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Sächsische Schweiz: Eine saubere Sache

Nach langer Pause ist das Stadtmuseum in Neustadt wieder geöffnet. Die erste Sonderschau widmet sich auch pikanten Themen.

Museumsleiterin Ulrike Hentzschel mit einem Klobürstenhalter vor einer Badewanne.
Museumsleiterin Ulrike Hentzschel mit einem Klobürstenhalter vor einer Badewanne. © Steffen Unger

Ulrike Hentzschel kann endlich wieder die Türen im Museum der Stadt Neustadt öffnen. Corona- und krankheitsbedingt musste das Haus länger als gedacht geschlossen bleiben. Und für die erste Sonderschau hat sie sich gleich etwas Besonderes ausgedacht. Es geht um das Thema Körperhygiene. Die Exponate sind nicht nur erstaunlich und auch witzig. Sie geben sogar pikante Einblicke.

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Elektrische Zahnbürste, Lockenstab und elektrischer Rasierapparat, das alles gehört zum Alltag. Fast jedes Jahr mitunter sogar saisonal gibt es neue Trends in Sachen Haarmode und Barttracht. In Zeiten von Desinfektionsmitteln im Handtaschenformat und Feuchttüchern für jede Lebenslage, scheinen der Sauberkeit keine Grenzen gesetzt zu sein. Und schnell vergisst man dabei, dass die Menschheit den Großteil ihres Daseins ohne all diese Hilfsmittel verbracht haben.

Die Sonderausstellung „Reinlichkeit ist eine Zier“ im Stadtmuseum Neustadt gibt nun einen kleinen Einblick in die Welt der persönlichen Hygiene des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Besucher begeben sich auf eine Zeitreise in die Welt von Seife, Zahnpasta und Co. Sie können entdecken, wofür Brennschere, Bartbinde und Flohfalle genutzt wurden und noch vieles mehr erfahren.

In Zusammenarbeit mit dem Schlesisch Oberlausitzer Museumsverbund entstand eine Sonderschau, die es in den Museen in der Sächsischen Schweiz wohl so noch nie gegeben hat. Das liegt auch daran, dass einige Exponate aus dem Dorfmuseum Markersdorf in der Oberlausitz stammen und in der Region so noch nie zu sehen waren. Ergänzt wurde die Schau mit eigenen Beständen aus dem Neustädter Fundus. "Wir haben zum Beispiel umfangreiche Stücke von einer Frau bekommen, die lange in einem Friseurgeschäft gearbeitet hat. Darüber haben wir uns natürlich gefreut", sagt Ulrike Hentzschel. Und deshalb können jetzt zum Beispiel die Utensilien eines Friseursalons aus früheren Zeiten gezeigt werden. Der ultimative Dederonkittel gehört da genauso mit dazu, wie eine Heizspirale für die Damenköpfe oder Bartpflegeaccessoires für die Herren.

Interessant auch die ganz alten Stücke. Anfang des 19. Jahrhunderts ging es ja noch mit der Kutsche auf Reisen. Was, wenn man da mal musste. Die Reicheren hatten da eine Reisetoilette aus Holz und Leder mit an Bord, eine Art Stuhl mit Deckel, mit zwei Seitengriffen zum Transportieren. Es gab aber auch ganz einfache Toilettenstühle. Von Ulrike Hentzschel erfährt der Besucher, dass man mit seinem Toilettenstuhl früher seine soziale Stellung demonstriert hat, nach Motto: "Zeige mir Deine Toilette und ich sage Dir, wer Du bist."

Ähnlich war es bei den Nachttöpfen. Die durften früher in keiner Familie fehlen. Die wurden damals nicht etwa in der Toilette entsorgt. Sie wurden einfach aus dem Fenster geschüttet. Einige originelle Exponate zeigt die Schau, ebenso Klobürsten und Bürstenhalter von früher.

Witzige und interessante Werbung

"Bei der Vorbereitung der Ausstellung ist aufgefallen, dass sich damalige Werbeträger wahre Schlachten um Damenbinden geliefert haben. Heute sind solche Werbeslogans gar nicht mehr vorstellbar", sagt Ulrike Hentzschel. Zahlreiche mittlerweile schon etwas verblasste oder vergilbte Schriftzüge und Bilder sind zu sehen. Und der weibliche Besucher erfährt einiges zur Körperhygiene der Vorfahrinnen. Anfang dieses Jahrhunderts wurden Damenbinden zum Beispiel selbst gestrickt und dann mit Holzwolle gefüllt. Bis in die 1950er und 1960er-Jahre hatten die Damenbinden Knopflöcher. Sie wurden also in die Wäsche eingeknöpft. Es gab sogar Reformträger für Damenbinden, so ähnlich wie Hosenträger. "Das musste ja irgendwie geregelt werden. Also hatte man sich etwas einfallen lassen müssen. Und die Leute waren tatsächlich erfinderisch", sagt die Museumsleiterin.

Mit Werbung sollte schon damals einiges geregelt werden, hier eine Kostprobe: "So nötig wie die Braut zur Trauung, ist Bullrich-Salz für die Verdauung."

Historische Kämme und Haarspangen.
Historische Kämme und Haarspangen. © Steffen Unger
Der berühmte Kittel aus Dederon. In vielen Berufen zu DDR-Zeiten nicht wegzudenken.
Der berühmte Kittel aus Dederon. In vielen Berufen zu DDR-Zeiten nicht wegzudenken. © Steffen Unger
Skurrile Werbung für Damenbinden.
Skurrile Werbung für Damenbinden. © Steffen Unger
Das Putzi-Zahnputz-Set - ein beliebtes Geschenk für Kinder in der DDR.
Das Putzi-Zahnputz-Set - ein beliebtes Geschenk für Kinder in der DDR. © Steffen Unger

Einfach waschen war früher wohl nicht üblich. Darüber wurden sogar Bücher geschrieben, so unter anderem von Prof. Dr. Herrmann Richter "Körperpflege durch Wasseranwendung". Während man früher bei Wasser offenbar vorsichtig war, Papier für die Toilette gab es schon, wie die Ausstellung zeigt.

Ostalgisches für Seifenliebhaber

Ein Ausflug in die DDR-Hygieneartikel ist ebenfalls möglich, so sind verschiedene Seifensorten und Zahncremes ausgestellt. Ein Putzi-Zahnputz-Set so wie es einige noch kennen ist ebenfalls zu sehen, wie auch das bekannte Buch "Im Reich der weißen Zwerge"- ein Erziehungsbuch zur für Kinder zur richtigen Zahnpflege.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Neustadt, Malzgasse 7 ist noch bis zum 14. November zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis donnerstags: 9.30 bis 16 Uhr, freitags 9.30 Uhr bis 14 Uhr, sonnabends, sonntags und feiertags 13 bis 17 Uhr. Preise: voller Eintritt: zwei Euro; ermäßigt: ein Euro. Kinder unter sechs Jahren bezahlen nichts.

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