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Waggonbau mit voller Fahrt durch die Krise

Auch die Stahl Technologie hat sich trotz Corona gut behauptet. Trotzdem machen den beiden Nieskyer Industriebetrieben Probleme zu schaffen.

Martin Weisenpacher lenkt seit Oktober 2020 die Geschicke des Nieskyer Waggonbaus. Bis jetzt hat der Slowake das Unternehmen gut durch die Corona-Krise geführt.
Martin Weisenpacher lenkt seit Oktober 2020 die Geschicke des Nieskyer Waggonbaus. Bis jetzt hat der Slowake das Unternehmen gut durch die Corona-Krise geführt. © André Schulze

Gleiche Nummer, ähnliche Stimme, gut verständlich - seit Oktober vergangenen Jahres heißt der Geschäftsführer der Waggonbau Niesky GmbH (WBN) nicht mehr Matus Babik, sondern Martin Weisenpacher. Sein Deutsch mit dem leicht näselnden slowakischen Einschlag klingt genauso nett und verbindlich wie das seines Vorgängers.

Zum 1. Januar 2019 hatte der slowakische Schienenfahrzeugkonzern Tatravagonka den Nieskyer Waggonbau aus der Insolvenz herausgekauft, Babik dann knapp zwei Jahre die notwendige Neuorientierung vorangetrieben. Nun hat Martin Weisenpacher hier das Sagen und auch den Chefposten in den ebenfalls zum Konzernverbund gehörenden Eisenbahnlaufwerken Halle mit übernommen. Sein Kollege hatte während seiner Nieskyer Zeit coronabedingt durch die Entfernung und das ständige Pendeln manche Schwierigkeit überwinden müssen und wurde auch des Öfteren ausgebremst. Der 45-Jährige hat sich deshalb für Deutschland als "Heimat auf Zeit" entschieden. Denn so lassen sich Probleme am direktesten lösen.

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Die Produktion im Waggonbau läuft auf vollen Touren. "Es funktioniert gut", sagt Weisenpacher. "Wir arbeiten alle Aufträge ab." Für das laufende Jahr gibt es keine Lücke mehr. "Auch 2022 sind unsere Bücher schon fast voll. Wir haben Rahmenverträge abgeschlossen, nur die jeweiligen Liefermengen müssen noch festgelegt werden", freut sich der Manager über das große Interesse der Kunden an den Güterwaggons "made in Niesky". Aufträge würden in ganz Europa akquiriert. Das Ansehen des Betriebes sei gut, das wirke sich auf die Vertragsabschlüsse aus. Selbst für 2023 fülle sich das Auftragsbuch bereits.

Waggonbau hat nur einzelne Corona-Fälle

Völlig unbelastet kommt aber auch der Waggonbau nicht durch die Corona-Krise. In den zurückliegenden Monaten habe es immer wieder Schwierigkeiten mit ausländischen Lieferanten gegeben, erklärt Martin Weisenpacher. Inzwischen gehe man den coronabedingten Verzögerungen auf den Transportwegen durch Kooperationen mit anderen Partnern aus dem Weg. "Wir beziehen unsere Komponenten jetzt zum größten Teil von Betrieben aus dem Tatravagonka-Firmenverbund."

Mit Ausfällen in der 352 Mitarbeiter und neun Azubis zählenden Belegschaft durch Corona-Infektionen hat der Waggonbau Niesky kaum zu kämpfen. "Unsere Krankenquote liegt etwa in der Höhe vergangener Jahre. Bisher waren nur Einzelfälle vom Virus betroffen", erklärt der Geschäftsführer. Die rund 35 polnischen Arbeitskräfte müssen sich künftig zweimal wöchentlich testen lassen, die Rückkehr der acht tschechischen Kollegen wurde beantragt und steht kurz bevor.

Zu den staatlichen Vorschriften hat er eine geteilte Meinung. "Natürlich bewegen wir uns im Rahmen der Gesetze." In der Produktion brauche man wegen der großen Abstände keine Mund-Nasen-Bedeckungen. In den Büros oder auch im Speiseraum herrsche natürlich Maskenpflicht. Allerdings würden die geforderten Schutzmaßnahmen auch Geld kosten. Wie die freiwilligen Selbsttests, die jetzt vorgeschrieben sind.

Trotzdem schaut Weisenpacher der Zukunft optimistisch entgegen. Die Corona-Krise werde abebben. Und als Waggonbau sei man mit Aufträgen in den nächsten Jahren sehr gut ausgestattet.

Stahlbau-Nachfolger mit 35 Mitarbeitern

Am Stahlbau-Standort in der Muskauer Straße wird auch während der Corona-Krise fleißig gearbeitet. Das Auftragsbuch der Stahl Technologie Niesky GmbH ist bis Februar 2022 voll.
Am Stahlbau-Standort in der Muskauer Straße wird auch während der Corona-Krise fleißig gearbeitet. Das Auftragsbuch der Stahl Technologie Niesky GmbH ist bis Februar 2022 voll. ©  Archiv/André Schulze

Rund ein Jahr ist es her, dass die Stahl Technologie Niesky GmbH (STN) gegründet wurde und auf dem Gelände des früheren Stahl- und Brückenbaus das Erbe des traditionsreichen Betriebes angetreten hat. Auch wenn die STN nicht der direkte Nachfolger ist, hat sie doch viele ehemalige Stahlbauer übernommen. Aktuell sind hier 35 Mitarbeiter beschäftigt. "Schnell weiter wachsen werden wir wahrscheinlich nicht", erklärt Geschäftsführer Phillip Hänel. Dafür verhielten sich die Kunden in der Corona-Krise zu zögerlich. Die vorhandene Belegschaft sei jedoch voll ausgelastet. "Bis Februar 2022 haben wir die notwendigen Aufträge drin." Zwar habe man versucht, weitere Arbeiten an Land zu ziehen, doch einige Interessenten hätten ihre Projekte wegen der unsicheren Wirtschatslage erst einmal zurückgestellt.

So kommen die meisten Aufträge nach wie vor aus dem DSD-Firmenverbund des früheren Stahlbau-Eigners Claude Pirson, dem noch immer das Gelände an der Muskauer Straße gehört. Die Nieskyer sind nun vor allem im Sonderstahlbau und im technologischen Stahlbau unterwegs. Allerdings scheint der Weg zurück zum Brückenbau durchaus möglich. "Wir sind jetzt an der ersten Brücke in unserer noch jungen Firmengeschichte dran", sagt Hänel. Eine Autobahnbrücke bei Leipzig, wo derzeit die A 72 komplettiert wird. 750 Tonnen, eine mittlere Größe - und doch gibt sie den Nieskyern eine gehörige Portion Zuversicht.

Auch Brücken kommen bald wieder aus Niesky

Die Stabbogenbrücke wird zusammen mit einem Partnerbetrieb aus dem Leipziger Raum gebaut. Schlechte Erinnerungen aus der Zeit des Niedergangs des einstigen Stahl- und Brückenbaus will Philip Hänel dabei nicht aufkommen lassen. "Ich denke, wir haben einen vernüftigen Vertrag geschlossen, der uns auch die Bezahlung unserer Leistungen garantiert." Millionenschwere Verluste aus Beteiligungen an Arbeitsgemeinschaften (ARGE) hatten letztlich zum Aus des Vorgängerbetriebes geführt. Noch immer versucht Insolvenzverwalter Ralf Hage, einiges davon wieder reinzuholen.

Außer mit der Zurückhaltung mancher Interessenten hat die STN zunehmend auch mit der Zulieferung von Rohstoffen zu kämpfen. "Die deutschen Stahlproduzenten kommen mit ihren Walzwerken nicht hinterher", erklärt der Geschäftsführer und führt das auf die allgemein hohe Nachfrage der Wirtschaft nach überwundener Corona-Flaute zurück. Sein Personal ist dagegen kaum verstärkt ausgefallen. "Wir hatten lediglich zwei oder drei Fälle." Probleme in den Arbeitsabläufen gebe es nicht. "Unsere Schweißer arbeiten sowieso mit großen Masken. Außerdem minimieren wir unsere Kontakte, es wird regelmäßig gelüftet und desinfiziert."

So blickt Phillip Hänel optimistisch den nächsten Monaten entgegen. "Es gibt Anfragen ohne Ende, wir selbst beteiligen uns an öffentlichen Ausschreibungen. In der Branche weiß man, dass wir wieder ein ernstzunehmender Partner sind."

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