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Warum Zahlenkolonnen und alte Trecker so spannend sind

Tierwirtin Anja Mann schult ins Steuerfach um, bleibt ihrem Faible für Traktoren-Oldies aber treu. Dafür pendelt sie zwischen Cunewalde und Niesky.

Anja Mann ist gelernte Tierwirtin und jetzt Steuerfachangestellte mit Spezialrichtung Landwirtschaft. Von alten Traktoren kann sie jedoch nicht lassen. Vor allem die Oldies der Marke Belarus haben es ihr angetan.
Anja Mann ist gelernte Tierwirtin und jetzt Steuerfachangestellte mit Spezialrichtung Landwirtschaft. Von alten Traktoren kann sie jedoch nicht lassen. Vor allem die Oldies der Marke Belarus haben es ihr angetan. © Frank-Uwe Michel

Anja Mann bekommt das Lachen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Der stämmige Typ draußen auf dem Hof ist ihrer. Eisenblech, rot lackiert, vier riesige Räder, dazu ordentlich Kraft unter der Haube - der "Russe", wie sie ihn liebevoll nennt, hat es ihr schon seit Jahren angetan. Als sie das gute Stück vor einiger Zeit erwarb, war er schrottreif - aber nicht für Anja Mann. Sie zerlegte den "MTS 82", der schon 1976 vom Band des weißrussischen Herstellers "Belarus" gelaufen war. "Danach habe ich ihn wieder schick gemacht", freut sich die 32-Jährige noch immer über ihr Meisterstück, als wäre der alte Traktor erst gestern wieder auf die Straße gekommen.

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Das Faible für historische Landtechnik zieht sich durch das gesamte bisherige Leben der jungen Frau. Auch beruflich hat sie weiter damit zu tun, jedoch nicht mehr so unmittelbar wie noch vor ein paar Jahren. Denn Anja Mann hat von der Tierwirtin zur Steuerfachangestellten umgeschult. Beides findet sie "absolut spannend".

Als Schulkind mit dem Traktor abgeholt

Warum das so ist, liegt an ihrer Vergangenheit. "Meine Eltern kommen aus der Landwirtschaft, hatten bis 1995 eine Mutterkuhherde", erinnert sie sich. Natürlich fehlte auch die dazu erforderliche Technik nicht. "Wenn du mit dem Traktor von der Schule abgeholt wirst, da bleibt schon was hängen." Für sie war klar, dass sie etwas Bäuerliches lernen wollte. "Deshalb habe ich auch eine Lehre zur Tierwirtin mit der Spezialrichtung Rinderhaltung gemacht." Kurz nachdem sie in einem Milchviehbetrieb angefangen hatte, wollte sie Herdenmanagement studieren. Dafür holte sie das Abi nach und legte dann im ersten Semester richtig los. Allerdings wurde sie kurz darauf an Hüfte und Handgelenk operiert. Wegen Überlastung. Der Arzt riet ihr, den Job zu wechseln. Ständig in der Landwirtschaft - das sei zu anstrengend.

Den Kopf in den Sand stecken wollte Anja Mann jedoch nicht. Sie fing eine Lehre zur Bankkauffrau an. Allerdings: "Nach einem Monat wusste ich schon: Das ist nichts für mich." Trotzdem hielt sie bis zum Ende durch, um den Abschluss in der Tasche zu haben. "Gearbeitet habe ich dort aber nie." Stattdessen zog es sie zurück in die Landwirtschaft - nicht zur praktischen Arbeit in den Stall. In Bayern verkaufte sie im Außendienst Bodenbearbeitungsgeräte, Getreidesilos und -mischer. "Das war richtig gut. Vier Jahre lang war ich dabei. Dann passte es in der Firma irgendwann nicht mehr und ich ging in die Heimat zurück."

Landwirtschaftswissen hilft im neuen Job

Doch was tun auf dem elterlichen Hof in Cunewalde? "Ich war ein bisschen planlos. Fest stand nur: Hinter einen Bankschalter setze ich mich nicht." Im Arbeitsamt riet man ihr, es mit dem Thema Steuern zu versuchen. Das war der Schritt, der sie seither glücklich macht. "Ich begann eine Umschulung zur Steuerfachangestellten. Als Praxisbetrieb bot sich ecovis in Niesky an." Deren Leiterin Ines Wollweber war froh, jemand mit dem Faible Landwirtschaft gefunden zu haben, denn bäuerliche Betriebe gibt es einige unter den Mandanten der Kanzlei.

Mit Baujahr 1976 ist das rote "Ungetüm" noch immer voll einsatzbereit. Anja Mann hat ihn nach dem Kauf in alle Einzelteile zerlegt und wieder auf Vordermann gebracht.
Mit Baujahr 1976 ist das rote "Ungetüm" noch immer voll einsatzbereit. Anja Mann hat ihn nach dem Kauf in alle Einzelteile zerlegt und wieder auf Vordermann gebracht. © Frank-Uwe Michel

Die Umstellung fiel Anja Mann nicht schwer. "Wenn du ein bisschen Hintergrundwissen hast - weißt, was ein Doppelzentner ist, welchen Hektarertrag ein Weizenfeld durchschnittlich bringen soll oder wie viele Liter Milch von einer Kuh täglich zu erwarten ist, dann hilft dir das schon weiter", schmunzelt sie. Erst kürzlich hat die 32-Jährige ihre Spezialisierung zur Fachassistentin für Land- und Forstwirtschaft abgeschlossen. "Das macht richtig Spaß, wird nie stupide." Corona, Flut und andere Ereignisse zögen oft auch steuerliche Änderungen nach sich.

Vier Russen warten zu Hause auf Anja Mann

Das Pendeln zwischen Cunewalde und Niesky nimmt sie deshalb gern in Kauf. Denn auch zu Hause herrscht nie Langeweile. Nicht nur der eine alte "Russe" wartet dort auf sie. Inzwischen sind es schon vier - und ihre Zahl könnte noch steigen. Probleme mit der Technik kennt sie nicht. "Die ist einfach, robust und meist selbsterklärend." Ideen für die Zukunft hat Anja Mann noch viele. Am liebsten würde sie eine Halle bauen, um ihre PS-starken Schätzchen wetterfest unterzubringen.

Vor zwei Jahren hat sie sogar den Lkw-Führerschein gemacht. Auf dem Hof wartet schon ein alter Scania, Baujahr um 1990, auf eine Frischzellenkur. "Natürlich will ich den dann auch bewegen", blickt die junge Frau voraus. Sie hat die Qual der Wahl. Denn auch ein Bagger T174 steht noch nebenan. "Eine Schönheit ist er sicher nicht. Aber es zählen ja die inneren Werte. Und da funktioniert er."

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