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Nieskys Hotel hat eine neue Chefin

Angela Rädisch führte das Bürgerhaus fast zwei Jahrzehnte. Nun geht sie in Rente. Kathrin Kiwitz ist ihre Nachfolgerin. Sie kennt die Einrichtung.

Angela Rädisch (links) hat zum Monatsanfang den Staffelstab als Leiterin des Bürgerhauses an Kathrin Kiwitz übergeben.
Angela Rädisch (links) hat zum Monatsanfang den Staffelstab als Leiterin des Bürgerhauses an Kathrin Kiwitz übergeben. © André Schulze

Ein Wechsel hat sich im Niesyker Bürgerhaus vollzogen. Kathrin Kiwitz ist seit diesem Monat die neue Leiterin des Bürgerhauses, zu dem auch das nebenstehende Hotel gehört. Ihre Vorgängerin, Angela Rädisch, ist in den Ruhestand getreten.

Angela Rädisch kennt die Einrichtung sehr gut - und bereits bevor sie 1992 zur Bürgerhaus Niesky GmbH wurde. Die Nieskyerin arbeitete seit 1985 in dem Stahlbaubetrieb, der damals zum VEB Metallleichtbaukombinat, kurz MLK, gehörte. "Ich war zuständig für die Arbeiterversorgung und mein Arbeitsplatz ist die Betriebskantine gewesen", erzählt sie. Ursprünglich kommt Angela Rädisch aus dem Handel und hat viele Jahre im Nieskyer "Treppenkonsum" gearbeitet.

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Betriebskantine wird zum Bürgerhaus

Zum 1. Juli 1992 wurde auf Beschluss der Nieskyer Stadtverordneten die Betriebskantine zur Bürgerhaus Niesky GmbH und Kantinenleiter Egbert Stephan ihr Geschäftsführer. Wie alle Angestellten wechselte Angela Rädisch vom Stahlbau in die neue GmbH und hatte zunächst die Aufgabe, eine Verkaufsstelle im Bürgerhaus einzurichten. 1994 kam das Hotel dazu, vormals als Arbeiterunterkunft für den Stahlbau genutzt.

Das Bürgerhaus als städtische Gesellschaft entwickelte sich weiter zum kulturellen Zentrum für Niesky. Neben der Essensversorgung sind Veranstaltungen aller Art zum zweiten Standbein geworden. Zehn Jahre nach der Gesellschaftsgründung 2002, gab es eine weitere Zäsur für das Bürgerhaus. Zum einen ging dessen Chef Egbert Stephan in Rente. Er führte das Haus seit seinem Neubau 1978. Zum anderen wurde das Bürgerhaus eine Tochter der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (GWG). Zur Chefin der neuen GWG-Tochter wurde Angela Rädisch. Nicht als Geschäftsführerin, aber als Betriebsleiterin.

Veranstaltungen und Hotelgäste

"Fortan hatte ich mich nicht nur um die Gastronomie zu kümmern, sondern auch um Veranstaltungen und das Hotel", berichtet Angela Rädisch, heute 64 Jahre alt. Vor allem die Kulturveranstaltungen mit den Stars der Schlagerszene sind zum Renner geworden. Aber auch für viele Veranstaltungen ist das Bürgerhaus ein guter und beständiger Gastgeber. Erinnert sei beispielgebend an die Wirtschaftsgespräche der Sparkasse, die jährliche Sportlergala, den Modeball, die Jugendweihen oder die Vereinsveranstaltungen der Horkaer Reitsportler und der Nieskyer Karnevalisten.

Das alles hat nun Kathrin Kiwitz übernommen. Die Nieskyerin gehört zum Personal und das seit August 2013. Ihr vorrangiger Arbeitsplatz ist die Hotel-Rezeption gewesen, den nun eine neue Kollegin eingenommen hat. Aber auch an der Essensausgabe stand sie oft. Nun sitzt die 47-Jährige am Schreibtisch ihrer Vorgängerin. "Im Grunde wusste ich vorab, was mich erwartet. Dass mir dafür das Vertrauen ausgesprochen wurde, freut mich besonders. Ebenso, dass das Personal hinter mir steht", sagt die neue Betriebschefin.

Zuständig für 34 Mitarbeiter

Immerhin 34 Mitarbeiter sind derzeit in der Bürgerhaus-Gesellschaft beschäftigt. Dazu kommen vier Auszubildende im ersten und dritten Lehrjahr: drei Köche und eine Restaurantfachfrau. Es könnten durchaus mehr sein, aber es mangelt dem Bürgerhaus als Ausbildungsbetrieb an geeigneten Bewerbern und jungen Leuten, die auch dabeibleiben. Dazu kommen noch die Pauschalkräfte als Personal für Veranstaltungen wie dem Bürgerball am vergangenen Sonnabend.

Das Bürgerhaus in Niesky an der Muskauer Straße ist zu einem Schmuckstück für die Stadt Niesky geworden. Nun sollen Veranstaltungen wieder für mehr Leben und Begegnungen in dem Haus sorgen.
Das Bürgerhaus in Niesky an der Muskauer Straße ist zu einem Schmuckstück für die Stadt Niesky geworden. Nun sollen Veranstaltungen wieder für mehr Leben und Begegnungen in dem Haus sorgen. © André Schulze

Kathrin Kiwitz ist froh, dass es mit der Kultur im Bürgerhaus wieder aufwärts geht. Nach dem Bürgerball ist am 9. Oktober "Maria Chron - Festival der Travestie" die zweite Veranstaltung nach der Corona-Zwangspause. Auch wenn die Stühle auf Abstand gestellt sind, merkt Frau Kiwitz, dass die Menschen wieder Kultur erleben und einen schönen Abend haben wollen. An der 3-G-Regelung (genesen, getestet geimpft) hält das Bürgerhaus fest. Notfalls wird wie beim Bürgerball eine Testmöglichkeit an der Abendkasse geschaffen.

Ein tolles Team

Kathrin Kiwitz ist ebenfalls Nieskyerin. Sie hat drei eigene Kinder, lebt mit ihnen in einer Patchwork-Familie, wie sie sagt. Sie kommt wie ihre Vorgängerin aus dem Einzelhandel und hat sich in Sachen Informatik weitergebildet. Beide Leiterinnen loben ihre Mannschaft in Bürgerhaus und Hotel: "Wir sind ein tolles Team, und das über Jahrzehnte schon!" Selbst aus Zeiten der Betriebsgaststätte stehen noch Kollegen am Küchenherd. Dass die Corona-Pandemie bisher zwar mit Kurzarbeit, aber ohne Entlassungen beherrschbar geblieben ist, das ist auch der Flexibilität und Einsatzbereitschaft der Belegschaft zu verdanken, sind beide Frauen überzeugt.

In den vergangenen Jahren hat die GWG viel investiert. Das Hotel wurde 2019 generalsaniert, im Bürgerhaus sind Ausstattung und technische Ausrüstung erneuert beziehungsweise verbessert worden. Der große Saal kann endlich mit einem Fahrstuhl erreicht werden. Alles Investitionen, die sich auf die Gästezahlen positiv auswirken. "Das Hotel ist gut besucht", sagt Frau Kiwitz. "Im August hatten wir 70 Prozent und im September sind es bisher 60 Prozent Auslastung. Zudem bleiben unsere Gäste im Vergleich zu vergangenen Jahren länger, im Durchschnitt vier Tage."

An Arbeit mangelt es Kathrin Kiwitz in ihrer neuen Position nicht. Aber was macht Angela Rädisch nun mit ihrer vielen Freizeit als Jungrentnerin? "Zunächst fahre ich mit meinem Mann in den Urlaub. Und dann sind noch meine vier Enkelkinder. Sie freuen sich, dass die Oma jetzt mehr Zeit für sie hat." Und wenn das Bürgerhaus ihre Unterstützung braucht, wird die Ex-Chefin nicht nein sagen, um auszuhelfen.

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