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Inflation: "Traum vom eigenen Haus lieber verschieben"

Die Angst vor Geldentwertung macht Immobilien knapp und teuer, auch im Dresdner Umland, sagt Makler Thomas Birnstein.

Von Jörg Stock
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Hoffnung für Hausträumer: Im Oktober 2021 wurde in Heidenau der erste Spatenstich für das neue Wohnquartier "Lugturmblick" vollführt. Hier sollen einmal 27 Eigenheime stehen.
Hoffnung für Hausträumer: Im Oktober 2021 wurde in Heidenau der erste Spatenstich für das neue Wohnquartier "Lugturmblick" vollführt. Hier sollen einmal 27 Eigenheime stehen. © Marko Förster

Der Mieter von heute ist der Käufer von morgen, das ist Thomas Birnsteins Credo. Aber gibt es überhaupt noch etwas zu kaufen? Der Immobilienmakler und Seniorchef der Firma Beate Protze Immobilien in Dresden, aktiv auch in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge, muss feststellen: Noch nie - seit er im Geschäft ist - war das Angebot derart begrenzt. Das treibt die Preise. Wie stehen also die Chancen aufs eigene Haus?

Wohneigentum ist so knapp wie noch nie, sagt Thomas Birnstein, Seniorchef und Verkaufsberater bei Beate Protze Immobilien in Dresden.
Wohneigentum ist so knapp wie noch nie, sagt Thomas Birnstein, Seniorchef und Verkaufsberater bei Beate Protze Immobilien in Dresden. © Protze Immobilien

Herr Birnstein, kann sich eine Familie mit mittlerem Einkommen den Traum vom eigenen Haus heute noch leisten?

Ja, aber nicht in Dresden. Platt formuliert könnte man sagen: Ein Paar mit mittlerem Einkommen, das sein zweites Kind erwartet, muss die Stadt Dresden verlassen, weil es weder das Geld für eine größere Wohnung noch für eine Immobile bezahlen kann.

Wie ist das Gefälle zum Umland beschaffen? Ist es in Freital, Bannewitz oder in Pirna schon preiswerter?

Nein. Diese Orte zählen wir zum Speckgürtel von Dresden. Da ist es noch teuer. Aber Königstein geht schon wieder. Man kann dort gut wohnen und hat die S-Bahn vor der Tür. Auch in Orten wie Lohmen, Bad Schandau oder Stolpen findet man vergleichsweise moderate Preise. Allgemein gilt: Je weiter weg von Dresden, desto geringer fällt die Preissteigerung aus.

Wie kommt eigentlich dieser Hype bei den Hauspreisen zustande?

Das Preisniveau im Immobilienmarkt wird derzeit stark von der Angst vor Inflation geprägt, also vor dem Wertverlust des Geldes. Leute, die Geld haben, versuchen, es in Betongold anzulegen. Das treibt die Preise hoch, weil die Nachfrage steigt. Andererseits wollen Menschen, die eine Immobilie besitzen, gegenwärtig nicht verkaufen. Deshalb sind Einfamilienhäuser aber auch Eigentumswohnungen noch nie so knapp gewesen wie heute. Zur Verdeutlichung: Wenn jetzt ein Einfamilienhaus auf unserer Website steht, waren es früher zwanzig.

Sind denn diese Preise, die für Häuser bezahlt werden, überhaupt noch realistisch?

Für uns Makler ist es so, dass wir in dieser Situation gar nicht mehr richtig rechnen können. Wenn wir ein Gutachten zu einer Immobilie schreiben und darin steht, dass gewisse Dinge zu beachten sind, gibt es heute immer jemanden, dem der Preis erst mal egal ist, der vor allem sein Geld unterbringen will. So gelangen Immobilien an den Markt, die für weit mehr verkauft werden, als in den Gutachten steht.

Wie sieht es mit Baugrundstücken aus?

Da ist es im Prinzip genau dasselbe wie mit den Häusern. In Dresden gibt es kaum noch welche. Dresden ist zugebaut. In den umliegenden Orten ist die Lage auch schon kritisch. Je weiter weg man geht, etwa hinter Pirna, umso mehr steigen die Chancen.

Es scheint, dass in den Landgemeinden ein Mangel an Eigentumswohnungen besteht. Würden Eigenheime von Älteren frei, wenn es mehr dieser Wohnungen gäbe?

Es ist richtig, dass ältere Leute, die ihr Eigenheim verkaufen, aber in der Stadt bleiben möchten, sei es in Pirna, Stolpen, Sebnitz oder Neustadt, oft keine Eigentumswohnung finden. Die großen Bauträger haben sich auf Dresden konzentriert, im Umland aber ist seit den 1990ern kaum noch was entstanden. Das stört den Austausch. Junge Leute würden gern in die Eigenheime der Älteren ziehen. Aber die kommen nicht zum Verkauf, weil die alten Leute nicht wissen, wo sie hin sollen.

Was glauben Sie: Wie lange wird der Häusermangel und damit der Höhenflug der Preise noch anhalten?

Da muss man bei Corona anfangen. Ich denke, dass die Pandemie 2023 vorbei sein wird, und damit auch die Inflationsangst. Sobald sich die Wirtschaft stabilisiert und wieder normale Verhältnisse eintreten, sobald die Leute ihr Geld wieder ohne Furcht vor Verfall anlegen können, verkaufen sie auch wieder. Dann kommen wieder Immobilien an den Markt, und das wird die Preise sinken lassen.

Wenn ich jetzt ein Haus kaufen möchte, wo soll ich da suchen? Der Eindruck herrscht, dass vernünftige Angebote schon weg sind, bevor sie überhaupt im Netz oder in der Zeitung stehen...

Ich würde, und da spreche ich jetzt mal nicht als Makler, sondern als Verbraucher, meinen Immobilienwunsch einfach vertagen, selbst auf die Gefahr hin, dass die Konditionen für Kredite dann weniger günstig sein könnten. Wenn ich noch zwei Jahre warte, kann ich auch noch zwei Jahre sparen. Dann habe ich mehr Eigenkapital, was dann auch weniger Zinsen bedeutet.