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Wie Homeoffice die Computerspezialisten herausfordert

Immer mehr Menschen arbeiten am Computer zu Hause. Das bereitet Händlern und Technikern im Landkreis inzwischen Kopfzerbrechen.

Lars Kiehle betreibt einen Computerservice in Niesky. Über mangelnde Aufträge kann er sich in der Hochzeit des Homeoffice nicht beschweren.
Lars Kiehle betreibt einen Computerservice in Niesky. Über mangelnde Aufträge kann er sich in der Hochzeit des Homeoffice nicht beschweren. © André Schulze

Seine Frau hat jetzt gut zwei Stunden am Computer zugebracht. Sie wollte einer Kundin einen passenden Drucker aussuchen und auch gleich bestellen. Das erzählt Lars Kiehle. Seit 16 Jahren führt er einen Computerservice unter seinem Namen in Niesky. "Was jetzt los ist, das habe ich in den ganzen Jahren meiner Selbstständigkeit noch nicht erlebt", fasst der junge Mann die Lage zusammen.

Der Markt sei fast leergefegt, Computertechnik kaum noch zu haben. Die Corona-Pandemie zwingt viele Menschen in die Heimarbeit, Gesetze und Verordnungen verstärken den Trend. Nicht nur in Deutschland und in Europa, sondern weltweit. Der Bedarf an Computer- und Kommunikationstechnik ist rund um den Globus gewaltig - und die meisten Produkte werden in Asien hergestellt. "Hätte ich mir über Jahre nicht enge Lieferantenbeziehungen aufgebaut, müsste ich manchen Kunden jetzt unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken", erzählt der Computerspezialist.

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Digitalisierung verschlafen

Aus der Situation heraus ist Lars Kiehle zur Vorratswirtschaft übergegangen. Cams, also kleine Kameras, die an den Bildschirm geklemmt werden, hat er deshalb ebenso vorrätig wie Headsets, die Kopfhörer und Mikrofon vereinen. "Dinge, nach denen vor zwei Jahren keiner fragte, sind jetzt der Renner", berichtet der Geschäftsmann. Denn all das braucht man, um an Videokonferenzen teilzunehmen. Großen Wert legt er auf die fachliche Beratung seiner Kunden. Diese stehen mitunter in seinem Laden und sagen nur: Ich soll Homeoffice machen. Was brauche ich dazu?

Mitunter stoßen seine fünf Techniker und er an die Grenzen des Machbaren, wenn sie PC-Arbeitsplätze in den Wohnungen einrichten. "Besonders auf dem Land merken wir, dass Deutschland die Digitalisierung verschlafen hat", sagt Kiehle. Was nützt die modernste Technik auf dem Schreibtisch, wenn sich die Daten durch eine Zwei-Megabit-Leitung quälen müssen?

Preise schießen in die Höhe

Dazu kommt noch ein zweites Problem, wenn die Computerspezialisten Hausbesuche machen. "Ich betrete nur mit einem aktuellen Negativ-Test und Maske die Wohnungen und Geschäftsräume meiner Kunden", sagt Peter Schmidt. Er ist Inhaber einer Computerfirma für Softwareentwicklung in Görlitz. Zusammen mit seinem Mitarbeiter schreibt er hauptsächlich Programme für Hausarztpraxen. Sein zweiter Mitarbeiter arbeitet von zu Hause aus. So wollen sie sich gegenseitig schützen.

Peter Schmidt bringt nicht nur die Software, also das auf einen Datenträger gespeicherte Programm, zu seinen Kunden, sondern auch die Hardware, sprich die technischen Geräte dafür. Auch er hat mit Lieferengpässen zu kämpfen - und den enorm gestiegenen Preisen. "Habe ich vor Corona für ein Gerät noch 350 Euro bezahlt, so kostet die gleiche Ausführung jetzt 420 Euro, um nur ein Beispiel zu nennen", berichtet der Görlitzer.

Gernot Voss von der Firma Thürmer & Voss KG repariert einen PC in seinem Geschäft auf der Dresdener Straße in Görlitz. Lieferengpässe und lange Wartezeiten machen dem Computerspezialisten zu schaffen.
Gernot Voss von der Firma Thürmer & Voss KG repariert einen PC in seinem Geschäft auf der Dresdener Straße in Görlitz. Lieferengpässe und lange Wartezeiten machen dem Computerspezialisten zu schaffen. © Martin Schneider

Langes Warten auf die Ware

Dass Handel und Großhändler mit dem Liefern nicht nachkommen, diese Erfahrung macht auch Gernot Voss. Unter dem Namen Thürmer & Voss KG ist der Computerfachmann seit zwei Jahrzehnten in Görlitz ansässig. Für ihn ist Homeoffice keine neue Erfindung. Das gibt es schon seit Jahren, auch wenn der Begriff anfangs nicht englisch war. Geändert hat sich nur die Intensität. Arbeiten zu Hause ist in Zeiten der Pandemie zu einer Volksbeschäftigung geworden. Drei Mitarbeiter und er sind in der Firma beschäftigt, die inzwischen seine Frau Christina Voss als Geschäftsführerin leitet.

Oft sind die Männer im Görlitzer Umland unterwegs. Dort merken sie besonders, dass Homeoffice mit der Verbindungsqualität steht oder fällt. Wenn, wie im Schöpstal oder in Kiesdorf, nur maximal zwei Megabit anliegen, dann ist mit Datentransfer nicht viel zu machen. "Es möchten schon mindestens 50 Megabit sein, damit die Sache funktioniert", sagt Gernot Voss. Sein zweites Ärgernis sind ebenfalls die langen Lieferzeiten. Für einen Kunden hat der Görlitzer ein Notebook bestellt. Acht Wochen vergingen, bevor es sein Geschäft erreichte. Auf einen Arbeitsspeicher für einen Computer wartete Voss zwei Monate. "Heute bestellt - morgen geliefert", über diesen Slogan kann Voss nur müde lächeln, genauso wie Lars Kiehle. Bei einem Händler wollte er ein Notebook bestellen - und der Nieskyer glaubte seinen Augen nicht zu trauen: Lieferung ab Dezember 2022!

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