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Tierschützer zeigen Nieskyer Verein an

Für die Jagdhunde-Ausbildung werden auch lebende Füchse eingesetzt. Dabei soll es laut Peta zu Verstößen gegen das Tierschutzgesetz gekommen sein.

Die Tierrechtsorganisation Peta lehnt Schliefenanlagen wie die in Niesky ab. Gegen die Betreiber des Objektes wurde Anzeige erstattet.
Die Tierrechtsorganisation Peta lehnt Schliefenanlagen wie die in Niesky ab. Gegen die Betreiber des Objektes wurde Anzeige erstattet. © André Schulze

Direkt gerechnet hat Frieder Wedel mit der Anzeige der Tierrechtsorganisation Peta nicht. Seine Überraschung hält sich jedoch in Grenzen. Schließlich gehen die Tierschützer auch gegen 19 weitere der rund 100 sogenannten Schliefenanlagen in Deutschland juristisch vor. Ihr Vorwurf: Verstöße gegen das Tierschutzgesetz im Zusammenhang mit den hier eingesetzten Füchse. Allerdings sieht der Vorsitzende des Vereins Schliefenanlage in Niesky dem eher gelassen entgegen.

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Das Nieskyer Objekt, dessen Eigentümer der Jagdverband Niederschlesische Oberlausitz ist, gibt es bereits seit 52 Jahren. "Und es wird regelmäßig genutzt", erzählt der Vereinschef, der sich durch Peta kein schlechtes Gewissen einreden lassen will. Schliefenanlagen bestehen aus einem System von Röhren, Gängen, Kesseln und Schiebern. Sie werden so eingesetzt, dass Jagdhunde in den damit simulierten Bauen Füchse aufstöbern, ihnen nachstellen, sie aber nicht erreichen können. "Die Tiere sehen sich zwar. Es bleibt aber immer ein Abstand von rund zehn Zentimetern", so Wedel.

Werden Füchse in Niesky in Todesangst versetzt?

In dem Vorwurf der Tierrechtsorganisation klingt das ganz anders. In Niesky wie in den anderen deutschen Schliefenanlagen würden Füchse "immer wieder aufs Neue in unterirdische Tunnel getrieben". Dort würden sie von Hunden, die für diese Baujagd scharfgemacht werden sollen, in "Todesangst" versetzt. Laut Tierschutzgesetz stehe unter Strafe, "einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende Leiden" zuzufügen. Gefordert wird deshalb eine Schließung der Anlage und dass die eingesperrten Füchse beschlagnahmt werden.

Das Training von Jagdhunden in sogenannten Schliefenanlagen mit lebenden Füchsen ist umstritten.
Das Training von Jagdhunden in sogenannten Schliefenanlagen mit lebenden Füchsen ist umstritten. © dpa

Ob das dem "alten Fritz" und dem "flinken Willi" gefallen würde? Frieder Wedel glaubt es nicht. Erst in den Jahren 2019/20 wurden die Zwinger für die Füchse mit den beiden Spitznamen für rund 20.000 Euro erweitert. Das war eine der Auflagen der Unteren Naturschutzbehörde, die das Objekt im Blick und die baulichen Maßnahmen sowie den Betrieb genehmigt hat. "Außerdem kommen in menschlicher Obhut gehaltene Füchse langfristig auch nur da zurecht. Weil sie regelmäßig Futter bekommen und sie beschäftigt werden", erklärt der Vereinschef das Prinzip. Der am längsten in Niesky gehaltene Fuchs wurde 17 Jahre alt, Fritz und Willi sind mit acht beziehungsweise einem Jahr weit weniger betagt. In freier Wildbahn werden die Rotpelze zwei bis fünf Jahre alt.

Rund um Niesky finden kaum Baujagden statt

Dem entgegnet Nadja Michler, bei Peta Fachreferentin für Wildtiere, ganz klar: "Füchse haben wie Menschen und alle anderen Tiere ein Leben in Freiheit verdient, statt eingesperrt und zur Jagdhundeausbildung missbraucht zu werden." Es sei bezeichnend für Jäger und ihr blutrünstiges Hobby, "dass sie ohne Mitgefühl dutzende Füchse dauernder Todesangst aussetzen." Mit der Anzeige wolle man die "Grausamkeiten, die sonst im Verborgenen stattfinden, ans Licht der Öffentlichkeit bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen." Gleichzeitig prangert sie die auf den Schliefenanlagen trainierte Baujagd sowie generell das Bejagen von Füchsen an. Allein im vergangenen Jagdjahr hätten Grünröcke in Sachsen mehr als 14.000 der kleinen Raubtiere erlegt, bundesweit seien es fast eine halbe Million gewesen.

Im Gebiet des Jagdverbandes Niederschlesische Oberlausitz spielt die Jagd in den Bauen von Meister Reinecke nur eine untergeordnete Rolle. "Das liegt vor allem an den nördlich von Niesky doch sehr sandigen Böden", erklärt Verbandschef Hans-Dietmar Dohrmann. "Die Gefahr, dass sie beim Jagen einstürzen, Fuchs und Hund unter sich begraben, ist zu groß." Gezielte Baujagden würden deshalb nicht durchgeführt.

Jäger wollen tierisches Gleichgewicht bewahren

Dass die Fuchspopulation bejagt wird, ist für den Rothenburger allerdings ein Muss. Niederwild wie Hasen und Hamster, aber auch bodenbrütende Vögel wie Rebhühner, Fasane und Enten hätten sonst keine Chance. Selbst Rehkitze würden den Füchsen zum Opfer fallen. "Wir Jäger haben die Aufgabe, das Gleichgewicht zu bewahren." Zumal die Anzahl an Füchsen und Dachsen - die ebenfalls mit der Baujagd dezimiert werden - in den letzten Jahren gestiegen sei.

Auch Dohrmann sieht durch die Peta-Anzeige speziell für die Nieskyer Schliefenanlage kaum Gefahr. "Wir haben zwar Kenntnis davon erhalten. Ich denke aber, dass die rechtliche Positionierung der Deutsche oder Sächsische Jagdverband übernimmt." Wenn man das Training von Dackel, Terrier & Co in solchen Objekten unterbinden wolle, "dann muss deren Betrieb generell verboten werden." Nach der aktuellen Gesetzgebung sei das aber nicht der Fall.

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