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Taxifahrer als Tröster, Beichtvater und Psychologe

Vor 20 Jahren machte sich Andreas Schubinski mit einem Taxiunternehmen in Pirna selbstständig. Er mag seinen Beruf, der nicht nur reiner Chauffeurdienst ist.

Eine Familie, ein Team. Andreas, Linda und Grit Schubinski (v.l) vom gleichnamigen Pirnaer Taxiunternehmen stehen vor der Limousine. Vor 20 Jahren hatte Andreas Schubinski das Unternehmen gegründet.
Eine Familie, ein Team. Andreas, Linda und Grit Schubinski (v.l) vom gleichnamigen Pirnaer Taxiunternehmen stehen vor der Limousine. Vor 20 Jahren hatte Andreas Schubinski das Unternehmen gegründet. © Norbert Millauer

Andreas Schubinski möchte seinen Job nicht missen. "Ich fahre Brückenschläfer, Bäckermeister, werdende Mütter und Professoren. Das ist das Besondere an meinem Beruf: Ich komme mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen, das macht Freude", sagt der 58-Jährige, der vor exakt 20 Jahren sein Taxiunternehmen gegründet hat. Das Jubiläum wird am 1. August gefeiert.

Das Team stimmt

Zur Schubinski-Flotte gehören zwei Taxen sowie ein Mietwagen. Der Pirnaer beschäftigt insgesamt sechs Angestellte. Halt, da fehlt noch jemand. "Meine Frau Grit ist die gute Seele des Unternehmens, sie unterstützt mich sehr", sagt Andreas Schubinski und wirft seiner Gattin ein Lächeln zu, das sie erwidert. Klare Sache: ein eingespieltes Team. Apropos Team. Ebenso so froh ist der Unternehmer, dass er seine zuverlässigen Mitarbeiter hat. "Drei Damen fahren auch. Es ist ein gutes Miteinander unter den Kollegen. Ich bin wirklich stolz auf mein Team", betont Schubinski.

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Manche prellen das Fahrgeld

Er selber kommt durch seinen Job in der gesamten Bundesrepublik herum, manchmal geht die Fahrt an die Ostsee, manchmal nach Frankfurt an Main; Dubinski hat aber auch schon Kunden bis nach Freiburg im Breisgau chauffiert. Auf den Fahrten führt er oftmals viele gute Gespräche. Es gibt aber auch Situationen, die weniger schön sind. Glücklicherweise wurde Schubinski noch nie ausgeraubt. Das läge wohl an zwei Gründen. "Erstens sind wir hier in einer Kleinstadt mit wenig Kriminalität. Und zweitens habe ich eine solche Statur, die einen Räuber abschreckt", sagt er und weist verschmitzt auf seine durchaus stattliche Figur. Durchaus kommt es aber manchmal vor, dass ein Fahrgast das Geld prellt. Dubinski hat es schon erlebt, dass Kunden an der Bank halten lassen, angeblich um Geld abzuheben, die dann aber durch eine Hintertür verschwinden, um das Fahrgeld nicht zu zahlen. "Manche springen auch bei einer Roten Ampel raus", berichtet Schubinski, der jedoch eher von Ausnahmen sprechen möchte.

Schwierige Kunden können stark alkoholisierte Fahrgäste sein. "Es gilt dann den richtigen Ton zutreffen. Man muss als Fahrer freundlich aber bestimmt sein und klare Ansagen machen. Zum Beispiel, wird einem Kunden schlecht, muss er das sofort sagen, um rechtzeitig anzuhalten", erzählt der Unternehmer.

Gepäck wird bis zur Wohnungstür getragen

Dass ältere beziehungsweise hilfsbedürftige Personen bis zur Wohnungstür gebracht werden, ist für Schubinskis Angestellten eine Selbstverständlichkeit. Auch schweres Gepäck wird bis zur Wohnung getragen. "Die Dankbarkeit ist sehr groß, deshalb haben wir auch so einen großen Kundenstamm", sagt Schubinski. Er und sein Team machen am Tag 30 bis 50 Fahrten.

Andreas Schubinski nimmt Anteil und hört genau hin. "Oftmals fahre ich Patienten zur Chemotherapie, ich freue mich dann, wenn es dem Kunden besser geht, aber ich bin traurig, wenn die Therapie nicht anschlägt. Diese Gefühle und Erlebnissen nehme ich oft mit in den Feierabend", überlegt der Pirnaer laut. Und er überlegt weiter, um festzustellen: "Ich denke ein Taxifahrer ist oftmals auch Psychologe, Tröster, Beichtvater in einem."

Der Liebe wegen nach Pirna gezogen

Ein Faible für Maschinen und Autos hatte Andreas Schubinski schon immer. Geboren wird er in Spremberg. Nach der Schule absolviert er folgerichtig eine Lehre als Maschinist für Tagebaugroßgeräte. Danach arbeitet er einige Jahre im Tagebau Welzow-Süd. Das Areal hatte, so Schubinski, die größte Förderbrücke Europas. 1981 macht er Urlaub an der Ostsee, dabei fällt ihm ein besonders hübsches Mädchen auf. Sie kommt aus Pirna, Schubinski zieht zu ihr und findet schnell eine Anstellung im Dampfkesselbau Heidenau. Danach fängt er als Kraftfahrer bei der HO Pirna-Sebnitz an. Nach der politischen Wende wird die HO abgewickelt und Schubinski wechselt zum Arbeiter-Samariter-Bund Königstein, wo er ebenfalls als Fahrer angestellt wird. Schnell steigt er zum Fahrdienstleiter auf, stellt aber doch fest, dass er sich gerne mit einem eigenen Taxi-Betrieb selbstständig machen möchte. Das geschieht im Jahr 2001.

Wenn Andreas Schubinski mal nicht am Steuer sitzt, dann verbringt er gerne die Zeit mit seiner Familie, zu der Ehefrau, zwei Kinder und zwei Enkelkinder gehören. Seine Tochter wird später übrigens das Taxiunternehmen übernehmen. Bereits jetzt ist sie bei ihrem Vater als Fahrerin angestellt. Und außerdem hat Schubinski noch ein weiteres Hobby. Mit seinem schweren Motorrad ist er auf den Straßen unterwegs, um Ausflüge in die Umgebung zu unternehmen. "Dafür habe ich aber leider selten Zeit, weil ich oft Taxi fahre. Dennoch möchte ich meine Beruf nicht tauschen", sagt er.

Branche ist mit blauem Auge durch Krise gekommen

Das Taxiunternehmen Schubinski gehört zur Taxigenossenschaft Pirna-Sebnitz. Insgesamt zwölf Unternehmen haben sich in der Genossenschaft zusammen getan. "Wir sind relativ gut durch den Lockdown gekommen", sagt Maik Abraham, Vorstandsmitglied der Taxigenossenschaft. Die Einbußen seiner Branche würden sich auf durchschnittlich 30 Prozent belaufen.

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