merken
PLUS Niesky

Rothenburger mischt beim Kohleausstieg mit

Uwe Garack hatte einen Fotoladen in Niesky und ist Vize-Bürgermeister von Rothenburg. Doch jetzt hat er seinen Traumberuf gefunden.

Der Rothenburger Uwe Garack ist Projektmanager im Kommunalteam der ENO und soll Strukturwandel-Projekte im Landkreis Görlitz vorantreiben.
Der Rothenburger Uwe Garack ist Projektmanager im Kommunalteam der ENO und soll Strukturwandel-Projekte im Landkreis Görlitz vorantreiben. © Martin Schneider

Uwe Garack ist zwischen Niesky, Rothenburg und Weißwasser bekannt wie der sprichwörtliche "bunte Hund". Schon oft stand er in der Öffentlichkeit. Das tut er in seinem neuen Job jetzt wieder. Denn seit ein paar Tagen ist er einer von zehn Projektmanagern in der Task-Force der kreiseigenen Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz (ENO), die den Strukturwandel im Landkreis voranbringen soll.

Dass es einmal so kommen würde, hätte der 46-Jährige noch vor drei Jahren nicht unbedingt gedacht. Denn bis dahin erfüllte er mit seinem Laden in Niesky den Einwohnern der Stadt Fotowünsche und verkaufte Kameras samt Zubehör. Doch der Internethandel ging auch an seinem Geschäft nicht spurlos vorbei. Der gebürtige Rothenburger zog die Reißleine und orientierte sich beruflich komplett neu. Fortan kümmerte er sich im Auftrag der Wirtschaftsregion Lausitz um das Förderprogramm der Sächsischen Mitmach-Fonds. Allein im vergangenen Jahr gingen dort knapp 2.000 Projektvorschläge ein, 560 davon bekamen Gelder zugeteilt.

Anzeige
Internationaler Tag der Pflege
Internationaler Tag der Pflege

Der Internationale Tag der Pflege findet jährlich am Geburtstag von Florence Nightingale statt.

Viele Nieskyer kennen Uwe Garack noch als Foto-Experten, der mit seinem Geschäft zuerst in der Horkaer Straße und später in der Görlitzer Straße vertreten war.
Viele Nieskyer kennen Uwe Garack noch als Foto-Experten, der mit seinem Geschäft zuerst in der Horkaer Straße und später in der Görlitzer Straße vertreten war. ©  Archiv/André Schulze

"Diese Zeit", meint Garack rückblickend, "war sehr wertvoll für mich." Er habe viel über die politischen Strukturen im Freistaat gelernt und jede Menge Erfahrungen im Umgang mit Förderprogrammen gesammelt. Ganz wichtig: "Mit Kommunen, Privatpersonen, aber auch Entscheidungsträgern konnte ich über viele unterschiedliche Ideen diskutieren. Das hilft mir jetzt, wo es allein schon wegen der Fördersummen um größere Projekte geht."

Denn nach dem Auslaufen seines Vertrages bringt sich der einstige Fotospezialist nun im Kommunalteam der Task-Force Strukturwandel bei der ENO in Görlitz ein. Der Kreis hat die Wichtigkeit der Aufgabe erkannt und will seine Gemeinden beim Neustart nach dem allmählichen Aus der Kohleförderung unterstützen. Immerhin hält der von Bund und Land gefüllte milliardenschwere Fördertopf bis 2038 jedes Jahr 120 Millionen Euro für die Landkreise Görlitz und Bautzen bereit. Da sollen zwischen Weißwasser und Görlitz, Zittau und Rothenburg möglichst große Brötchen gebacken werden. Strukturwandel, sagt Garack fast ehrfürchtig, sei für ihn ein mächtiger Begriff. "Eigentlich gibt es den ja immer, jede Zeit bringt Veränderungen mit sich. Nur was jetzt passiert, ist schon richtig heftig. Durch den Kohleausstieg erleben wir das jetzt in geballter Form."

Schon immer hatte Uwe Garack Ideen, die seiner Heimatregion zugute kamen. Zusammen mit Museumschefin Eva Maria Bergmann präsentierte er vor einigen Jahren Sammel-Tassen mit Motiven der Nieskyer Holzhäuser.
Schon immer hatte Uwe Garack Ideen, die seiner Heimatregion zugute kamen. Zusammen mit Museumschefin Eva Maria Bergmann präsentierte er vor einigen Jahren Sammel-Tassen mit Motiven der Nieskyer Holzhäuser. ©  Archiv/André Schulze

Garack, der zuletzt noch einen Kurs Projektmanagement an der Fern-Uni Hagen belegt hat, sieht sich angekommen. "Ich bin sehr glücklich und überzeugt von dem, was ich jetzt machen darf." In den kommenden Wochen wird er vor allem durch die Kommunen im Nordkreis touren. "Ich möchte mich vorstellen und meine Expertise anbieten. Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, aus guten Ideen förderfähige Anträge zu machen." Mit den sprichwörtlichen "goldenen Wasserhähnen" habe das überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil: "Wir brauchen einen langen Atem, müssen analysieren und kanalisieren. Ich möchte einfach dazu beitragen, dass es in unserer Region vorwärts geht." Und was wäre für ihn ein Erfolg? "Wenn es in fünf Jahren die ersten verwirklichten Projekte gäbe. Dann würde ich sagen, ich habe etwas richtig gemacht."

In die kommunale Arbeit ist der 46-Jährige noch aus anderer Perspektive fest involviert. Immerhin sitzt er für die Freien Wähler im Stadtrat von Rothenburg und vertritt Bürgermeisterin Heike Böhm im Fall der Fälle als zweiter Stellvertreter. Die Großprojekte der Neißestadt hat er in den letzten Monaten mit vorangetrieben. Schulkomplex, Mehrzweckhalle und Bürgerzentrum tragen auch Uwe Garacks Handschrift. Daher weiß er natürlich auch, dass diese Projekte mit Strukturwandel und der daraus resultierenden Förderung nichts zu tun haben. "Das ist eher Daseinsvorsorge." Wenn es um die Kohleausstiegsmillionen geht, sind neue, innovative Ideen gefragt.

Die Task-Force Strukturwandel der ENO ist im Internet unter www.wirtschaft-goerlitz.de zu erreichen.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky