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Moritzburg Festival bekommt Freilichtbühne

Mit Geld aus dem Programm „Neustart Kultur“ kann so die Terrasse von Schloss Moritzburg als neuer fester Spielort gesichert werden.

Die Nordterrasse von Schloss Moritzburg: im Vorjahr eine coronabedingte Alternative zum Speisesaal des Barockbaus und der Kirche. Künftig ist sie nun der Hauptspielort des Moritzburg Festivals.
Die Nordterrasse von Schloss Moritzburg: im Vorjahr eine coronabedingte Alternative zum Speisesaal des Barockbaus und der Kirche. Künftig ist sie nun der Hauptspielort des Moritzburg Festivals. © Oliver Killig

Moritzburg. Not macht bekanntlich erfinderisch. Und zwingt manchmal auch, Bewährtes zu hinterfragen. So ging es im vergangenen Jahr dem renommierten Moritzburg Festival für Kammermusik.

Waren der repräsentative Speisesaal des Schlosses und die evangelische Kirche des Ortes bisher feste Spielorte gewesen, forderte die Corona-Situation 2020, nach Alternativen zu suchen, um überhaupt eine Chance zu haben, das Festival in seinem 28. Jahrgang stattfinden zu lassen.

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Das Team um den Künstlerischen Leiter Jan Vogler machte aus der Not eine Tugend und verlegte kurzerhand alle im Schloss und in der Kirche geplanten Konzerte auf die Nordterrasse von Schloss Moritzburg. Vor malerischer Kulisse bewiesen die Künstler in den zwei Festival-Wochen, dass Kammermusik auch unter freiem Himmel auf akustisch höchstem Niveau möglich ist. Mussten die 180 Besucher des Eröffnungskonzerts noch im Regen ausharren, was sie auch taten, kam an den anderen Abenden die fantastische Atmosphäre des Ortes voll zum Tragen. Warme Sommerabende, mit Sonnenuntergang und einem angenehm frischen Lüftchen.

Die Herausforderungen, welche die Corona-Krise allgemein für die Kultur mit sich brachte, wurde in Moritzburg somit zu einer Chance: Aufgrund des großen Zuspruchs bei Publikum wie Künstlern soll die Open-Air-Bühne auf der Schlossterrasse nun zum festen Spielort des Festivals werden. Ermöglicht wird dies dank einer einmaligen Förderung im Rahmen des Programms „Neustart Kultur“ in Höhe von 99.000 Euro. Das Moritzburg Festival musste zudem einen Eigenanteil von 20.000 Euro aufbringen. Mit der Gesamtsumme kann die Anschaffung des Bühnendaches, der Podien und der Stühle für die Open-Air-Konzerte finanziert werden.

Gute Nachrichten in schwierigen Zeiten

„Ich freue mich sehr, dass das Moritzburg Festival mit Geldern aus dem Programm Neustart Kultur gefördert wird. Das sind gute Nachrichten in schwierigen Zeiten. Gerne habe ich mich bei der Staatsministerin für Kultur und Medien für die Förderung eingesetzt“, sagt Bundestagsmitglied Thomas de Maizière (CDU), langjähriger Kuratoriumsvorsitzender des Moritzburg Festivals. „Das Moritzburg Festival wird sein Publikum somit auch in diesem Jahr wieder begeistern. Mit seinen Open-Air-Veranstaltungen setzt das Festival ein Zeichen in der Region und für die Kulturbranche.“

Ist der Speisesaal als Spielort damit endgültig Geschichte? Vorerst wohl schon. „Sonst würden wir uns jetzt nicht die Ausrüstung für die Terrasse anschaffen“, sagt Tobias Teumer, Geschäftsführer des Festivals. „Beide Orte zu bespielen, könnten wir uns finanziell nicht leisten.“ Zwar konnte im Saal ohne Technik musiziert werden und auch die Akustik sei ein klein wenig besser gewesen, „aber wir haben tolle Techniker und eine gute Ausstattung, so dass wir auch im Freien ein großes Klangerlebnis erreichen können.“ Bleibt noch das Problem mit dem Wetter. „Die klimatischen Bedingungen im Speisesaal sind sehr schwierig. Bei über 30 Grad und stickiger Luft waren Konzerte dort nicht nur ein Vergnügen.“

Das Auftaktkonzert vom Moritzburg Festival fand am 2. August 2020 im Regen statt.
Das Auftaktkonzert vom Moritzburg Festival fand am 2. August 2020 im Regen statt. © Oliver Killig
Abendliche Stimmung auf der Nordterrasse von Schloss Moritzburg.
Abendliche Stimmung auf der Nordterrasse von Schloss Moritzburg. © Oliver Killig
Konzert im prächtigen Speisesaal des Schlosses, wie hier zur Festival-Eröffnung 2019, wird es vorerst nicht mehr geben.
Konzert im prächtigen Speisesaal des Schlosses, wie hier zur Festival-Eröffnung 2019, wird es vorerst nicht mehr geben. © Oliver Killig

So habe es im vergangenen Jahr zwar auch Stimmen von Besuchern gegeben, die es bedauerten, dass der Speisesaal des Schlosses nicht genutzt werden konnte, deutlich größer seien aber die positiven Reaktionen auf den neuen Spielort gewesen. Dort stehen in diesem Jahr auch mehr Plätze zur Verfügung. Zwischen 240 bis 250. „Die Eintrittspreise bleiben dabei auf dem Vorjahresniveau, wobei wir jetzt noch eine dritte Preiskategorie eingeführt haben“, sagt Tobias Teumer. In der mittleren und größten Gruppe kosten die Tickets für die Konzerte mit den Weltklassemusikern des Festivals 42 Euro. Eine kleine Anzahl Plätze kostet 56 Euro und dann gibt es noch die neue Preisgruppe für 24 Euro. „Diese entspricht der bisherigen zweiten Kategorie in der Kirche.“

Das Gotteshaus soll auch weiterhin als Spielort genutzt werden. Geplant sind dort in diesem Jahr wieder mehrere öffentliche Proben, zu denen der Eintritt fünf und acht Euro kostet. „Wir arbeiten aber auch daran, dass die Kirche künftig eine Schlechtwetteroption für die Konzerte auf der Terrasse werden könnte, wenn Corona besser im Griff ist“, ergänzt der Festival-Geschäftsführer. Jan Vogler, der Künstlerische Leiter des Moritzburg Festivals, sagt: „Ich bedanke mich im Namen des Festivals für diese wichtige Förderung. Sie ermöglicht uns, weiter für unser wunderbares Publikum zu musizieren und viele hochbegabte junge Musikerkollegen zu fördern.“

90 Prozent der Karten sind bereits verkauft

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Das 29. Moritzburg Festival für Kammermusik findet vom 7. bis 22. August statt. Zeitgleich mit der Festival-Akademie, für die aus 750 Bewerbungen 40 junge Musikerinnen und Musiker ausgewählt wurden. Neben den Open-Air-Konzerten auf der Schlossterrasse ist es den Veranstaltern eine große Freude, am 21. August wieder ein Sinfoniekonzert im Kulturpalast durchführen zu können, bei dem Robert Schumanns 2. Sinfonie und Ludwig van Beethovens Tripelkonzert auf dem Programm stehen. Jan Vogler wird als Solist neben Kevin Zhu (Violine) und Mishka Rusdhie Momen (Klavier) zu erleben sein. Einzelne Konzerte sind bereits ausverkauft, insgesamt liegt der Vorverkauf derzeit bei rund 90 Prozent.

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