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Fehlende Ärzte: Kurort ist Schlusslicht

Im Durchschnitt hat die Sächsische Schweiz zu viele Kinderärzte. Doch das hilft der ländlichen Region um Bad Gottleuba nicht.

Wo gibt es einen Arzt im Osterzgebirge?
Wo gibt es einen Arzt im Osterzgebirge? © dpa

Nur nicht krank werden: Das wünscht sich jeder. Für Eltern in Bad Gottleuba-Berggießhübel, Liebstadt und Bahretal hat der Wunsch einen ganz praktischen Hintergrund. Es gibt in ihrem Gebiet zu wenig Ärzte. Dieser Fakt hat den gemeinsam bewerteten Gemeinden beim Familienkompass sehr schlechte Noten gebracht. In der Umfrage, welche die Sächsische Zeitung gemeinsam mit der Freien Presse und der Leipziger Volkszeitung initiierte, wurden im Frühjahr 2020 mehr als 14.000 Eltern in Sachsen befragt. Die Frage, ob die Hausärzte reichen, wurde rings um Bad Gottleuba mit der Schulnote 3,13 beantwortet. Für die Fachärzte gab es eine 3,62 und für die Kinderärzte sogar nur eine 3,86. Diese Bewertungen gehören zu den schlechtesten überhaupt.

Am Ende landet die Region mit der Gesamtnote 3,06  auf dem 145. von 146 Plätzen. Auch schlechte Bewertungen in anderen Kategorien wie öffentlicher Personennahverkehr (4,18)  und Freizeitmöglichkeiten (4,03) trugen dazu bei. Die Probleme ÖPNV und Kinderärzte tauchen auch in anderen ländlichen Regionen auf, sind also offenbar kein Problem der einzelnen Kommunen, sondern ein prinzipielles.

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In den Postleitzahl-Bereichen 01819, 01816 und 01825 gibt es laut Übersicht der kassenärztlichen Vereinigung (KVS) keinen einzigen Kinder- und Jugendmediziner. Gleichzeitig ist der Bereich Sächsische Schweiz in dieser Ärztekategorie überversorgt. In Prozent ausgedrückt: 189,5 Prozent. Nur merkt davon das ländliche Osterzgebirge nichts. Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen gibt es in der Region, die zum Planungsbereich Sächsische Schweiz gehört, ausreichend Kinderärzte. Im Durchschnitt mag das stimmen, doch den Eltern rund um Bad Gottleuba-Berggießhübel hilft das wenig. 

Patienten sollen bei Arztsuche "flexibel" sein

Kein Wunder, dass die Eltern hier auch der Erreichbarkeit von Ärzten eine schlechte Note gaben. Schließlich müssen sie in der Regel bis Pirna fahren. Eine Zumutbarkeitsgrenze für die Entfernung zum Kinderarzt gibt es nicht, sagt die Kassenärztliche Vereinigung und verweist auf die Arztsuche im Internet. "Dies setzt allerdings unter Umständen auch eine gewisse Flexibilität der Suchenden voraus", sagt eine KVS-Sprecherin.

Schlechte und ganz schlechte Noten gaben die Teilnehmer der Familienkompass-Umfrage Bad Gottleuba-Berggießhübel, Liebstadt und Bahretal.
Schlechte und ganz schlechte Noten gaben die Teilnehmer der Familienkompass-Umfrage Bad Gottleuba-Berggießhübel, Liebstadt und Bahretal. © Bildstelle

Zudem könne die "Wahrnehmung einer zunehmenden Konzentration der Kinderärzte in Städten" nicht nachvollzogen werden, sagt sie und räumt gleichzeitig ein: "Allerdings unterscheiden sich auch in Versorgungsfragen die Gewohnheiten der städtischen Bevölkerung von denen der ländlichen Regionen." Letztere würden ohne Weiteres längere Wege zum Arzt akzeptieren. Ob das tatsächlich "ohne Weiteres" akzeptiert wird? Zumindest die Bewertung der Familien, die sich am Familienkompass beteiligten, sehen das anders. Akzeptieren, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt, heißt nicht, dass sie es nicht gern auch anders hätten. Die KVS spricht von einer subjektiven Einschätzung. Das gilt auch für die Bewertungen der Fragen in dem Kompass. 

Auch Hausärzte behandeln Kinder

Außerdem können auch Hausärzte Kinder und Jugendliche behandeln, was viele Hausarztpraxen auch anbieten. Doch auch davon gibt es im Gebiet um den Doppelkurort Bad Gottleuba-Berggießhübel nicht übermäßig viele. Ärzte verschiedener Fachgebiete konzentrieren sich in und um die größeren Städte. Und da die Sächsische Schweiz als  Ganzes betrachtet wird, in der es aktuell sogar noch zu viele Kinderärzte gibt, hat das Osterzgebirge kaum Chancen, dass sich an der Situation so schnell etwas ändert. 

Die KVS wirbt immer wieder für die Niederlassung als Vertragsarzt. So wird beispielsweise die Weiterbildung von Medizinern zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin schon seit geraumer Zeit durch die Vereinigung  und die gesetzlichen Krankenkassen unterstützt. Doch wo sollen sie sich niederlassen, wenn eine Niederlassungsbeschränkung besteht?

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