merken
PLUS Niesky

Wo der Borkenkäfer den Umsatz steigert

Holtec baut seit 50 Jahren Anlagen für die Holzindustrie. Der Bedarf ist jetzt besonders groß. Davon profitiert auch die Niederlassung in Jänkendorf.

Dieses Teil gehört in Jänkendorf zu einem Großauftrag, der für ein neues Sägewerk vorgesehen ist. Am Ende muss alles zusammenpassen und bei Inbetriebnahme funktionieren.
Dieses Teil gehört in Jänkendorf zu einem Großauftrag, der für ein neues Sägewerk vorgesehen ist. Am Ende muss alles zusammenpassen und bei Inbetriebnahme funktionieren. © André Schulze

Für die Waldbesitzer ist er ein Fluch, um nicht gleich von der Pest zu sprechen: der Borkenkäfer und seine Artgenossen. Für andere sorgt der Baumschädling für volle Auftragsbücher und hilft zudem, coronabedingte Engpässe zu überstehen. Die Firma Holtec - ein Wortspiel aus Holz und Technik - stellt seit 50 Jahren Maschinen und Anlagen für die holzverarbeitende Industrie her. Seit 1992 hat das in der Eifel ansässige Familienunternehmen eine Niederlassung Ost in Jänkendorf. Und in beiden Unternehmen gibt es gut zu tun. 

Das Schadholz muss aus den Wäldern und verarbeitet werden, dazu brauchen die Sägewerke Kapazitäten, sagt Prokurist Heiko Geißler in Jänkendorf. Das heißt, es werden zusätzliche Anlagen gekauft oder alte durch größere mit mehr Durchsatz ausgetauscht. Hinzu kommt, dass nicht nur die deutschen Wälder vom Borkenkäfer befallen sind, sondern auch andere Länder das Problem mit dem Schädling haben. Damit entwickelt, konstruiert und baut Holtec seine Anlagen zur Holzverarbeitung nicht nur für den deutschen Markt.

Familien aufgepasst
Familien aufgepasst

Hier finden Sie alle Ergebnisse des Familienkompass 2020.

Für die Wälder in den USA und in Sibirien

Holtec-Geschäftsführer Alexander Gebele sagt, dass die im markeneigenen Orange lackierten Maschinen und Anlagen weltweit, von den USA bis nach Sibirien, im Einsatz sind. Die Jänkendorfer Niederlassung liefert rund ein Drittel einer Jahresproduktion in die Welt. Das heißt, auch in Jänkendorf arbeitet man für globale Märkte, denn Sägewerke im Osten Deutschlands sind rar. Kodersdorf ist das nächstliegende, zwei weitere sind in Torgau und im brandenburgischen Baruth.   

Dass in den jüngsten Jahren Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe bilanziert werden können, ist eng mit der erfolgreichen Entwicklung des Familienbetriebes über 50 Jahre verbunden. Ursprünglich ein Konstruktionsbüro, entwickelte daraus ab 1970 Firmengründer Peter Klement mit zunächst drei Mitarbeitern einen Maschinenbaubetrieb, der heute immer noch in Hellenthal an der belgischen Grenze ansässig ist und seine Tochter Ute Klement mit Alexander Gebele führt. Dort sind rund 140 Mitarbeiter beschäftigt. 

Eine leere Halle für den Anfang

So wie das Mutterunternehmen in Hellenthal gewachsen ist, entwickelte sich auch die Niederlassung in Jänkendorf. Angefangen hat Heiko Geißler mit einem Dutzend Mitarbeitern. Heute sind sie in Jänkendorf rund 40 Beschäftigte. Begonnen hat alles mit einer leerstehenden großen Halle. Ihr Bau wurde Ende der 1980er Jahre durch den damaligen Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL) initiiert. Unternehmer Peter Klement sah bereits 1990 gute Chancen für den Standort und begann mit der Ausbildung der Belegschaft für Jänkendorf. Wie im Stammsitz an der deutschen Westgrenze, sollte fortan auch an der Ostgrenze das Unternehmen produzieren. Hier wurde ebenso über die Jahre investiert: eine zweite Halle entstand. Die Leichtbaubaracke wurde umgebaut zum Sozial- und Bürogebäude mit einem Solardach für die eigene Stromerzeugung. Von einer Autobahn bis nach Polen war damals noch nicht die Rede. Für Alexander Gebele ist diese Verkehrsverbindung inzwischen zu einem wichtigen Standortvorteil geworden.    

Alles, was gefertigt wird, kommt in Einzelteilen auf große Lastzüge und wird direkt zu den Baustellen neuer Sägewerke und anderer holzverarbeitender Betriebe gefahren. Heiko Geißler kann sich noch gut erinnern, wie ein Auftrag auf 42 Lkws verladen wurde und die Reise von Jänkendorf aus angetreten ist. Empfänger war ein Großhersteller für MDF-Platten. MDF steht für Mitteldichte Faserplatten. "Wir konnten die Fahrzeuge nur nach und nach beladen, weil wir nicht den Platz haben", sagt der Prokurist.  

Aufträge für andere Firmen

Die sehr gute Auftragslage sorgt dafür, dass nicht nur unter den Holtec-Dächern in Hellenthal und Jänkendorf emsig gefertigt wird. "Einige Arbeiten und Aufträge haben wir an Metallbaubetriebe in der Umgebung vergeben", erklärt Heiko Geißler.  Sie profitieren also  mit vom Auftragsboom der Holtec. "Das schafft Arbeit und sichert Arbeitsplätze in der Region", freut sich der Prokurist. Ihm und Alexander Gebele ist dabei klar, dass der derzeitige Holzboom nicht unendlich ist. "Irgendwann müssen die Sägewerke ihre Kapazitäten wieder zurückfahren, weil weniger Holz geliefert wird. Aber auch dann wollen wir noch am Markt mitbestimmen", blickt Alexander Gebele voraus. Aus diesem Grund sind keine größeren Erweiterungen der Firmen in Hellenthal und Jänkendorf geplant. "Für ein mittelständisches Unternehmen sind wir gut aufgestellt, und so soll es auch bleiben", betont Gebele.      

Jede Anlage, die in Jänkendorf die Niederlassung verlässt, ist ein Unikat. Hier wird nach Auftrag produziert, nicht auf Vorrat. 
Jede Anlage, die in Jänkendorf die Niederlassung verlässt, ist ein Unikat. Hier wird nach Auftrag produziert, nicht auf Vorrat.  © André Schulze
Diese zweite Werkhalle wurde 2002 neu gebaut, nachdem das Unternehmen zehn Jahre davor die Produktion in einer bereits bestehenden Halle begonnen hatte. 
Diese zweite Werkhalle wurde 2002 neu gebaut, nachdem das Unternehmen zehn Jahre davor die Produktion in einer bereits bestehenden Halle begonnen hatte.  © André Schulze
Prokurist Heiko Geißler und Mitarbeiter Frank Rollig an der Laser-Anlage, die schneiden und schweißen kann.
Prokurist Heiko Geißler und Mitarbeiter Frank Rollig an der Laser-Anlage, die schneiden und schweißen kann. © André Schulze

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky