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Eine besondere Künstler-Freundschaft

Gisela Steineckert und Dirk Michaelis sind zum dritten Mal in Pirna und doch ist es ein bisschen wie das erste Mal. Zumindest für die Kleinkunstbühne.

Die Schriftstellerin und der Musiker, die auch Freunde sind: Gisela Steineckert und Dirk Michaelis.
Die Schriftstellerin und der Musiker, die auch Freunde sind: Gisela Steineckert und Dirk Michaelis. © Daniel Schäfer

Die Pause war eine relativ lange, sagen die Leute von der Kleinkunstbühne Q24 und sie sind aufgeregt wie beim ersten Mal. Noch immer ist nichts so wie vor der Corona-Zwangspause. Die knapp 70 Leute am Freitagabend sind nach einem ausgeklügelten Prinzip platziert. Immer ein Platz bleibt frei zwischen denen, die nicht zusammengehören. Eine Puzzlearbeit sondersgleichen. Es herrscht Einbahnstraßen-Gehen mit Maskenpflicht, nur am Platz darf sie abgenommen werden. In der Pause wird durchgelüftet. 

Die, die eine der Karten bekamen, wissen die Mühe und das Angebot zu schätzen und sparen nicht mit Beifall. Nicht für die "schönste Kleinkunstbühne Deutschlands", wie man sich selbst gern bezeichnet. Nicht für Techniker Jürgen Popp, nicht für die ganze Mannschaft und natürlich nicht für Gisela Steineckert und Dirk Michaelis. Zum vierten Mal sind die beiden da, das letzte Mal vor drei Jahren. 

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Vertontes Herzblut

Gisela Steineckert ist inzwischen 89. Der Körper nicht mehr ganz so frisch, der Geist und die Stimme umso mehr. Die Harmonie zwischen Gisela Steineckert und Dirk Michaelis zeigt sich in vielen kleinen und großen Gesten. Wenn sie Hand in Hand auf die Bühne treten, wenn er ihr den Stuhl zurechtrückt, sie nach einer Freundschaftserklärung küsst, sie für ihn klatscht und am Ende wie alle "Als ich fortging" mitsingt.  Das Lied, das wohl jeder kennt, mit dem jeder seine Geschichte und seine Gedanken verbindet und das der Anfang der besonderen Freundschaft der Schriftstellerin und des Musikers war. 

Oft konkurrieren bei einer Lesung mit Musik - oder Musik mit Lesung - die Darbietenden. Im Falle von Gisela Steineckert und Dirk Michalis ergänzen sie sich perfekt, hören dem anderen aufmerksam zu, staunen übereinander. Das kommt nicht nur von ihren Texten, die er zu Musik macht oder wie sie es sagt: "Er vertont mein Herzblut".  So miteinander umgehen können sie nur, weil sie so ein besonderes Schwingen verbindet. Sie lassen sich gegenseitig Raum und können das, weil jeder in seinem Genre Meister ist. 

Wenn sie ihre engagierten Texte zur "Abrechnung mit den alten Männern", ihr "Bekenntnis zu den Göttern" oder "Hildi wird 100" liest, sind sie immer die Beschäftigung mit sich selbst und ihrer Zeit und ihrer Generation, die so viele teilen. Und doch bleibt sie nicht beim Gestern stehen. Seine Lieder geben Texten eine weitere Dimension. Bei seiner Interpretation von "Atme" halten am Ende alle irgendwie die Luft an. Bei "Am Ende der Schlacht" werden Worte und Töne zur Geschichte der vergangenen hundert Jahre. Er beherrscht die leisen wie die lauten, die flüsternden wie die schreienden. 

Ein Versprechen

Gisela Steineckert bleibt für das Signieren ihrer Bücher nach dem Ende auf der Bühne sitzen. Es scheint eine ungewohnte Situation zu sein, sie da oben, die Leute da unten. Doch es ist der einzige Abstand zwischen ihnen.   

Nächstes Jahr im Mai wird Gisela Steineckert 90. In vier Wochen will sie ihr neues Buch beenden, das nächste ist schon im Kopf. Gisela Steineckert und Dirk Michaelis sagen am Ende "Auf Wiedersehen". Die Pirnaer nehmen sie beim Wort. 

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