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Pirna: Schwierige Suche nach dem Brandstifter

Ende 2019 brannte der Wreesmann-Markt. Zwei Männer wurden dafür angeklagt. Das Gericht fällt ein überraschendes Urteil.

Großbrand im Wreesmann-Sonderpostenmarkt am zweiten Weihnachtstag 2019. Die Handydaten eines Angeklagten liefern nur ein Indiz.
Großbrand im Wreesmann-Sonderpostenmarkt am zweiten Weihnachtstag 2019. Die Handydaten eines Angeklagten liefern nur ein Indiz. © Marko Förster

Mit neuen Zeugen und neuen Erkenntnissen ging am Mittwoch der Prozess um den Brand und die Einbrüche in den Wreesmann-Sonderpostenmarkt auf dem Sonnenstein in die zweite Runde. Am 26. Dezember 2019 zerstörte ein Feuer das Kaufhaus, in das im Nachhinein mehrfach eingebrochen wurde. Am ersten Verhandlungstag entstand der Eindruck, dass der Brand gelegt worden war, um den ersten Einbruch zu verschleiern. Zum Schluss ist sich das Gericht dessen jedoch nicht mehr sicher.

Fingerabdrücke an der Hintertür

Die Beweislast gegen den Angeklagten Ricardo P. war zunächst erdrückend. Ihm wurde vorgeworfen, den Brand in der Filiale auf dem Sonnenstein absichtlich gelegt, oder zumindest billigend in Kauf genommen zu haben. Für diese Theorie spricht, dass seine Fingerabdrücke auf einem Türschloss an der Hinterseite des Gebäudes gefunden wurden. Der Verteidiger des 47-Jährigen begründet diesen Umstand damit, dass dessen Mutter ihn gebeten hatte, für ihre Wohnung ein neues Schloss zu kaufen, nachdem sie ihren Schlüssel verloren hat. P. habe daraufhin im Wreesmann-Markt auf dem Sonnenstein zwei Schlösser besorgt.

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Eines davon schaffte er zurück in das Geschäft, nachdem es nicht in die Tür bei der Mutter passte. So seien die Fingerabdrücke auf das Schloss gekommen und eben jenes muss - nicht von Ricardo P. - später in die Hintertür der Filiale eingebaut worden sein, gibt sein Anwalt zu Protokoll. Eine unwahrscheinliche Verkettung von Zufällen, lautet die Meinung des Gerichts dazu.

Zusätzlich hat sich der Angeklagte auch zur Tatzeit in der Nähe des Wreesmann-Marktes aufgehalten, wie die Standortdaten seines Smartphones preisgeben. Sein Anwalt hat jedoch eine Erklärung parat: Ricardo P., der auf dem Sonnenstein wohnt, führt seinen Hund regelmäßig in dieser Gegend aus - so auch an diesem Abend.

Generell präsentiert der Angeklagte für den betreffenden Abend ein Alibi. Er ist, nachdem er mit seinem Hund Gassi war, zu seiner Ex-Freundin nach Dresden gefahren. Diese verliert sich kurz darauf im Zeugenstand in ihren Aussagen. Die 44-Jährige, die als Zeugin schon früher wegen Falschaussagen auffällig wurde, machte bei der Vernehmung durch die Polizei andere Angaben als vor Gericht. Sie habe damals unter Druck durch die Polizeibeamtin gestanden, erklärt sie auf Nachfrage.

Das Schöffengericht um den vorsitzenden Richter Beeskow nimmt dennoch zur Kenntnis, dass sie ihren früheren Partner in bestimmten Punkten entschieden entlastet.

Mehr als eine Straftat angeklagt

Um den zweiten Angeklagten, Michael U., der die meisten der Vorwürfe gegen ihn bereits zu Anfang des Prozesses gestand, blieb es an diesem zweiten Verhandlungstag ruhig. Neben dem Einbruch im Wreesmann wurden ihm noch weitere Einbrüche sowie Drogenmissbrauch und eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, bei der er fahrlässig andere Verkehrsteilnehmer gefährdete, zur Last gelegt. Als einer der Gefährdeten von dem Vorfall berichtet, bittet U. um Entschuldigung.

Das Gericht erfährt durch einen Sachverständiger mehr über den Hintergrund des Angeklagten. Nach einer schwierigen Schullaufbahn geriet U. zunehmend auf die schiefe Bahn. Der zweifache Vater hat bereits mehrere Jahre seines Lebens hinter Gitter verbracht. Aufgrund von Drogen- und Alkoholproblemen befand er sich bereits sechsmal in Therapie - bisher ohne langfristigen Erfolg. Im Gefängnis hat er seinen Hauptschulabschluss nachgeholt.

Ein überraschendes Urteil zum Wreesmann-Brand

Letztlich befand der Sachverständige den 42-Jährigen für durchaus schuldfähig und regte trotz der vielen gescheiterten Versuche eine erneute Therapie an. In ihrem Plädoyer verwies die Verteidigerin von Michael U. darauf, dass sich ihr Mandant zu jedem Zeitpunkt der Verhandlung dem Gericht gegenüber ehrlich verhalten und bei der Findung der Wahrheit nach bestem Wissen geholfen hat. Zusätzlich verweist sie auf seine erkennbare Reue und die langjährige Drogenabhängigkeit. Das Gericht verurteilte U. unter wegen des Einbruchs im Wreesmann sowie wegen eines weiteren Einbruchs, Drogenmissbrauchs und der Verfolgungsjagd zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und einem Monat.

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"Wir werden vermutlich nie erfahren, wie es zu dem Brand gekommen ist", sagte der Staatsanwalt zum Ende der Verhandlung. Es ist nicht schlussendlich klar, ob es sich um Vorsatz, ein Versehen oder gar um einen technischen Defekt handelt. Richter Beeskow formulierte es so: "Wir konnten nicht die Überzeugung erlangen, dass die beiden Angeklagten den Brand vorsätzlich gelegt haben", erklärt er. Somit wurde Ricardo P. letztlich freigesprochen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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