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Kamenz

Pflegeschule in Not

Das Landesamt für Schule und Bildung sieht Mängel in der Ausbildung und will die private Bildungseinrichtung schließen. Diese wehrt sich.

Madlen Bär hat die Leitung der privaten HEC Akademie in Kamenz im Herbst 2017 übernommen. Seitdem kämpft sie um die Zukunft der Schule.
Madlen Bär hat die Leitung der privaten HEC Akademie in Kamenz im Herbst 2017 übernommen. Seitdem kämpft sie um die Zukunft der Schule. © Matthias Schumann

Kamenz. Die Schüler der HEC Bildungsakademie in Kamenz dürfen derzeit nur einzeln ins Gebäude am Kamenzer Bönischplatz eintreten – durch den Hintereingang und nur für Prüfungsvorbereitungen. Streifen auf dem Pflaster erinnern an den nötigen Abstand in Corona-Zeiten.  Die Geschäftsführerin der privaten Berufsschule, Madlen Bär, quälen derzeit aber noch ganz andere Probleme als die Corona-Folgen.

Es geht um die Existenz der Akademie. Die steht auf der Kippe. Ursache sind Differenzen zwischen der Schule und dem Landesamt für Schule und Bildung (Lasub). Zwei Ordner mit Schriftverkehr stehen inzwischen im Regal.

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Zweiter Anlauf für ein Aus

Bereits 2018 sollten die Berufsfachschule für Pflegehilfe sowie Altenpflege und die Fachschule für Heilerziehungspflege am Standort Kamenz schließen. „Das Landesamt wollte die Schulgenehmigungen widerrufen“, erklärt Madlen Bär. Das scheiterte. Die Akademie suchte sich Rechtsbeistand und zog vors Verwaltungsgericht Dresden. Rechtsanwalt Martin Sträßer vertrat die Schule und erklärt: „In einem Fall wurde der Widerrufsbescheid durch das Verwaltungsgericht aufgehoben.“ In zwei weiteren Fällen habe das Lasub die Schließbescheide selbst zurückgezogen.

So war das Aus in allen drei Fällen Ende des Vorjahres erstmal vom Tisch. Doch es blieb nicht lange ruhig. Ein Fall liegt derzeit beim Oberverwaltungsgericht. Für zwei Schulen habe das Lasub im Januar jetzt im zweiten Anlauf erneut die Schließung angeordnet, so Madlen Bär: „Man will uns  aus dem Markt drängen.“  

Richtig sei, dass es vor drei Jahren Mängel gegeben habe. Das war noch im Schuljahr 2017/18, als Madlen Bär die Schulleitung übernahm. Seitdem „haben wir die Schule total umgekrempelt, um allen Anforderungen gerecht zu werden“, versichert Bär.  Anwalt Martin Sträßer schätzt ebenfalls ein, der Umbau sei gelungen.

Dennoch bemängele das Lasub weiterhin die Einhaltung von Lerninhalten und die Qualifikation von Mitarbeitern. Madlen Bär ist sich sicher: Alle Lerninhalte würden erfüllt. Beim Thema Personal kritisiert sie, es werde gegenüber staatlichen Berufsschulen mit zweierlei Maß gemessen. „Lehrer, die dort unterrichten dürfen, sind hier nicht gut genug?“, ärgert sich die Chefin.

Landesamt weist Vorwürfe zurück

Das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) weist die Vorwürfe zurück. Die HEC Akademie sei ein Einzelfall. Es gebe kein  Interesse, Ersatzschulen zu schließen, erklärt Sprecher Jens Drummer. Im Gegenteil, man brauche die privaten Schulen. Die Behörde habe aber die Verantwortung, dass die Ausbildung den Standards genügt und diese nicht unterschreitet.

Diese Standards setzten voraus, dass die Lehrstoffe von entsprechend qualifiziertem Personal vermittelt werden. Es habe Beanstandungen gegeben, die trotz zahlreicher Hinweise von der Trägergesellschaft nicht beseitigt worden seien. Drei Jahre habe man sich die Situation angesehen. „So blieb keine andere Wahl, als zum äußerten Mittel, der Einstellung des Schulbetriebs, zu greifen.“ Das Amt sei es auch den Schülern gegenüber schuldig, dass sie auf ihren späteren Beruf gut vorbereitet sind, so Drummer.

70 Schüler und zehn Lehrkräfte bangen nun um ihre Zukunft.  Die Konsequenzen sind weitreichend. Eine Hilferuf kam jetzt von den Schülern. Für sie geht es auch finanziell ums Überleben. Weil die Förderfähigkeit der Schule nicht mehr gegeben sei, fließe kein Bafög, erklärt Schülerin Lisa Werner: „Wir Schüler wissen nicht mehr, wovon wir leben sollen.“ Der Streit werde auf dem Rücken der Schüler ausgetragen. Ihnen bietet das Lasub laut seinen Aussagen jede Unterstützung an, ihre Ausbildung an anderen Schulen fortzuführen. Rechtsanwalt Sträßer denkt, dass das nicht nötig sein werde.

Entscheidungen im Mai erwartet

Derzeit ist das Verfahren in der Schwebe. Das Verwaltungsgericht Dresden gab einem Eilantrag des Rechtsanwaltes statt. So kann der Schulbetrieb bis zu einer Entscheidung unverändert fortgeführt werden. Anwalt Sträßer ist auch zuversichtlich, eine Schließung erneut abwenden zu können. 2017 wäre die vielleicht gerechtfertigt gewesen, schätzt er ein. Heute aus seiner Sicht nicht mehr. Er habe jedoch aus unterschiedlichen Konfliktfällen den Eindruck gewonnen, dass einmal gefasste Entschlüsse des Lasub durch Argumente nur sehr schwer zu ändern seien.

Das Landesamt berufe sich auf ältere Feststellungen. Eine Untersuchung der aktuellen Verhältnisse habe nicht stattgefunden. Das Landesamt sehe dennoch weiterhin Mängel, kritisiert Sträßer, und habe nach seinen Worten keine Beweise vorgelegt. Das Lasub selbst versichert das Gegenteil und verweist auf das laufende Verfahren. Deshalb sei man mit näheren Angaben zurückhaltend.

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Das Lasub ist sich sicher: „Wir mussten die Notbremse ziehen“, so Drummer. Martin Sträßer sieht hingegen gute Chancen für die HEC-Akademie. Er nennt ein Indiz: Die Absolventen hätten bei den Abschlussprüfungen mit externen Lehrkräften stets bestanden. Das sei doch eher kein Schließ-Argument. Noch im Mai sollen vor dem Verwaltungsgericht Dresden Entscheidungen fallen.

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