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Große Öl-Stillleben und Porzellanmalerei

Eine neue Schau lädt ans Fasanenschlösschens ein. Die Dresdner Künstlerin Libuscha ließ sich von der Kulturlandschaft inspirieren.

Der Bronzekopf ist eine Hommage an Christoph Jamnitzer, der um 1600 den berühmten Mohrenkopf-Pokal aus dem Moritzburger Wettinerschatz schuf.
Der Bronzekopf ist eine Hommage an Christoph Jamnitzer, der um 1600 den berühmten Mohrenkopf-Pokal aus dem Moritzburger Wettinerschatz schuf. © Arvid Müller

Moritzburg. Die Blicke der Besucher können sich der Vase mit dem Fasan kaum entziehen. Das fotografisch auf Mannsgröße gebrachte Porzellan lotst die Gäste förmlich die Betonstufen hinauf in die Ausstellung im Obergeschoss des früheren Hofküchengebäudes neben dem Moritzburger Fasanenschlösschen. Dort ist seit dem coronabedingten verspäteten Saisonstart des Minimuseums am 1. Juli nun auch wieder eine neue Ausstellung zu sehen. Während das Fasanenschlösschen aktuell nur Donnerstag bis Sonntag geöffnet ist, kann die Schau im Besucherzentrum täglich in Augenschein genommen werden.

Und zu sehen gibt es dort reichlich. Großformatiges und Filigranes, Gemaltes und Figürliches. Was sofort auffällt, ist die Vielfalt der künstlerischen Techniken, derer sich die Dresdnerin Libuscha bedient und die sie auch beherrscht. Da findet man Arbeiten mit farbiger Kreide neben Tusche- und Bleistiftzeichnungen oder Farbholzschnitte, denen gegenüber farbenfreudige Ölgemälde hängen. Nicht zu vergessen die leuchtenden Hinterglasmalereien.

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Und dann ist da noch in großer Anzahl das Porzellan - Vasen, Schalen, Anhänger. Filigran bemalt mit zahlreichen Andeutungen auf die den Ausstellungsort umgebende Kulturlandschaft, deren Bauten und ihre Nutzung über die Jahrhunderte.

Dieser Bezug war Margitta Hensel vom Schloss Moritzburg wichtig, hatte sie doch auch in den vergangenen Jahren die Ausstellungen im Besucherzentrum immer unter diesem Aspekt gestaltet. Die aktuelle Schau, die eigentlich hätte schon im März eröffnet werden sollen, trägt dann auch den Titel „Das Gold im Wald - Inspiration Kulturlandschaft“.

Auf den von ihr bemalten Porzellanvasen nimmt die Dresdner Künstlerin Libuscha immer wieder auch Bezug zur Moritzburger Kulturlandschaft.
Auf den von ihr bemalten Porzellanvasen nimmt die Dresdner Künstlerin Libuscha immer wieder auch Bezug zur Moritzburger Kulturlandschaft. © Arvid Müller
Mit den Männern an den Staffeleien in der Kuppel des Jägerturmes von Schloss Moritzburg erinnert sie an das Künstlerkollektiv der Meissener Manufaktur, das einst dort arbeitete.
Mit den Männern an den Staffeleien in der Kuppel des Jägerturmes von Schloss Moritzburg erinnert sie an das Künstlerkollektiv der Meissener Manufaktur, das einst dort arbeitete. © SZ/Sven Görner

Wobei das mit dem Gold durchaus auch wörtlich genommen werden darf. Steht doch ein Exponat der Ausstellung im direkten Zusammenhang mit den von Schatzsuchern in den 1990ern im Moritzburger Forst gemachten Funden, die danach als Wettinerschatz bekannt worden sind. Die in Hellerau in einem Musikerhaus aufgewachsene Künstlerin lebte zu dieser Zeit in Murnau in Bayern. Als das berühmte Glanzstück des Fundes - der um 1600 von Christoph Jamnitzer in Nürnberg geschaffene Mohrenkopf-Pokal - nach der Ersteigerung im Nationalmuseum in München präsentiert wurde, gehörte sie zu den ersten Besuchern. Davon begeistert, schuf Libuscha eine vergrößerte Nachbildung des Kopfes als Huldigung an die menschliche Schönheit, den sie nun für die Moritzburger Schau in Bronze gießen ließ.

Dass die diplomierte Theaterplastikerin sich mit ihrer Malerei auch immer wieder dem Porzellan zuwendet, liegt zum einen an ihrer ersten Ausbildung in der Malschule der Porzellanmanufaktur Meissen. Zum anderen schätzt sie, dass Porzellan als Motivträger nicht vergänglich ist.

Während in der Ausstellung die meisten Arbeiten sehr gut in Szene gesetzt werden - auch beleuchtungstechnisch - ist das leider nicht bei allen Vasen gelungen. Was etwas schade ist, erzählt die Künstlerin auf diesen doch teilweise ganze Geschichten, bei denen es lohnenwert wäre, auch die hintere Seite in Augenschein nehmen zu können.

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