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80 neue Senioren-Wohnungen in Pirna

Auf dem Areal der alten "Marmelade" an der B 172 soll ein großer Wohnpark entstehen. Dafür liegt nun der Entwurf des Bebauungsplanes vor.

Geplante Seniorenresidenz: Acht Einzelhäuser mit insgesamt 80 Wohnungen.
Geplante Seniorenresidenz: Acht Einzelhäuser mit insgesamt 80 Wohnungen. © ardoris Architekten

Die Industriemischung auf dem Gelände war früher eine höchst sonderbare. An der B 172 in Pirna, gegenüber der Einfahrt zur Glashüttenstraße, liegt ein Areal, das sich einst zwei Betriebe teilten.

Der eine produzierte aus Chemikalien Klebstoffe, der andere fruchtige Brotaufstriche. Daher wird das Gebiet im Volksmund "Marmelade" genannt. Es gab eine gemeinsame Einfahrt und sogar einen Gleisanschluss.

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Betriebe und Gleisanschluss sind inzwischen längst Geschichte. Übrig blieb eine Brache, rund 20.000 Quadratmeter groß, auf der nur noch zwei leerstehende Gebäude stehen. Eine Baufirma nutzt das Gelände derzeit noch als Zwischenlager für Baumaterial und Aushub.

Mehrere Versuche, das Gebiet zu entwickeln, schlugen in den vergangenen Jahren fehl - bis zum Herbst 2020.

Von der "Marmelade" zum Wohnpark

Die Firma SMG Immobilien GmbH hat Ende vergangenen Jahres reichlich die Hälfte des alten Marmelade-Geländes - etwas mehr als 10.000 Quadratmeter - von der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP) gekauft.

Das Unternehmen will auf dem Areal eine neue Seniorenwohnanlage bauen, zunächst acht Häuser mit rund 80 Wohnungen. Dazu ist noch ein Angebot geplant, was es in dieser Form in Pirna noch nicht gibt.

Für das Projekt ist nun ein weiterer Grundstein gelegt. Die SMG hat kürzlich den von ihr erarbeiteten Entwurf des Bebauungsplanes für das Gebiet im Rathaus eingereicht, weil sie das Gelände auf eigene Kosten entwickeln und erschließen lässt.

In seiner März-Sitzung wird sich nun der Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrates mit dem Vorhaben beschäftigen. Es geht zunächst darum, den Bebauungsplan-Entwurf zu billigen und zu beschließen, ihn öffentlich auszulegen, damit das weitere Verfahren in Gang kommt. Denn ohne Bebauungsplan gibt es keine Bebauung.

Pirna plant gleich mit für die Zukunft

Gemäß der Unterlagen grenzt das beplante Gebiet im Norden an die Dresdner Straße (B 172), im Osten an ein Gewerbegrundstück, im Süden an den Pirnaer Friedhof, im Westen an das Berufs- und Technologiezentrum.

Geplant ist, das Areal als sogenanntes Mischgebiet auszuweisen, in dem dann Wohnbebauung und nicht störendes Gewerbe zulässig sind.

Auch für die Stadt bringt der Bebauungsplan und der geplante Wohnpark Vorteile. Zum einen wird die bisherige, nicht gerade ansehnliche Lücke städtebaulich geschlossen, zum anderen wird auch städtischer Grund mitgeplant.

An der östlichen Seite des künftigen Wohngebietes liegt das Gelände der ehemaligen Bahntrasse ins Seidewitz- und Gottleubatal. Pirna will dort in Zukunft einen Fuß- und Radweg errichten, daher soll diese Verkehrsfläche im Bebauungsplan explizit als Geh- und Radweg ausgewiesen werden. Das erspart eine spätere zusätzliche Planung.

Kaum Schadstoffe im Baugrund

Eine hindernde Klippe auf dem Weg zum Wohnpark ist inzwischen umschifft. Wegen der früheren Industrieansiedlung gab es den Verdacht, dass das Erdreich mit Altlasten - beispielweise mit Rückständen von Chemikalien - belastet ist.

Doch eine erste Untersuchung ergab, dass die verdächtigen Flächen gar nicht oder nur sehr gering mit Altlasten belastet sind. Diese geringen Belastungen, so die Gutachter, führen zu keinem grundsätzlichen Konflikt mit der geplanten Wohnbebauung.

"Wir hoffen nun, dass der Entwurf des Bebauungsplanes bestätigt wird", sagt SMG-Geschäftsführer Sven Sauer, "damit das Projekt weiter Fahrt aufnehmen kann."

Die SMG will auf dem Gelände der alten "Marmelade" die "Seniorenresidenz Pirna" errichten. Es wird aber weder ein Alten- noch ein Pflegeheim im klassischen Sinn. Entstehen werden barrierefreie, seniorengerechte Wohnungen, die SMG nennt sie auch Service- oder Komfortwohnungen.

Laut Sauer bestehe in Pirna ein großer Bedarf an derartigen Quartieren, zumal es in der Stadt nicht ausreichend davon gebe. Viele ältere Menschen, vor allem im ländlichen Raum, trügen sich mit dem Gedanken, in Städte mit guter Infrastruktur zu ziehen. Es gebe sogar schon Interessenten aus den alten Bundesländern, die ihren Lebensabend gern in Pirna verbringen wollen.

Oben Wohnungen, unten Geschäfte und Praxen?

Das Wohngebiet besteht nach derzeitigen Plänen aus acht Einzelhäusern, in jedem Gebäude gibt es zehn oder elf Wohnungen. Die SMG tritt lediglich als Bauherr auf, die Quartiere werden später alle einzeln als Eigentumswohnungen verkauft.

Alle Wohnungen haben ein Balkon, die Penthouse-Quartiere ganz oben eine umlaufende Terrasse. Die Gebäude sind alle nach Süden ausgerichtet, zur B 172 zeigen lediglich die Treppenhäuser.

Die Erdgeschoss-Flächen sind für nicht störendes Gewerbe vorgesehen, einziehen könnten dort beispielsweise ein Café, ein Friseur, ein Bäcker, eine Physiotherapie oder auch Ärzte.

Der freizuhaltende Streifen im Süden, der an den Friedhof grenzt, soll als parkähnliche Anlage gestaltet werden, mit Bäumen, Beeten und Bänken. "Die alte Baumreihe am Friedhof bleibt stehen", sagt Sauer.

Blick von oben: Der Wohnpark entsteht auf dem Gelände der früheren "Marmelade" an der B 172.
Blick von oben: Der Wohnpark entsteht auf dem Gelände der früheren "Marmelade" an der B 172. © ardoris Architekten

Pirnas erste Senioren-WG

Darüber hinaus ist in dem Wohngebiet eine Besonderheit geplant: Swetlana Irmscher wird mit ihrem Senioren-Betreuungsdienst "Home instead" in die neue Wohnanlage ziehen. Derzeit sitzt das Unternehmen noch auf der Gartenstraße, doch die Inhaberin sucht schon lange nach neuen, größeren Räumen.

Mit dem Betreuungsdienst wird sie in die beiden Häuser ziehen, die in Richtung Innenstadt zeigen. Zwischen den Gebäuden wird dafür noch ein Verbindungsbau errichtet. Die Erdgeschossbereiche werden Domizil des Betreuungsdienstes.

Im ersten Obergeschoss plant Swetlana Irmscher eine Neuheit: eine Senioren-Wohngemeinschaft. Genau genommen sind es zwei Senioren-WGs. In jeder gibt es sechs Zimmer, jedes mit Bad, jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer als Rückzugsbereich. Im Zentrum findet sich ein riesiger Gemeinschafts- und Aufenthaltsbereich, Betreuer sind dort dann rund um die Uhr vor Ort.

Die Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum, sagt Swetlana Irmscher, sei enorm. Für die noch nicht fertigen und noch nicht bezogenen Domizile im neuen Wohnpark gibt es bereits Anfragen.

Gleiches kann auch Sauer berichten. "Uns schreiben jetzt schon viele Menschen an, dabei sind wir mit dem Projekt noch gar nicht in der Werbung", sagt er.

Baustart im Spätsommer geplant

Abhängig davon, wann der endgültige Bebauungsplan bestätigt ist, will die SMG im Zeitraum August/September 2021 mit den Bauarbeiten am neuen Wohnpark beginnen, die Häuser könnten dann Ende 2022 fertig sein.

Die SMG investiert eigenen Angaben zufolge einen zweistelligen Millionenbetrag in das Vorhaben.


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