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Kinder-Boom sorgt für volle Grundschulen

Im Landkreis gibt es dieses Jahr 247 Schulanfänger mehr als gedacht. Kodersdorf ist mit vorn dabei. Platzen die Klassen jetzt aus allen Nähten?

Helene (rechts) ist eines von 25 Vorschulkindern der Kita in Kodersdorf, die sich darauf freuen, in diesem Jahr Abc-Schützen zu werden.
Helene (rechts) ist eines von 25 Vorschulkindern der Kita in Kodersdorf, die sich darauf freuen, in diesem Jahr Abc-Schützen zu werden. © André Schulze

Lachen, kreischen, toben - richtig ausgelassen geht es zu in der Kita "Brüderchen und Schwesterchen" in Kodersdorf. Für die Großen beginnt in einigen Wochen der "Ernst des Lebens". Doch darauf freuen sich die Schulanfänger schon. 25 Kinder wechseln in diesem Jahr vom Sandkasten auf die Schulbank. Im vergangenen Jahr waren es nur 20, im nächsten werden es voraussichtlich sogar 27 sein. In anderen Kitas ist die Situation ähnlich. Doch sind die Grundschulen im Kreis auf so einen Ansturm überhaupt vorbereitet?

Marlies Wiedmer-Hüchelheim ist froh, dass es wieder einen starken Jahrgang Schulanfänger gibt. Denn gäbe es ihn nicht, so die Schulamtsleiterin des Landkreises, wären einige Grundschulen in ihrer Existenz eingeschränkt. Der Druck, sie zu schließen, wäre zwar nicht vergleichbar mit dem Ende der 1990 Jahre, als zwischen Weißwasser und Zittau rund die Hälfte der Schulstandorte aus dem Verkehr gezogen wurden. Aber um andere Angebotsformen - wie jahrgangsübergreifenden Unterricht - käme man wahrscheinlich nicht herum.

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Viele Grundschüler trotz Bevölkerungsschwund

Dass es seit rund 20 Jahren relativ stabile Verhältnisse bei den Schülerzahlen gibt, ist nicht selbstverständlich. Und angesichts des Bevölkerungsschwundes auch nicht ganz leicht zu verstehen. Immerhin machte der Rückgang in den vergangenen zehn Jahren etwa ein Zehntel aus, Ende 2019 lag die absolute Einwohnerzahl bei 252.725. Von diesen wiederum befinden sich zehn Prozent im schulfähigen Alter von sechs bis 18 Jahren.

Ausschlaggebend für die Stabilität der Schulanmeldungen sind vor allem zwei Faktoren: das Geburtenniveau und die Zahl der Zuzüge. "Seit rund 20 Jahren werden im Kreis laut Geburtenstatistik etwas mehr als 2.000 Kinder schulpflichtig", erklärt Marlies Wiedmer-Hüchelheim. Das allein würde jedoch nicht reichen. Deshalb ist der zweite Punkt genauso entscheidend. Der Saldo aus Zu- und Fortzügen hat sich nach 2010 umgekehrt. Gab es damals noch ein Minus von 184 in der Elterngeneration der 30- bis 50-Jährigen, hat sich das 2019 in ein sattes Plus von 314 verwandelt. Bei den schulpflichtigen Kindern hat sich das Verhältnis von -118 im Jahre 2010 in +301 im Jahre 2019 verkehrt. Und der Trend scheint so weiterzugehen. Die 7. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung des Freistaates Sachsen weist für den Landkreis Görlitz 2019 den Anteil der Sechs- bis 18-Jährigen an der Gesamtbevölkerung mit elf Prozent aus und prognostiziert, dass sich der Wert bis 2029 bei zwölf Prozent einpegeln wird.

Zuzüge stützen hohes Niveau bei Schulanfängern

All das bedeutet, dass sich für 2021 zwischen Geburten- und Einschulungszahl eine fast unglaubliche Differenz von 247 Kindern für den Landkreis ergibt. In absoluten Zahlen macht das eine Steigerung von 1.979 Geburten auf 2.226 Erstklässler aus. Das ist ein Plus von 12,5 Prozent. Für die kommenden beiden Jahre weist der Schulnetzplan bereits neun Prozent aus. Doch weitere Zuzüge dürften die Zahl noch steigen lassen.

Jedes Jahr liegt die Zahl der Schulanfänger - je nach Einrichtung - jetzt auf hohem Niveau. In Horka zum Beispiel, wo auch die Kinder aus Kodersdorf die Schulbank drücken, gibt es in diesem Jahr 42 Schulanfänger, was vergleichbar ist mit vergangenem Jahr. Für 2025/26 sind bis jetzt für 32 Neuaufnahmen Kinder geboren. "Allerdings wird es hier sicherlich noch einige Zuzugskinder geben", ist die Schulamtsleiterin des Kreises optimistisch. Ähnlich sieht das in Rothenburg aus. 37 Erstklässler sind hier für dieses Jahr avisiert, für 2025/26 sind es laut Geburtenstatistik schon jetzt 31. In den Grundschulen mit Nieskyer Trägerschaft bekommen in diesem Jahr 95 Kinder eine Zuckertüte überreicht, in vier Jahren sind es nach jetzigem Stand schon 70. Der Gesamtkreis liegt da bei 1.860 - Tendenz steigend.

Lehrkräfte werden bei Lücken abgeordnet

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Die Ausstattung der Grundschulen mit Lehrern hinkt der aktuell guten Schülerzahl hinterher. Vincent Richter, Pressereferent im Landesamt für Schule und Bildung, nennt die Situation besonders für den ländlichen Bereich des Kreises "angespannt". Kurzfristig müssten Lücken mit der Abordnung von Lehrkräften anderer Schulen gestopft werden. "Langfristig erhoffen wir uns zunehmende Effekte aus den politischen Entscheidungen der vergangenen Jahre." Dabei bezieht er sich auf die Stichworte Verbeamtung, erweiterte Lehrerausbildung und die Einrichtung einer Ausbildungsstätte in Löbau.

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