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Feuerwehren trotzen Corona

Kranke Kameraden, keine Ausbildung, kaum Kontakte und auch noch mit Masken zum Einsatz - wie es um den Brandschutz rund um Niesky bestellt ist.

Erst vor Kurzem wurde die Nieskyer Feuerwehr zu einem Wohnungsbrand im Stadtzentrum gerufen. Wegen Corona können die erforderlichen Handgriffe derzeit nicht trainiert werden.
Erst vor Kurzem wurde die Nieskyer Feuerwehr zu einem Wohnungsbrand im Stadtzentrum gerufen. Wegen Corona können die erforderlichen Handgriffe derzeit nicht trainiert werden. © André Schulze

Das Lachen ist den Feuerwehrleuten zwischen Kodersdorf, Niesky und Rothenburg zwar noch nicht vergangen. Aber man sieht es nicht mehr. Ausgerückt wird mit Maske, während des Einsatzes bleibt sie auf. Wie der Nebenmann drauf ist - nur seine Aktionen verraten es.

"Wir haben schon lange keine geregelten Dienste mehr", bedauert Sebastian Noll. Er ist stellvertretender Ortswehrleiter von Niesky und darauf angewiesen, dass seine Mannschaft im Einsatzfall funktioniert. So wie erst kürzlich bei einem Wohnungsbrand im Nieskyer Zentrum oder als die Pelletzuführung für eine Heizungsanlage Feuer fing. "Wir bringen es noch", ist Nolls wichtigste Erkenntnis. Doch an eventuellen Mängeln arbeiten, das geht derzeit nicht. Seit Corona die Region fest im Griff hat und die Verordnungen von Bund, Land und Kreis das Verhalten der Menschen regeln, ist auch bei den Freiwilligen Feuerwehren nichts mehr so wie es früher war. Zaghaft haben die Nieskyer vor drei Wochen begonnen, wenigstens in Kleingruppen zu üben. Doch das kann mit jeder neuen Vorschrift ganz schnell wieder erledigt sein.

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Sicherheitsabstand zwischen den Kameraden - wo das nicht geht, die Maske auf. Denn: Hygienevorschriften müssen eingehalten werden. Insgesamt gilt: Alle Handlungen werden auf das Wesentliche beschränkt. Altgediente Mitstreiter leben von ihrer Routine. Jüngere kommen schon mal ins Grübeln, um die richtige Stelle für die Technik im Löschfahrzeug zu finden. "Uns kommt jetzt zugute, dass wir schon immer einen hohen Ausbildungsstand hatten", sagt Noll. Deshalb habe die Nieskyer Wehr auch unter Pandemiebedingungen bisher immer ihre Einsatzbereitschaft aufrechterhalten. Erleichternd kam hinzu, dass es kaum knifflige Aufgaben zu lösen gab. "Der schwierigste Fall im vergangenen Corona-Jahr war für uns der Brand in der Lackfabrik Höpner. Da ging es um Explosionsgefahr und möglicherweise giftige Dämpfe."

Schwierigster Einsatz für die Feuerwehren im Raum Niesky war im vergangenen Corona-Jahr der Brand in der Nieskyer Lackfabrik Höpner.
Schwierigster Einsatz für die Feuerwehren im Raum Niesky war im vergangenen Corona-Jahr der Brand in der Nieskyer Lackfabrik Höpner. ©  André Schulze

So wie in Niesky sind auch die benachbarten Wehren unterschiedlich schwer von der Corona-Krise betroffen. Besonders schlimm war die Situation in Kodersdorf, als im Zuge des Kita-Hotspots so viele Kameraden krank wurden oder in Quarantäne mussten, dass die Dienstfähigkeit stark eingeschränkt war. Auch das schon fast ein halbes Jahr fehlende Training wirkt sich laut Wehrleiter Andreas Flade inzwischen aus. "Die Übung fehlt, na klar." Aber er weiß auch: "Wir müssen damit leben und das Beste daraus machen." Auch in Kodersdorf hat es vor ein paar Tagen den ersten Ausbildungsversuch gegeben. Mit Hygienekonzept natürlich, und begrenzter Personenzahl.

Gleiches gilt für die Horkaer Wehr. "Wir wollen allmählich wieder hochfahren. Aber wahrscheinlich werden wir durch strengere Verordnungen ausgebremst", vermutet Andreas Fürll. Der Wehrleiter ist froh, dass er mit Markus Heinze einen sehr aktiven Jugendwart hat. "Der bietet unseren jungen Leuten Lehrinhalte online an. Eine Stunde Unterricht für die Grundlagenausbildung, danach ein Quiz, um locker zu bleiben - eine runde Sache", findet Fürll. Trotzdem sei es nicht leicht, die Jugend bei der Stange zu halten. "Sie wollen zwar. Aber ob das noch ewig so geht? Wir müssen uns einfach um sie bemühen und hoffen, dass die Feuerwehr interessant genug bleibt."

Dann macht der Wehrleiter deutlich, woran es seinen Kameraden - außer den regelmäßigen Diensten - am meisten fehlt: "Das ist der gesellige Teil. Viele haben großen Redebedarf, kommen aber nur während der Einsätze zusammen und sollen danach schnell wieder nach Hause gehen." Die Kameradschaft untereinander komme ganz einfach zu kurz. "Wir sind ja auch in Veranstaltungen eingebunden - Hexenfeuer, Maibaumstellen. Das fällt alles weg."

Einsatz mit Maske ist eine große Belastung

In Nieder Seifersdorf ist die Freiwillige Feuerwehr noch im Stand-by-Modus verblieben. "Wir wollten eigentlich im April wieder starten. Aber die hohen Ansteckungszahlen und Inzidenzen haben uns vorerst davon abgehalten", erklärt Wehrleiter René Stricker. Immerhin hat er zwei seiner Mitstreiter zu einem vom Landkreis organisierten Truppführer-Lehrgang geschickt. Denn: "Wir wollen auf keinen Fall untätig sein."

Ganz ohne eigene Corona-Fälle sind die Jänkendorfer bisher geblieben - und sind damit eine der wenigen nicht vom Virus betroffenen Feuerwehren im Raum Niesky. Trotzdem ist die Situation schwierig. "Wenn du mit Mund-Nasen-Schutz zum Einsatz ausrücken sollst, dann ist das schon eine Belastung, vor allem für Brillenträger", schildert Wehrleiter Sylvio Bachmann eines der Probleme. Ein anderes: Er und seine Kameraden erlebten kurz nach Neujahr eine unliebsame Überraschung. Vermutlich Anwohner hatten die Truppe bei der Polizei wegen Nichteinhaltung der damals geltenden Ausgangssperre angezeigt. "Wir waren mit acht Leuten zur Technikwartung im Gerätehaus", begründet Bachmann die "Versammlung".

David Schwarz, der die Zeit für einen Lehrgang in Hoyerswerda an der sächsischen Feuerwehrschule zur Einführung in die Stabsarbeit im Katastrophenschutz nutzt, sieht durch die coronabedingte Kontaktarmut der Kameraden vor allem eine Gefahr: "Wenn es zum Einsatz piept, merken sie, dass sie noch bei der Feuerwehr sind. Ansonsten könnte der Eindruck entstehen: Es geht auch ohne. Dieser freiwillige Dienst müsste gar nicht sein", so der Ortswehrleiter von Rothenburg. Anzeichen dafür gebe es zumindest in der Neißestadt aber noch nicht.

Schnelltests fürs Training zum Atemschutznachweis

Kreisbrandmeister Björn Mierisch macht den Feuerwehren Mut, die Ausbildung allmählich wieder hochzufahren. "Wir haben 600 bis 700 Kameraden im Landkreis. Bei der Unmenge an ausgefallenen Diensten ist ein riesengroßes Defizit an Übungsstunden aufgelaufen." Training im Freien, in kleinen Gruppen sei legitim. Die sächsische Corona-Schutz-Verordnung decke das in begrenztem Umfang ab. Jedes aktive Feuerwehrmitglied brauche im Jahr 40 Stunden Ausbildung. Zudem werde der Atemschutznachweis gefordert.

Um auf den dafür vorgesehenen Anlagen in Niesky, Zittau und bei der Leag in Boxberg wieder aktiv werden zu können, hat das Landratsamt Schnelltests besorgt. "Wenn Fünftklässler das hinkriegen, bin ich optimistisch: Unsere Feuerwehrleute schaffen das auch. Wir müssen einfach etwas tun", so der Kreisbrandmeister.

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