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Ort der Dichter und Denker

Der „englische Garten“ – ein kurzer geschichtlicher Abriss.

Schloss Siebeneichen - unterhalb davon befindet sich der Park. © Claudia Hübschmann

Von Götz Bergmann

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Meißen. Ernst von Miltitz (1495 – 1555), kurfürstlicher Hofmarschall und Amtshauptmann von Meißen, erwirbt Siebeneichen und lässt von 1553 bis 1555 das Renaissanceschloss erbauen. 1745 wird ein Teil des Schlosses Raub der Flammen, weshalb Heinrich Gottlob von Miltitz, die Familie lebt inzwischen vor allem in Oberau, 1748 die Anlage teilweise im schlichten Barock umbauen und erweitern lässt.

Dessen Sohn, Ernst Haubold von Miltitz, verkehrt mit Johann Gottfried Herder und wird zum Entdecker und Förderer des Philosophen Johann Gottlieb Fichte. Dieser wird etwa ein Jahr im Miltitzschen Hause unterrichtet, bevor er von Miltitz ein Stipendium für die Landesschule Pforta erhält. Ernst Haubold von Miltitz stirbt 1774, als sein Sohn Dietrich (*1769) erst fünf Jahre alt ist. Daher übernimmt Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg, Vater von Novalis, die Vormundschaft für ihn. Novalis wird später zum Freund Dietrichs und häufig in Siebeneichen zu Gast sein.

Dietrich studiert zunächst Jura in Wittenberg und Leipzig. 1790 tritt er in die sächsische Armee ein, aus der er sich 1792 aber wieder beurlauben lässt. Er unternimmt Bildungsreisen in die Schweiz und nach Frankreich und begeistert sich für die Ideale der französischen Revolution. 1795 folgt eine Reise nach England, wo er seine spätere Frau kennenlernt, Sara Anna Constable (1774 – 1819).

Um 1805 beginnt Sara die alte Parkanlage nach englischem Vorbild neu zu gestalten. Sie lässt u. a. 55 einheimische und 102 exotische Pflanzen setzen. Auch die noch vorhandene Platane und das Forsthaus gehen auf diese Zeit zurück. Bis 1830 entsteht auf mehr als 32 Hektar einer der ersten englischen Landschaftsparks in Sachsen. Er ist von Anfang an für jedermann geöffnet und wird für mehr als Hundert Jahre zum beliebten Ausflugsziel der umliegenden Bevölkerung, besonders aber der Meißner.

Das Ehepaar umgibt sich bald mit den fortschrittlichsten Denkern und Künstlern ihrer Zeit und bietet ihnen in Siebeneichen und Scharfenberg einen geschützten Ort für ihre Ideen. Miltitz setzt als erster in Sachsen die sog. Stein-Hardenbergschen Reformen um. Siebeneichen wurde so zum Mittelpunkt der Romantik in Sachsen. Herausragende Persönlichkeiten wie E. T. A. Hoffmann, Theodor Körner, Heinrich von Kleist, Johann Gottlieb Fichte oder Friedrich de la Motte Fouqué treffen sich regelmäßig und bilden den „Scharfenberger Kreis“. Viele Maler dieser Epoche, so Caspar David Friedrich, Ludwig Richter, Ernst Ferdinand Oehme und Johan Christian Clausen Dahl sind gerngesehene Gäste, für sie werden die beiden Schlösser und der malerische Park zum beliebten Motiv.

Götz Bergmann ist von Beruf Musiker, lebt in Meißen und setzt sich für den Erhalt des Parks Siebeneichen ein.

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