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Pirna: Kita-Betreuung mangelhaft

Eltern bewerten das Angebot in der Stadt Pirna unterdurchschnittlich. Die Hauptprobleme dabei: fehlende Kita-Plätze und hohe Elternbeiträge.

Eltern müssen in Pirna seit September höhere Beiträge für die Kita-Betreuung zahlen. Perspektivisch sollen sie aber wieder sinken.
Eltern müssen in Pirna seit September höhere Beiträge für die Kita-Betreuung zahlen. Perspektivisch sollen sie aber wieder sinken. © Archiv: Claudia Hübschmann

Während seiner Amtszeit als Rathauschef seit 2010 hat der Pirnaer Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) beinahe jedes Jahr eine frisch sanierte und gar neu gebaute Kindertagesstätte eröffnet. Dazu zählen in der jüngsten Vergangenheit beispielsweise die sanierte Kita "Spieloase", die neue Kita "Farbenspiel" oder der neue Hort "Die Schlaufüchse". 

Und die Stadt hat damit, getrieben von den steigenden Kinderzahlen, das Ziel noch längst nicht erreicht: In Kürze wird die Kita am Reitplatz fertig, daneben ist noch Platz für eine baugleiche Kita. Und im neuen Wohngebiet, das perspektivisch an der Max-Schwarze-Straße geplant ist, hat sich die Stadt vorsichtshalber eine Fläche für noch eine neue Kita reservieren lassen. 

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Das alles deutet zumindest darauf hin: In Pirna sollten genügend Betreuungsplätze vorhanden sein. 

Pirna liegt unter dem Sachsen-Schnitt

Eine ganz andere Sprache spricht allerdings eine jüngst veröffentlichte Umfrage, die die Sächsische Zeitung gemeinsam mit der Freien Presse und der Leipziger Volkszeitung initiierte. Unter dem Titel "Familienkompass" wurden im Frühjahr 2020 mehr als 14.000 Eltern in Sachsen unter anderem auch zur Kita-Betreuung und Kita-Qualität befragt. Dabei schneidet Pirna eher unterdurchschnittlich ab.

Repräsentativ sind die Ergebnisse nicht, zumindest aber deuten sie darauf hin, dass an mancher Stelle offenbar etwas nicht passt. Auf einer Schulnotenskala von eins bis fünf wurde die Betreuungssituation gerade mal mit 3,4 bewertet, ganz Sachsen kommt hier auf eine 2,9. 

Vor allem das Platzangebot macht den Eltern zu schaffen, besonders mies schneidet die Kategorie "Bedarfsgerechtes Kita-Angebot" ab, von fast 70 Prozent der Befragten mit der Note vier bedacht. Der Sachsen-Schnitt liegt hier bei 3,2.

Jedes Kind bekommt einen Platz

Auf den ersten Blick ergibt sich daraus ein Nachholbedarf, den die Stadt in dieser Form allerdings nicht sieht. "Wir haben genügend Betreuungsplätze in Pirna", sagt Steffen Köhler, Fachgruppenleiter Schule und Soziales im Rathaus. 

Als kürzlich die Plätze fürs neue Kita-Jahr vergeben wurden, habe es keine Anfragen von Eltern gegeben, die über den Bedarf hinausgingen. Derzeit gebe es auch keine Warteliste für Kita-Plätze. 

Pirna betreibt keine eigenen Kitas, alle Einrichtungen sind in freier Trägerschaft, die Stadt arbeitet mit zehn freien Trägern zusammen, darunter Diakonie, Awo, ASB und verschiedene Elternvereine. Nach Aussage des Rathauses sehen die Kapazitäten wie folgt aus: in Pirna gibt es 21 Kindereinrichtungen mit insgesamt 439 Krippen-, 1.283 Kindergarten- sowie 1.398 Hortplätzen. "Damit sind wir generell in der Lage, allen einen Platz anzubieten", sagt Köhler. Für die steigenden Kinderzahlen sieht sich die Stadt mit den neu gebauten und geplanten Kitas gut gerüstet.

Woran es jedoch noch hapert, ist eine adäquate Betreuung in den Ortsteilen. Die Stadt kann Eltern bislang nicht zusichern, dass sie in jedem Fall einen Kita-Platz in dem Ortsteil bekommen, in dem sie auch wohnen. Einige Kinder müssen in Einrichtungen in anderen Ortsteilen vermittelt werden. "Wenn ein Innenstädter einen Kita-Platz auf dem Sonnenstein bekommt, ist das immer noch gesetzeskonform", sagt Köhler.

Nachschlag bei den Elternbeiträgen

Ein negatives Bild vermittelt der Familienkompass auch bei der Kategorie "bezahlbare Elternbeiträge". Hier vergeben Eltern aus Pirna die Schulnote 3,7, der Sachsen-Schnitt liegt hier bei 3,2.

Und in der Tat: Aufgrund gestiegener Betriebskosten in den Einrichtungen hat Pirna per 1. September die Elternbeiträge für Kita-Plätze erhöht. Sie errechnen sich, indem die Gesamtkosten eines Kita-Platzes nach zuvor festgelegten Prozentsätzen auf die Eltern umgelegt werden. Eltern in Pirna müssen nun für eine neunstündige Betreuung in der Krippe 227 Euro, für neun Stunden im Kindergarten 153 Euro und für sechs Stunden im Hort 83 Euro monatlich zahlen. 

Damit ist Pirna - vor allem im Krippenbereich - allerdings längst nicht Spitzenreiter, wie Vergleiche mit anderen Kommunen zeigen. In Heidenau liegen die Elternbeiträge für neun Stunden Krippe bei 257,24 Euro, für neun Stunden Kindergarten bei 148,82 Euro, für sechs Stunden Hort bei 80,36 Euro je Monat. In Freital liegen die Elternbeiträge für die adäquate Betreuung  bei 289,11 Euro, 157,13 Euro und bei 84,85 Euro monatlich. 

Wird es für Eltern künftig preiswerter?

Gleichwohl gibt es Vorschläge, diese Elternbeiträge in Pirna künftig wieder zu senken. Die Linksfraktion im Stadtrat hatte im Juli beantragt, den Minimal von 15 Prozent der Platzkosten bei allen drei Betreuungsarten auf die Eltern umzulegen. Pirna müsste in diesem Fall allerdings 1,8 Millionen Euro zusätzlich für die Kita-Plätze ausgeben, weil dann Elternbeiträge in dieser Größenordnung fehlen. Dieses Geld ist aber im aktuellen Haushalt nicht verankert, die Stadt könnte diese Summe ohnehin nicht ohne weiteres aufbringen. 

Fraktionsübergreifend gibt es aber den Konsens, die Elternbeiträge perspektivisch zu senken. Im Zuge der Haushaltsdebatte zum neuen Doppeletat 2021/22 sollen dabei bereits erste Wege sondiert werden.

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