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Pegida-Möhrchen für „Angsthasen“

Beim 20. Pegida-Aufmarsch bestätigt Bachmann, dass er einen OB-Kandidaten habe, nannte aber keinen Namen. Ist es eine Ex-AfD-Frau?

© kairospress

Von Thomas Schade

Am Montag feierte Pegida nicht nur so etwas wie ein Jubiläum – seit mehr als 20 Wochen sind Anhänger der islamkritischen Bewegung nun auf der Straße, um das christlich-jüdische Abendland zu retten, wie es in diversen Äußerungen hieß. Am Montag war auch Möhrchentag.

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Der Demo-Montag in Dresden

Am Montag veranstaltete die Pegida-Bewegung ihren mittlerweile 20. sogenannten Abendspaziergang in Dresden.
Am Montag veranstaltete die Pegida-Bewegung ihren mittlerweile 20. sogenannten Abendspaziergang in Dresden.
Auch Pegida-Gegner machten mobil: das Bündnis „Dresden für alle“ hatte zu einer „Prozession der Angsthasen“ aufgerufen.
Auch Pegida-Gegner machten mobil: das Bündnis „Dresden für alle“ hatte zu einer „Prozession der Angsthasen“ aufgerufen.
Zunächst sprach Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann auf dem Altmarkt, auch zwei weitere Redner kamen zu Wort.
Zunächst sprach Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann auf dem Altmarkt, auch zwei weitere Redner kamen zu Wort.
Diese Pegida-Anhängerin kam - wie so viele andere auch - mit einem selbstgebastelten Schild zweifelhaften Inhaltes nach Dresden.
Diese Pegida-Anhängerin kam - wie so viele andere auch - mit einem selbstgebastelten Schild zweifelhaften Inhaltes nach Dresden.
Schilder und Transparente gab es auch bei der Protestveranstaltung, deren Teilnehmer sich am Postplatz sammelten.
Schilder und Transparente gab es auch bei der Protestveranstaltung, deren Teilnehmer sich am Postplatz sammelten.
Nach Polizeiangaben setzten sich rund 5.500 Pegida-"Spaziergänger" und damit weniger als vor einer Woche vom Altmarkt aus in Bewegung.
Nach Polizeiangaben setzten sich rund 5.500 Pegida-"Spaziergänger" und damit weniger als vor einer Woche vom Altmarkt aus in Bewegung.
Am Postplatz trafen die "Spaziergänger" auf Gegendemonstranten.
Am Postplatz trafen die "Spaziergänger" auf Gegendemonstranten.
Aufgeheizte Stimmung am Postplatz: Die Polizei trennte beide Lager.
Aufgeheizte Stimmung am Postplatz: Die Polizei trennte beide Lager.
Kaum waren die Pegida-Demonstranten weg, setzte sich die  „Prozession der Angsthasen“ in Bewegung.
Kaum waren die Pegida-Demonstranten weg, setzte sich die „Prozession der Angsthasen“ in Bewegung.
Vom Postplatz aus ging es über den Theaterplatz zum Neumarkt.
Vom Postplatz aus ging es über den Theaterplatz zum Neumarkt.
Vor der Frauenkirche auf dem Neumarkt wartete bereits ein besonders prächtiger Hase. 900 Menschen kamen hier zur Abschlusskundgebung der Pegida-Gegner.
Vor der Frauenkirche auf dem Neumarkt wartete bereits ein besonders prächtiger Hase. 900 Menschen kamen hier zur Abschlusskundgebung der Pegida-Gegner.
Die eigentliche Pegida-Botschaft dieses Montags machte zuerst in Chemnitz die Runde. Hier wurde Tatjana Festerling (hier auf einem Foto vom 9. Februar 2015) als OB-Kandidatin für Dresden vorgestellt. Pegida-Gründer Bachmann bestätigte das aber nicht. Auf eine SZ-Nachfrage anwortete er nur mit dem Satz: „Keine Ahnung, was in Chemnitz abgeht.“
Die eigentliche Pegida-Botschaft dieses Montags machte zuerst in Chemnitz die Runde. Hier wurde Tatjana Festerling (hier auf einem Foto vom 9. Februar 2015) als OB-Kandidatin für Dresden vorgestellt. Pegida-Gründer Bachmann bestätigte das aber nicht. Auf eine SZ-Nachfrage anwortete er nur mit dem Satz: „Keine Ahnung, was in Chemnitz abgeht.“

Doch den Gag ihres Frontmannes Lutz Bachmann hatten die wenigsten Sympathisanten verstanden. Nach Polizeiangaben setzten sich rund 5 500 Spaziergänger und damit weniger als vor einer Woche vom Dresdner Altmarkt aus in Bewegung. Nur ein paar Hände voll Karotten blieben zurück – viel zu wenige für die „Angsthasen“, die sich derweil auf dem Postplatz versammelten. Pegida-Gegner vom Bündnis „Dresden für alle“ hatten nämlich zu einer „Prozession der Angsthasen“ aufgerufen. Man wolle damit auf die Ängste der Menschen hinweisen, die selten im Blickfeld der Öffentlichkeit stehen: Migranten, Muslime, Geflüchtete, hieß es im Bündnis.

Stunden vor dem allmontäglichen Abendspaziergang hatten Bachmann und Siegfried Däbritz deshalb ihren Anhang via Facebook animiert, Möhren mitzubringen. Bachmann hatte dazu aufgefordert, mit den Möhren „den hässlichen Antifa-Häschen das Mäulchen“ zu stopfen. Die müssten schließlich gefüttert werden, „für sich selbst können sie ja nicht sorgen“.

Die eigentliche Pegida-Botschaft dieses Montags machte zuerst in Chemnitz die Runde. Während sich in Dresden mit Enrico und Alex zwei weniger begnadete Redner versuchten, wurde in Chemnitz die frühere Hamburger AfD-Politikerin Tatjana Festerling von den Organisatoren als OB-Kandidatin für Dresden vorgestellt. Das meldete die Freie Presse, als man in der Landeshauptstadt gemächlich über den Pirnaischen Platz spazierte. Festerling war zuvor auch schon in Dresden mehrmals als Rednerin aufgetreten und im Januar in den Pegida-Verein aufgenommen worden. Eine offizielle Bestätigung für die Nominierung war am Abend nicht zu bekommen. Pegida-Gründer Bachmann antwortete auf eine entsprechende SZ-Nachfrage nur mit dem Satz: „Keine Ahnung, was in Chemnitz abgeht.“ Nach dem Spaziergang erklärte er vor den Demonstranten lediglich: „Unser Kandidat für die OB-Wahl steht fest“, nannte aber keinen Namen. Bachmann bestätigte nochmals, dass der Chef der niederländischen PVV, Geert Wilders, am 13. April nach Dresden kommen und auf der Pegida-Kundgebung eine Rede halten wird.

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Vor dem Spaziergang hatte sich Pegida vor allem selbst gefeiert und sich mit Politikerschelte vor allem an der SPD abreagiert. Auf die rhetorische Frage, warum Tausende nun schon das 20. Mal auf die Straße gehen, sagte Bachmann, dass Pegida in den etablierten Parteien für erheblichen Wirbel gesorgt habe. Der 42-Jährige griff insbesondere SPD-Chef Gabriel an, der gegen den Willen seiner Parteibasis für das Freihandelsabkommen TTIP werbe.

Besonders hart fühlt sich der Pegida-Gründer offenbar vom Vorstoß des sächsischen SPD-Wirtschaftsministers Martin Dulig getroffen, der die Unternehmen des Freistaates aufgerufen hatte, sich gegen Pegida zu engagieren.