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Wenn der Schulweg 100 Minuten lang ist

Entsetzen bei Eltern und Lehrern: Der neue Taktfahrplan bringt nicht nur längere Fahrzeiten im nördlichen Landkreis, auch der Unterricht soll später beginnen.

Für die Oberschüler, die in den Neißedörfern wohnen und in Rothenburg zur Oberschule fahren, wird es mit dem neuen Fahrplan komplizierter. Ein Umsteigen wird es auch geben.
Für die Oberschüler, die in den Neißedörfern wohnen und in Rothenburg zur Oberschule fahren, wird es mit dem neuen Fahrplan komplizierter. Ein Umsteigen wird es auch geben. © André Schulze

Als eine "Katastrophe" bezeichnet Gerold Schulz den neuen Taktfahrplan des Landkreises, der zum 1. Januar gültig sein wird. "Das stellt unseren Schulablauf völlig auf den Kopf", sagt der Leiter der Oberschule Rothenburg.

Umsteigen in Lodenau und warten

In Rothenburg steht die Oberschule außerhalb der Stadt. Sie ist also auch für die Stadtkinder nur mit dem Bus oder dem Fahrrad zu erreichen. Die Sorge von Gerold Schulz und seinem Lehrerkollegium ist nicht nur, dass der Fahrplanwechsel mitten im Schuljahr passiert, sondern den Zeitplan der Schule total verändert. Jetzt ist 8 Uhr Schulbeginn, der letzte Schulbus hält 7.50 Uhr in der Friedensstraße. Mit dem neuen Fahrplan kommt die Linie aus Görlitz erst 8.15 Uhr an der Schule an. "Das heißt für uns, später mit dem Unterricht zu beginnen", so der Schulleiter.

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Aber nach hinten, Richtung Unterrichtsschluss, hat der Schulleiter keinen zeitlichen Spielraum. "Unsere Essenszeit ist mit der der Polizeischüler abgestimmt. Wir können sie nicht einfach so verändern", sagt Schulz. Ein anderer ist, dass einige seiner Schüler fortan länger zur Schule brauchen und auch umsteigen müssen auf ihrem Schulweg. Wie die Schüler, die aus den nördlichen Neißedörfern nach Rothenburg fahren. Sie müssen in Lodenau umsteigen und haben dort eine Wartezeit von 40 Minuten, bevor der Anschlussbus weiterfährt. In dieser Zeit hätten sie die Schule auch zu Fuß erreicht.

Besorgter Vater schreibt offenen Brief

Ronald Schmidt ist von diesen Änderungen auch betroffen. Nicht als Lehrer, sondern als Familienvater. Er wohnt in Deschka, es geht hier also vor allem um die Buslinie Görlitz-Rothenburg und ihre Anschlüsse. Er nennt es eine "Verschlimmbesserung des ÖPNV" und hat die Auswirkungen in einem sechsseitigen offenen Brief niedergeschrieben. Adressiert an den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und den Bundestagskandidaten Florian Oest (beide CDU).

Seine Kritik: Zwischen Rothenburg und Görlitz fährt dann kein Bus mehr durchgehend. Zodel wird zum Umsteigebahnhof. Das verschlechtert nicht nur den Schülerverkehr der Grundschüler in Zodel, sondern auch der Oberschüler, die aus Richtung Görlitz nach Rothenburg und wieder zurückfahren. Laut Landratsamt sind 134 Schüler, davon rund 30 Grundschüler, auf diese Buslinie angewiesen.

Vor- und Nachteile für Kodersdorf

Görlitzer Schüler fahren aber auch nach Kodersdorf in die Oberschule. Für sie käme fast eine Stunde Fahrzeit zusammen - für eine Tour über Zodel. In der Kodersdorfer Oberschule ist man dabei, sich dem neuen Taktfahrplan anzupassen. "Das hat Auswirkungen auf den Unterrichtsbeginn und die Mittagsversorgung", sagt Schulleiterin Kathrin Capitain. Die Schule hat Vor- und Nachteile durch den neuen Fahrplan. Besser wird durch ihn die Heimfahrt, so fahren Schulbusse auch nach der fünften Unterrichtsstunde. Bisher musste bis zur sechsten Stunde gewartet werden. Schlechter dagegen wird es für die Kinder aus dem Schöpstal. Für sie verlängert sich die Fahrzeit, sie müssen auf dem kurzen Weg nach Kodersdorf auch noch umsteigen.

Das hat die Schule in ihrer Stellungnahme zum neuen Fahrplan deutlich gemacht. "Der Landkreis schrieb uns, dass das alles noch im zumutbaren und gesetzlichen Rahmen ist", erklärt die Schulleiterin.

Mücka sucht das Gespräch

Dass sich das alles im Einklang regeln lässt, davon ist Volker Fritsche nicht überzeugt. Seine Tochter besucht die 10. Klasse der Oberschule Mücka und er ist der Elternsprecher der Schule. Fritsches wohnen in Groß Radisch und da ist man auf den Schulbus angewiesen. Auch Mücka müsste die Unterrichtszeiten dem neuen Fahrplan anpassen. Dort beginnt der Unterricht 7.40 Uhr. Die Schulbusse erreichen ab neuem Jahr Mücka bereits 7.15 oder erst 8.15 Uhr.

Nach Mücka kommen rund 300 Fahrschüler aus 36 umliegenden Orten. Von den Fahrplanänderungen betroffen sind im Landkreis rund 5.200 Schüler, die an 60 Schulen unterrichtet werden. Klar, dass es der Landkreis nicht jedem recht machen kann. Aber wenn eine Verschlechterung gegenüber dem gegenwärtigen eintritt, dann lassen Proteste nicht lange auf sich warten. Auch in Mücka: Hierher kommen auch Kinder aus Waldhufen. Sie werden gut 100 Minuten brauchen, ehe sie ihre Schule mit dem Bus erreicht haben, sind Volker Fritsches Befürchtungen.

Das kann die Lösung nicht sein, sagen sich Eltern und das Lehrerkollegium in Mücka. Sie wollen kommende Woche mit dem Bundestagskandidaten Florian Oest (CDU) über die damit verbundenen Schwierigkeiten und Probleme sprechen. Bereits vor den Sommerferien hat sich der Elternrat mit einem Brief an das Landratsamt gewandt. "Auf eine Antwort warten wir noch immer", so der Elternsprecher.

Keine Buswendeschleife in Zodel

In Neißeaue ist der Schulbusstreit noch nicht beigelegt. Die Gemeinde bietet an, in Zodel eine Wendeschleife für den Bus zu bauen, damit die Grundschüler an der Schule und nicht eine Haltestelle vorher aussteigen können. Das Straßenverkehrsamt des Kreises lehnt ab: Die angebotenen Standorte wurden seitens der Landkreisverwaltung geprüft und können aufgrund des geplanten Fahrzeitprofils (Buslinien 61 und 69) und der Umsteigebeziehungen nicht umgesetzt werden, teilt die Behörde auf Nachfrage mit.

Die Bedenken, dass ein ordnungsgemäßer Umstieg der Erstklässler nicht möglich sei, können aus Sicht der Landkreisverwaltung durch organisatorische Maßnahmen der Verkehrsunternehmen beseitigt werden. Die Busfahrer können entsprechende Lautsprecherdurchsagen den neuen Schülern geben.

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