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Neue Brücke soll 100 Jahre halten

Über den Weißen Schöps führt ab Herbst eine schöne breite Straße. Ehe die Bauleute kamen, rückte aber erst mal der Kampfmittelbeseitigungsdienst an.

Aktuell gibt es über den Weißen Schöps kein Durchkommen in Spree. Hier wird für reichlich eine halbe Million Euro die Brücke neu gebaut.
Aktuell gibt es über den Weißen Schöps kein Durchkommen in Spree. Hier wird für reichlich eine halbe Million Euro die Brücke neu gebaut. © André Schulze

Der Weiße Schöps ist einer der markantesten Flüsse in der Region. Von Markersdorf aus fließt er zur Spree. Vorbei an landschaftlichen Schönheiten, aber auch mitten durch Dörfer hindurch. Viele Straßenübergänge sind in den vergangenen Jahren schon erneuert worden, bei einigen steht das noch aus.

Im Hähnichener Ortsteil Spree quetscht sich der Schöps zurzeit durch drei Rohre. Wo bis vor Kurzem noch Fahrzeuge über das Bächlein fuhren, liegen jetzt Erdmassen. Von morgens bis abends sind Baugeräte aktiv. Nach jahrelangen Bemühungen entsteht hier ein Ersatzneubau für die schwer angeschlagene Brücke.

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Jürgen Schubert ist froh, dass endlich Baulärm in der Luft liegt. Lange genug hat Hähnichen um den Neubau in seinem Ortsteil Spree gekämpft. "Diese Brücke ist seit Jahren das größte Vorhaben, das wir stemmen", erklärt der amtierende Bürgermeister. Finanziell schlägt es mit knapp 587.000 Euro zu Buche. Davon kommen rund 485.000 Euro aus dem Fördertopf für kommunalen Straßen- und Brückenbau des Freistaates Sachsen. "Fast 102.000 Euro muss Hähnichen selbst tragen. Das Geld stammt aus liquiden Mitteln", weiß Jane Stangret, die Kämmerin von Rothenburg. Die Stadt übernimmt in der Verwaltungsgemeinschaft mit Hähnichen die finanztechnische Bearbeitung des Projektes.

Die alte Schöps-Brücke in Spree war ein Nadelöhr. Und baulich marode. Bis Herbst entsteht nun ihr Nachfolger.
Die alte Schöps-Brücke in Spree war ein Nadelöhr. Und baulich marode. Bis Herbst entsteht nun ihr Nachfolger. ©  Archiv/André Schulze

Erster Anlauf für neue Brücke schon 2014

Im März wurde die aus den 1960ern stammende Vorgängerbrücke abgetragen. Die anvisierte Haltbarkeit von 100 Jahren hat sie nicht erreicht. "Der Beton war gerissen. Über eine lange Zeit sind Salze ausgetreten, die Bewehrung ist gerostet. Die Tragkonstruktion unter der Brückenplatte lag sogar frei", erläutert Bauleiter Holger Kliemt den Zustand der maroden Brücke. "Der Beton altert eben, seine Schutzwirkung lässt damit rapide nach."

Die Anlaufzeit für das Ersatzbauwerk ist eine Geschichte von mehreren Jahren. Schon 2014 wurde festgestellt, dass die Brücke an der Verbindungsstraße zwischen Spree und Uhsmannsdorf nicht mehr lange halten würde. Allerdings wird die Strecke für den Busverkehr, für Schülertransporte und landwirtschaftliche Großgeräte dringend gebraucht. 2018 lagen schließlich die notwendigen Planungsunterlagen auf dem Tisch und in diesem Jahr gibt es nun auch Fördermittel.

Mit einer 100 Tonnen schweren Spezialmaschine werden 16 Betonsäulen in den Boden gegossen. Sie dienen als Fundamente für das Brückenbauwerk.
Mit einer 100 Tonnen schweren Spezialmaschine werden 16 Betonsäulen in den Boden gegossen. Sie dienen als Fundamente für das Brückenbauwerk. © André Schulze

Intensiv hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst das Baufeld unter die Lupe genommen. In den letzten Kriegstagen 1945 wurde hier mit hohem Waffen- und Munitionseinsatz gekämpft. Sonden stellten nun fest, dass nichts Explosives im Untergrund liegt. Seitdem das klar ist, wird der Neubau vom Ebersbacher Straßen- und Tiefbau (EST) kräftig vorangetrieben. Statt auf dem früheren Mittelpfeiler ruht die Brückenplatte künftig auf insgesamt 16 Bohrpfählen. Die werden gerade mit einer 100 Tonnen schweren Spezialmaschine gefertigt. Die Experten dazu kommen aus Zeitz in Sachsen-Anhalt. Ein riesiger Bohrer dringt bis in 6,75 Meter Tiefe vor. In den eingelassenen Stahlmantel wird Beton gefüllt. Ist das vollbracht, wird er wieder entfernt. "Das ist eine Auenlandschaft hier. Deshalb brauchen wir diese Tiefe, damit die Brücke sicher steht", erklärt Kliemt. Es ist die vierte dieser Art, die er entlang des Weißen Schöps' betreut.

16 Betonsäulen geben der Brücke Standfestigkeit

Der Ingenieur aus Kodersdorf ist optimistisch, dass die neue Brücke die vorgegebene Haltbarkeit von 100 Jahren erreicht. "Die Materialien sind heute einfach viel besser und die Vorschriften restriktiver." Trotzdem hat er Ehrfurcht vor der Leistung seiner früheren Berufskollegen. "Brücken wurden ja einst auf Holzpfählen abgestützt. Wir haben hier noch in vier Metern Tiefe Reste von einem der Vorgängerbauwerke gefunden. Diese Pfähle mussten permanent im Wasser stehen, damit das Holz nicht verdarb. Da gab's keine Maschinen, das war reine Handarbeit."

Die 16 Betonsäulen werden nach dem Aushärten mit einer Betonplatte verbunden. Darauf kommt der Überbau aus Stahlbeton. Der wird abgedichtet und mit einer sechs Meter breiten Fahrbahn versehen. Wahrscheinlich im Herbst kann der Verkehr dann über die neue Brücke rollen.

Corona bedingte Einschränkungen wie Krankheitsfälle oder notwendige Kinderbetreuung hat es bisher kaum gegeben. Allerdings fürchtet Holger Kliemt, dass der Materialnotstand - wie auf anderen Baustellen - noch eintreten könnte. Stahl, Holz und Kunststoffe würden durch die zunehmende Nachfrage auf dem Weltmarkt immer knapper. "Wir hoffen aber, dass wir dieses Wettrennen gewinnen."

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