merken
PLUS Niesky

Niesky erinnert an Kunstprofessor

Hermann Wirth lernte am Nieskyer Pädagogium, bevor er Theologe werden sollte. Die Kunst fand er interessanter. Jetzt sind Bilder von ihm erstmals hier zu sehen.

Norbert Korte, ein Freund der Familie Wirth, zeigt ein Bild von Hermann Wirth im Raschkehaus Niesky. Es zeigt den St. Mont Michel in der Normandie.
Norbert Korte, ein Freund der Familie Wirth, zeigt ein Bild von Hermann Wirth im Raschkehaus Niesky. Es zeigt den St. Mont Michel in der Normandie. © SZ/Steffen Gerhardt

"Von Niesky aus in die weite Welt" ist der Titel einer neuen Ausstellung im Nieskyer Raschkehaus. Sie wurde am Sonntagnachmittag eröffnet. Von Niesky aus in die weite Welt ist auch das Lebensmotto von Herrmann Wirth (1877-1956). Was er dabei gesehen hat, verewigte der Künstler auf unzähligen Bildern, die er auf seinen Reisen zeichnete. Ein Bruchteil davon ist jetzt im Nieskyer Raschkehaus zu sehen.  

Nach Niesky führte Hermann Wirths erste Reise in seinem noch sehr jungen Leben. Als Sohn einer Herrnhuter Missionarsfamilie 1877 im kanadischen Labrador geboren, wurde der sechsjährige Hermann von seinen Eltern an die Internatsschulen der Herrnhuter Brüdergemeine in Kleinwelka und Niesky geschickt. Am Nieskyer Pädagogium wurde der Schüler auf eine theologische Laufbahn vorbereitet. Diese sollte er als junger Mann in Gnadenfeld absolvieren.  

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Mehr Künstler als Theologe

Hermann Wirth sollte wie seine Eltern als Herrnhuter Missionar in die Welt ziehen. Doch ihn zog es in eine ganz andere Richtung: zur Kunst. Daher wechselte er an die damals namhafte Königliche Kunstschule nach Berlin und schloss sein Kunststudium erfolgreich ab. Mit dem Examen in der Tasche kehrte Wirth an seine Schule in Niesky zurück und unterrichtete als Zeichenlehrer. Damit ist er vom Schüler zum Pädagogen in Niesky geworden. Doch diese Zeit blieb kurz. 1902 wurde Hermann Wirth vom preußischen Kultusminister nach Königsberg an die Kunstakademie berufen. Seine Profession als Zeichenlehrer übte Wirth auch in Königsberg aus. Dort lehrte er 30 Jahre als Professor.    

Der Maler und Zeichner Hermann Wirth um 1920 im ostpreußischen Königsberg.
Der Maler und Zeichner Hermann Wirth um 1920 im ostpreußischen Königsberg. © Archiv/Museum Niesky

Eine seiner ersten Schülerinnen in Königsberg war Edith Sukkau (1881-1941). Mit ihr verband Hermann Wirth nicht nur das Interesse am Malen und Zeichnen. Nach ihrem guten Examen verlobte sich die aus einer wohlhabenden Königsberger Familie stammende junge Frau mit ihrem Lehrer und 1907 heirateten beide. Damit war der Grundstein gelegt, für das gemeinsame Reisen durch Europas Länder. Er hatte seinen Skizzenblock und Stifte dabei, sie ihre Staffelei und Farben. Besonders Italien hatte es dem Künstlerpaar angetan. Dort verweilte das Paar zwei Jahre lang. Das wurde aber erst möglich, nachdem 1932 die Kunstakademie aufgelöst wurde.    

Lebensabend in der Brüdergemeine

Doch die Krankheit der Frau zwang das Paar zur Rückkehr nach Ostpreußen. In Königsberg verstarb Edith Wirth-Sukkau im Jahr 1941. Bis zur Vertreibung blieb der Witwer in Königsberg. Dann führte ihn der Weg zunächst in die Nähe von Köln und seine drei letzten Lebensjahre verbrachte er in der Brüdergemeine in Neuwied am Rhein. Auf dem dortigen Gottesacker befindet sich sein Grab. Somit schloss sich der Lebenskreis für Hermann Wirth wieder in der Brüdergemeine.

Viele seiner Bilder sind im Zusammenhang mit der Flucht verloren gegangen oder wurden gestohlen. Das gleiche Schicksal erlitten auch die Malereien seiner Frau. Ein Bruchteil seines künstlerischen Schaffens landete in Museen beziehungsweise wird von seinem Enkel Professor Uwe Wirth aufbewahrt. Uwe Wirth ist es auch, der zusammen mit Norbert Korte als Freund der Familie die Ausstellung in Niesky ins Leben gerufen hat. Eigentlich für 2019 geplant, wird sie nun in diesem Jahr im Raschkehaus gezeigt.    

Gespräch über Wirths Kunst am Dienstag

Begleitet wird die Ausstellung von einem Hintergrundgespräch am Dienstag, 19 Uhr, im Raschkehaus. Olaf Nippe vom Universitätsarchiv Herrnhut, Norbert Korte als Initiator der Ausstellung und Museumsleiterin Eva-Maria Bergmann sprechen zu den Kunstwerken sowie zu den familiären und gesellschaftlichen Zeitläufen des Malers. 

 Die Ausstellung mit den Werken von Hermann Wirth und seiner Frau Edith ist bis zum 13. Dezember im Museum Raschkehaus am Zinzendorfplatz in Niesky zu sehen. Die Öffnungszeiten sind: Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr und am Sonntag von 14 bis 17 Uhr. 

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky