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Mit Tempo 100 an der Kita vorbei

August-Bebel-Straße, Riesa: Am 18. August wurde um 22.44 Uhr eine Geschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde gemessen. © Sebastian Schultz

Vier Temposchilder stehen seit wenigen Monaten in Riesa. Eine erste Bilanz zeigt: In der Stadt wird gerast.

Riesa. Sie stehen vor Kindergärten und Schulen, am Ortseingang oder vor Einkaufszentren – die vier Tempotafeln in Riesa. Die elektronischen Geschwindigkeitsanzeigen wurden im August installiert und von den Riesaer Stadtwerken im Rahmen der Aktion „Vollsicher für Riesa“ finanziert.

 Die Tafeln zeigen nicht nur die Geschwindigkeit an, mit der die Fahrzeuge vorbeifahren, sondern belohnen die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung mit einem Lächeln oder tadeln Temposünder mit einem traurigen Gesicht. Eine Kamera ist zwar nicht installiert, und es werden somit auch keine Kennzeichen gespeichert, dafür aber all die gemessenen Geschwindigkeiten – und die haben es teilweise in sich.

An einem Freitagmorgen im Oktober wurden zum Beispiel an der Leutewitzer Straße am Ortseingang des Dorfes 145 Kilometer pro Stunde gemessen. In einer Augustnacht raste ein Autofahrer mit 120 Sachen auf der August-Bebel-Straße in Richtung Krankenhaus – kurz zuvor muss er das weiße Holzkreuz passiert haben, das an der Ecke Pausitzer Straße an den Unfalltod eines 38-Jährigen erinnert. Der starb an dieser Stelle 2013. Durch einen Raser.

Werte um die 100 Kilometer pro Stunde und drüber ergaben auch einige Messungen an der Allee- und der Merzdorfer Straße, wo sich Kindergärten und Schulen befinden. Selbst tagsüber, wenn dort maximal 30 Kilometer pro Stunde erlaubt sind, wird gerast. „Egal, aus welcher Motivation diese Werte entstanden, sie zeigen uns, dass unabhängig von den Tempotafeln eine echte und regelmäßige Geschwindigkeitskontrolle durch Stadt und Polizei mit entsprechenden Sanktionen nach wie vor zwingend erforderlich ist“, sagt deshalb Stadtsprecher Uwe Päsler.

Alleestraße, Riesa: Am 7. November um 21.50 Uhr wurden 130 Kilometer pro Stunde gemessen, am 21. November, 11.50 Uhr 103 km/h. Foto: Sebastian Schultz
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Die Stadt selbst ist mit einem mobilen Messfahrzeug im Einsatz, und auch die Polizei blitzt an bekannten Unfallschwerpunkten, vor Schulen und Kindertageseinrichtungen – zum Beispiel an der Merzdorfer Straße – sowie nach Bürgerhinweisen. In die Auswertung der Tempotafeln ist man zwar nicht involviert, so Polizeisprecher Marko Laske, er sieht sie aber durchaus als ein adäquates Mittel, um auf Unfallschwerpunkte aufmerksam zu machen und die Autofahrer für die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit zu sensibilisieren.

Beim aktuellen Standort der Temposchilder in Riesa hat man sich nach Bürgerbeschwerden gerichtet, heißt es aus dem Rathaus. Eine Umsetzung der Schilder ist derzeit nicht geplant, so Uwe Päsler. Es seien aber andere Stellen denkbar: zum Beispiel an der Pausitzer Straße vor der Oberschule oder an der Langen Straße vor dem christlichen Gymnasium. – Für die Installation und Wartung sind die Stadtwerke verantwortlich. Derzeit gebe es noch kleinere Probleme mit der Einstellung – zum Beispiel, wenn es je nach Uhrzeit verschiedene Tempolimits auf einer Straße gibt. Der Hersteller der Tempotafeln sei aber momentan bereits dabei, diese zu beheben.

>>> Lesen Sie dazu auch: Studien belegen: Tempotafeln wirken / Kommentar: Schade, dass die Tafeln nicht blitzen