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Junger Tischler kommt groß raus mit schrottiger Idee

Hannes Riedel aus Niesky baut mit Altmetall Wärmetische. Nun ist seine Erfindung der Hit bei Feiern in Familie und in der Firma.

Von Steffen Gerhardt
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Hannes Riedel aus Niesky baut in seiner Freizeit Heizöfen samt Tisch für Feiern im Freien.
Hannes Riedel aus Niesky baut in seiner Freizeit Heizöfen samt Tisch für Feiern im Freien. © André Schulze

Es ist Großvaters Pferdestall in Horka, der für einen jungen Nieskyer zur Erfinderwerkstatt geworden ist. Auslöser waren zum einen der eigene 20. Geburtstag und die Corona-Pandemie, erzählt Hannes Riedel.

Die Geburtstagsfeier im September vor einem Jahr sollte im Garten stattfinden. Aber das Wetter war kalt und die Gesellschaft fror mehr statt zu feiern. "Da kam mir die Idee, man müsste sich um etwas Wärmendes stellen können." Also überlegte sich Hannes Riedel, wie das praktisch umzusetzen wäre. Heraus kam der beheizbare Stehtisch. Vom Design eher rustikal gehalten, verbreitet er doch wohlige Wärme.

Auf der Suche nach Metallteilen

Dazu braucht es eigentlich nur ein Ofenrohr, einen Behälter mit einer Öffnung, drei Standfüße und eine feuerfeste Tischplatte mittendrin. Fertig ist der beheizbare Stehtisch. Theoretisch alles machbar, und praktisch? "Ich sammle gezielt Metallteile. Auf dem Dorf ist ja viel zu finden oder vorhanden", sagt der Ofenbauer. Der eigentliche Ofen ist meist ein ausgedienter Metallboiler, der einst für heißes Wasser sorgte. Aber auch einen Bremsluftbehälter von einem Linienbus hat Hannes Riedel schon zu einem Ofen umfunktioniert.

"Wichtig ist die Stärke des Behälters, mindestens drei Millimeter möchten es schon sein", ist die Erfahrung des Konstrukteurs. Die gern als Stehtisch verwendeten Öl- oder Farbfässer sind für den Heizzweck nicht geeignet. Sie bestehen nur aus dünnem Blech, das schnell durchfeuert. Bei der Feuerung setzt Hannes Riedel auf Holzscheite. Denn da bleiben kaum Rückstände und einmal brennend erzeugen sie auch keinen Rauch, der zu Hustenanfällen am Stehtisch führt.

Tischlergeselle Hannes Riedel zeigt sein Gesellenstück, eine Gin-Bar, die er in der Tischlerei Schwarz in Hähnichen gebaut hat.
Tischlergeselle Hannes Riedel zeigt sein Gesellenstück, eine Gin-Bar, die er in der Tischlerei Schwarz in Hähnichen gebaut hat. © Tischlerei Schwarz

Tischler und Metallbauer

Hannes Riedel ist handwerklich begabt. Das zeigt er in seinem Beruf als Tischler in dem Meisterbetrieb von Steffen Schwarz in Hähnichen. Sein Gesellenstück war eine aus Holz gefertigte Gin-Bar. "Mit der mutigen Farbwahl überzeugte er die Jury und wurde neben einem sehr guten Ergebnis auch mit der Nominierung zur ,Die Gute Form' belohnt, einem sächsischen Wettbewerb für Tischler", lobt sein Lehrmeister und Chef Steffen Schwarz. Dass Hannes Riedel in seiner Freizeit etwas Nützliches für die Gemeinschaft schafft, wird von seinem Arbeitgeber akzeptiert. Auch sein Betrieb machte davon schon Gebrauch.

Dass der junge Tischlergeselle nicht nur aus Holz etwas machen kann, sondern auch aus Metall, zeigt er in seiner Hobbywerkstatt. Seit gut einem Jahr tüftelt und baut er an seinen Öfen. Das Schweißen hat ihn schon immer interessiert, erzählt der 21-Jährige, nun kann er es an seinen Stehtischen anwenden. Inzwischen hat es der Nieskyer auf sieben beheizbare Stehtische gebracht, die alle funktionieren. Der Größte ist mit einem Wasserboiler für 280 Liter entstanden. Aufgrund seiner Größe wurde der Boiler querliegend verbaut und gibt damit mehreren Menschen die Möglichkeit, gesellig und warm zusammenzusitzen.

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Der Renner in der Chorona-Zeit

Was eigentlich nur für die eigene Familie in der kalten Jahreszeit gedacht war, hat sich als ein Renner für Familien- und Firmenfeiern gemausert. "Mit so einem Interesse habe ich nicht gerechnet, zumal ich keine Werbung mache. Nur durch Mundpropaganda bin ich dafür bekannt", erzählt Hannes Riedel. Die eingeschränkten Feierlichkeiten durch die Corona-Pandemie haben die Nachfrage gesteigert. Besonders in der Weihnachtszeit werden diese "heißen Tische" für eine Glühwein- oder Bratwurstrunde im Freien geordert. Der moderate Mietpreis wird dafür gern an den Erbauer entrichtet. Vier seiner Tischöfen sind bis zum Jahreswechsel ausgebucht. Und so soll es auch bleiben, dass diese Wärmespender Mietobjekte sind. Hannes Riedel hat sich inzwischen einen Autoanhänger zugelegt, um sein Produkt auch an den Ort liefern zu können.

Dass diese Wärmetische angerostet daherkommen, hat seinen Sinn. Das gehört zum Design, erklärt der Schöpfer, zumal die Farbe der Kessel durch das Feuern keinen langen Bestand hat. Rost ist außerdem preiswerter als feuerfester Lack.