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Dresden: Der Schauspieler im Wolfspelz

Jörg Bretschneider vom Dresdner Figurentheater bekommt für das Stück "Peter und der Wolf" in Neustadt eine neue Weste. Die Idee dazu stammt aus Stolpen.

Schauspieler Jörg Bretschneider probiert im Geschäft von Steffi Beyer in Neustadt die neue Pelzweste an.
Schauspieler Jörg Bretschneider probiert im Geschäft von Steffi Beyer in Neustadt die neue Pelzweste an. © Anja Weber

Das russische Märchen "Peter und der Wolf" mit der Musik von Sergej Prokofjew hat schon Generationen bewegt. Jörg Bretschneider vom Dresdner Figurentheater hat es ebenfalls schon länger im Programm und genauso zerfleddert sah der Pelz aus, den er für die Figur des Wolfes trägt. Im Stolpener Gogelmosch-Verein wurde eine Idee geboren. Und so kam Jörg Bretschneider zu einem neuen Wolfspelz.

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Steffi Beyer vom gleichnamigen Pelzhaus in Neustadt rückt bei der ersten Anprobe die Weste gerade, steckt noch mal die Kapuze neu ab. Ganz so groß ist der Kopf von Schauspieler Jörg Bretschneider doch nicht. Schick wird er im neuen Pelz aussehen, wenn er mit dem Stück "Peter und der Wolf" Russland den Kindern in einem sympathischeren Licht zeigen will, wie er selbst sagt. Darin spielt er einen alten Russen der sich im Laufe der Ein-Mann-Geschichte in einen Wolf verwandelt, also nur auf der Bühne. Und das Stück spielt er gern und oft. Im Jahr 2006 gab es dafür sogar einen Preis für die beste Kinderinszenierung beim internationalen Theaterfestival in Prag. Er gastierte damit bei Festivals in den USA, Mexiko, Taiwan, Iran, Finnland, Dänemark.

Jörg Bretschneider kennt Ester Miletics vom Gogelmosch-Verein in Stolpen. Sie betreut dort unter anderem das Repair-Café. In dem wiederum arbeitet Elke Scholz. Die Stolpnerin kümmert sich vor allem um Näharbeiten. Und deshalb kam vor ein paar Wochen die Frage auf, ob sie denn nicht auch das Fell vom Wolf in dem Theaterstück reparieren könnte. Elke Scholz macht ja viel möglich. Doch mit so einem zerfledderten Fell konnte auch sie nichts mehr anfangen. Wäre noch die Möglichkeit eines Webpelzes, also eines unechten Fells geblieben. Etwas Stilechtes sollte es dann doch sein.

Nur noch wenige Kürschner in Sachsen

Da müssen dann schon Profis her. Und das ist das Team vom Pelzgeschäft Steffi Beyer in Neustadt auf jeden Fall. Das Unternehmen ist eines der wenigen Kürschner, die es in Sachsen überhaupt noch gibt. Und gleichzeitig dürfte es auch in Neustadt das älteste Geschäft sein, welches die ganzen Jahre überlebt hat. 1883 wurde das Pelzgeschäft gegründet. Familie Beyer bringt hier seit 1966 ihre Berufserfahrung eingebracht. Inzwischen wird es in zweiter Generation betrieben. Dennoch war Inhaberin Steffi Beyer anfangs eher skeptisch. "Ich habe so gedacht, na ja. Aber ich finde die Jacke jetzt auch ganz gemütlich", sagt sie.

Bei Steffi Beyer werden nicht nur neue Jacken, Mützen Mäntel genäht. Sie recycelt auch. So wird zum Beispiel aus einem nicht mehr getragenen Fellmantel schon mal eine Decke für die Couch. "Generell sind für mich Pelze und Leder etwas Nachhaltiges. Kunstfasern sind auch nach 300 Jahren noch nicht verrottet. Pelze und Leder aber sind vergänglich", sagt sie. Die Weste von Jörg Bretschneider ist das beste Beispiel dafür. Dazu komme, das Felle immer anfallen, vor allem auch bei der Jagd. Und deshalb verarbeitet sie unter anderem viele Felle von Rotfüchsen und Waschbären, die Jäger zu ihr bringen.

Und wo stammt nun der neue Wolfspelz her? Noch vor einiger Zeit war das die Pelzjacke einer Kundin. Diese wollte sich von dem Kleidungsstück trennen. "Zum Wegschmeißen wäre die viel zu schade gewesen. Also hab ich sie aufbewahrt. Jetzt kommt sie als recycelte Weste sogar noch auf die Bühne", sagt Steffi Beyer. Damit sind wohl auch die nächsten Vorstellungen gerettet. Insgesamt sechs Schulkonzerte mit dem Stück stehen für November und Dezember im Terminplan von Jörg Bretschneider. Die alte Weste vom Wolf hätte die wohl nicht mehr durchgehalten.

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