geschaffenen Werten will er nicht weiter hoffen. Eine Videoüberwachung des Areals könnte abschreckend wirken – es wäre eine Möglichkeit.