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Vom Busfahrer zum Chef

Patrick Schultze führt seit fast vier Jahren Schwarz Reisen bei Niesky. Er ist zugleich Betreiber des roten Görliwood-Busses.

Patrick Schultze ist Inhaber und Geschäftsführer von Schwarz-Reisen. Seit knapp vier Jahren führt er das Unternehmen.
Patrick Schultze ist Inhaber und Geschäftsführer von Schwarz-Reisen. Seit knapp vier Jahren führt er das Unternehmen. © André Schulze

Jungunternehmer trifft auf Patrick Schultze gleich doppelt zu: Mit 36 ist er jung an Jahren und erst seit knapp vier Jahren führt er als Inhaber und Geschäftsführer das Busreiseunternehmen Schwarz Reisen.  "Das Chef-sein habe ich mir anders vorgestellt", sagt er. "Es sind viele Aufgaben, die zu bewältigen sind." Dennoch wusste der Rietschener, was ihn am Betriebssitz in "Tankeshausen" erwartet. So nennen Kenner das ehemalige Treibstofflager der NVA nahe Hähnichen.  

"Mein Stiefvater und damaliger Chef Harald Schwarz hat mich 2014 in sein Unternehmen geholt. Das unter der Voraussicht, dass ich seine Firma einmal weiterführen werde." Darauf hat sich Patrick Schultze eingelassen - und es als seine Herausforderung gesehen. Am 1. Januar 2017 war es soweit. Harald Schwarz übergab das Lenkrad an seinen Stiefsohn und zog sich aus dem Busgeschäft zurück. Patrick Schultze war damit der Chef nicht nur über 13 Busse, sondern auch für 21 Mitarbeiter. "Jetzt musste ich für deren Arbeit sorgen", sagt der junge Mann, der zuvor als Busfahrer tätig war.   

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In neue Busse investiert

Als Busunternehmen konkurrenzfähig bleiben, das ist Patrick Schultze bis heute wichtig. Also wurde erst einmal in neue, komfortable Busse investiert. "Die Leute achten schon darauf, wie sie reisen und haben entsprechende Ansprüche", sagt der Firmeninhaber. Das dafür ausgegebene Geld muss aber wieder "eingefahren" werden. "Die ersten beiden Jahre waren für uns wirtschaftlich schwierige Jahre, aber das dritte Jahr wurde ein erster Erfolg."   

Patrick Schultze (mit Busfahrer Klaus-Zura, li.) im Sommer bei der Vorstellung des Görliwood-Busses am Görlitzer Obermarkt.
Patrick Schultze (mit Busfahrer Klaus-Zura, li.) im Sommer bei der Vorstellung des Görliwood-Busses am Görlitzer Obermarkt. © Nikolai Schmidt

An diesen Erfolg wollte das Unternehmen 2020 anknüpfen. Aber die Corona-Pandemie macht dem einen Strich durch die Rechnung. Sie blieb nicht ohne Folgen, besonders im Frühjahr nicht. Das Reisen wurde eingeschränkt und schließlich eingestellt, Schulen geschlossen und das gesellschaftliche Leben auf Leerlauf geschaltet. Damit brachen Patrick Schultze zwei Geschäftsbereiche weg: Die Busreisen in Deutschland und ins europäische Ausland sowie der Schülerverkehr. "Wir mussten Mitarbeiter von uns in Kurzarbeit schicken, teilweise entlassen und Busse stilllegen, um über die Runden zu kommen." Hinzu kam, dass das eigene Reisebüro in Niesky geschlossen und an den Betriebssitz verlegt wurde. Keine einfache Aufgabe für den jungen Geschäftsführer, zumal er sich keinen Rat mehr bei seinem Vorgänger-Chef und Stiefvater holen konnte. Harald Schwarz starb mit nur 63 Jahren am 30. Dezember 2019 aufgrund einer Krankheit. Er riss ein tiefes Loch in das Familienunternehmen, das er 1988 gründete.  

Hoffnungsträger Görliwood-Bus

Erst der Tod der Stiefvaters, zwei Monate später breitet sich Corona weltweit aus - das sind Schicksalsschläge, die zu verkraften sind. Aber es gibt auch Hoffnung in dieser Zeit: ein roter Doppelstockbus. Die gemeinsame Geschäftsidee der beiden Unternehmer Patrick Schultze und Stefan Menzel aus Görlitz rettet Schwarz-Reisen ein wenig durch die Corona-Zeit. In diesem Carbio-Bus werden seit Pfingsten Touristen zu den Drehorten in der Neißestadt gefahren. Auf der Entdeckertour lernen sie kennen, was für Filme in Görlitz schon gedreht wurden. Die Filmrundreise im Görliwood-Bus wird sehr gut angenommen, so dass sich die beiden jungen Männer entschlossen, noch eine zweite Tour durch die Stadt anzubieten, in einem kleineren Bus über eineinhalb Stunden. Für beide Fahrten wurden vier Leute eingestellt.    

Beides ist sehr gut in Schwung gekommen, bis der November kam und auch die Rundfahrten wieder ausbremste. Patrick Schultze und sein Geschäftspartner hoffen, dass es ab Dezember wieder einigermaßen normal zugehen wird. "Und dass die Leute wieder Freude am Reisen haben", fügt der Rietschener hinzu. Denn die Reiseangebote für 2021 werden zusammen mit dem Unternehmen Schmidt-Reisen in Radibor geplant, in einem gemeinsamen Katalog angeboten und durchgeführt. Die Zusammenarbeit soll zu einer besseren Auslastung der Kapazitäten in beiden Busunternehmen führen.  

Gemeinderat und Vereinsvorsitzender

Das Busunternehmen ist es nicht allein, dem sich der gelernte Zimmermann und Vater eines Sohnes voll und ganz verschrieben hat. Für die "Freunde der CDU" sitzt er im Gemeinderat Rietschen und ist zudem Vereinsvorsitzender beim Neiße Adventure Race. Ein Verein, der jedes Jahr eine sportliche Herausforderung entlang der Neiße bietet. Hinzu kommt die Mitgliedschaft im Lionsclub Niesky, der sich für die Region engagiert. Das alles kommt nicht von ungefähr. Harald Schwarz war ebenfalls im Lionsclub und Gemeinderat in Hähnichen. "Ich habe nicht nur den Betrieb meines Stiefvaters übernommen, sondern auch sein ehrenamtliches Engagement. Beides ist mir wichtig", betont der Jungunternehmer.  

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