merken
PLUS Pirna

Mega-Bahntunnel: 2025 steht die Trasse fest

Die Bahn plant eine neue Strecke Dresden-Prag, die auch Heidenau und Pirna tangiert. In vier Jahren soll die Planung abgeschlossen sein.

Schnellbahnstrecke der Deutschen Bahn: So ähnlich könnte der Tunneleingang der Neubaustrecke Dresden-Prag bei Heidenau oder Pirna einmal aussehen.
Schnellbahnstrecke der Deutschen Bahn: So ähnlich könnte der Tunneleingang der Neubaustrecke Dresden-Prag bei Heidenau oder Pirna einmal aussehen. © Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn will die Vorplanung für den Super-Tunnel durch das Erzgebirge - Teil der Neubaustrecke Dresden-Prag - bis 2025 abschließen. Bis dahin soll nach Aussage von Kay Müller, Neubaustrecken-Projektleiter bei der DB Netz AG, feststehen, welche Vorzugsvariante dann tatsächlich gebaut wird.

Die Deutsche Bahn plant schon seit geraumer Zeit gemeinsam mit dem tschechischen Infrastrukturunternehmen "Správa železnic" eine neue grenzüberschreitende Bahntrasse von Dresden nach Prag.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Die Trasse soll einmal in Heidenau oder zwischen Heidenau und Pirna von der bestehenden Bahnstrecke abzweigen und durch einen mindestens 25 Kilometer langen Tunnel bis nach Tschechien führen. Wird der Tunnel tatsächlich gebaut, wäre er dann der längste Eisenbahntunnel Deutschlands. Der Weg dahin wurde bereits in den zurückliegenden Monaten geebnet.

Vier Streckenvarianten sind noch im Rennen

Im Sommer 2020 schloss die Landesdirektion Sachsen das sogenannte Raumordnungsverfahren für das Projekt ab. Dabei prüfte die Behörde, welche Korridore grundsätzlich für diese Bahntrasse in Betracht kommen und ob der vorgesehene Verlauf auf sogenannte Raumwiderstände trifft - beispielsweise große Bodenschatz- oder Trinkwasservorkommen.

Das Ergebnis: Von den ursprünglich sieben Streckenvorschlägen blieben vier übrig, favorisiert werden drei sogenannte Volltunnel-Varianten und eine teiloffene Route.

Bei den Volltunnel-Varianten zweigt die neue Trasse von der bestehenden Elbtalstrecke ab und verläuft ab da komplett im Tunnel bis Tschechien. Der Tunnel wäre da etwa 30 Kilometer lang. Diese Varianten basieren weitgehend auf Vorschlägen der Dohmaer Bürgerinitiative "Basistunnel nach Prag".

Die teiloffene Strecke verläuft von Heidenau aus zunächst durch einen kurzen Tunnel bis Pirna, führt dann über eine riesige Brücke hoch über der Südumfahrung übers Pirnaer Seidewitztal, um dann nahe der Gemeinde Dohma vollends im Tunnel zu verschwinden. Bei dieser Variante wäre der Tunnel etwa 26 Kilometer lang.

Bahn lässt zwei Trassenverläufe planen

Gegen die teiloffene Variante gibt es aber erheblichen Widerstand. So sammelte die Bürgerinitiative "Basistunnel nach Prag" im Vorfeld des Raumordnungsverfahrens mehrere Tausend Einwände gegen eine solche Strecke, weil aus ihrer Sicht die davon ausgehende Lärmbelästigung sowie die massiven Eingriffe in die Landschaft nicht zu tolerieren seien.

Auch Pirna und Dohma sprachen sich gegen diese teiloffene Streckenführung aus, weil die Kommunen einen Verkehrskollaps für das Seidewitztal und erhebliche Nachteile für die Einwohner befürchten.

Heidenau wäre hingegen von einer Volltunnel-Strecke härter betroffen, weil dann der vor dem Tunneleingang erforderliche Überholbahnhof in der Stadt errichtet werden müsste - zusätzlich zu den ohnehin schon reichlich vorhandenen Gleisanlagen.

Nach dem Abschluss des Raumordnungsverfahrens will die Deutsche Bahn aber auf alle Fälle eine Volltunnel-Strecke sowie eine teiloffene Route komplett durchplanen - um dann einer von beiden den Vorzug zu geben.

Bodenproben werden bis Ende 2021 ausgewertet

Um den genauen Streckenverlauf auszuloten, lässt die Deutsche Bahn seit geraumer Zeit den Boden untersuchen, beispielsweise in Großsedlitz, Niederseidewitz, Borna und Gersdorf.

Hierzu entnimmt sie sogenannte Bohrkerne aus einer Tiefe von bis zu 400 Meter aus dem Gebirge, um zu prüfen, auf welche Gesteinsschichten die künftige Trasse möglicherweise stößt. Die ersten 130 Bohrungen sind nahezu abgeschlossen.

Dabei entnahm die Bahn so viel Erde, dass sich - würde man alle Bohrkerne aneinanderreihen - eine Länge von insgesamt 2,5 Kilometer ergäbe. Bis Ende 2021 untersuchen Experten die Proben und werten sie aus.

Um den möglichen Verlauf der künftigen Trasse zu bestimmen und damit die beste Variante zu benennen, seien laut Müller aber noch weitere Bohrungen und Analysen nötig.

Bohrarbeiten bei Großsedlitz 2020: Um den genauen Streckenverlauf festzulegen, lässt die Deutsche Bahn die geologischen Verhältnisse untersuchen.
Bohrarbeiten bei Großsedlitz 2020: Um den genauen Streckenverlauf festzulegen, lässt die Deutsche Bahn die geologischen Verhältnisse untersuchen. © Daniel Schäfer

Künftig flotter von Dresden nach Prag

Die neue Bahnstrecke dient vor allem dazu, künftig das Nadelöhr Elbtalstrecke zwischen Pirna und Decin zu umgehen. Die Bahn braucht die zusätzlichen Schienenwege, weil die Kapazität der bestehenden Elbtalstrecke nahezu ausgereizt ist und kaum noch weitere Züge fassen kann.

Mit der Neubaustrecke soll sich zudem die Fahrzeit von Dresden nach Prag von bislang über zwei Stunden auf etwa eine Stunde verkürzen.

Bedeutsam ist die neue Strecke auch für den gesamten Nord-Süd-Bahnkorridor, der von Skandinavien bis auf dem Balkan verläuft. "Wir kommen gut voran, auch dank der guten Zusammenarbeit mit unseren tschechischen Kollegen", sagt Müller. Das Projekt sei ein wichtiger Schritt für die internationale Verknüpfung der Verkehrswege.

Durch das Neubauprojekt wird Tschechien auch in das mitteleuropäische Hochgeschwindigkeitsnetz eingebunden. Je nach Streckenabschnitt könnten die Züge später auf der Strecke mit Tempo 200 bis 320 unterwegs sein. Das Gemeinschaftsprojekt sei damit wichtig für den gesamten europäischen Schienenverkehr, sagt Petr Provaznik von "Správa železnic".

Gewaltige Baukosten, lange Bauzeit

Baukosten und Bauzeit sind derzeit allerdings noch recht vage. Im Gespräch waren anfänglich geschätzte Baukosten von 1,3 Milliarden Euro.

Weiterführende Artikel

Geologische Rätsel auf der Bahnstrecke Dresden-Prag

Geologische Rätsel auf der Bahnstrecke Dresden-Prag

Börnersdorf hat ein Hunderte Meter tiefes Mysterium. Es muss erklärt werden, damit Deutschlands längster Tunnel gebaut werden kann.

Und fest steht: Bis Züge über die neue Strecke rollen können, dauert es noch. Allein für den Tunnel rechnet Müller mit einer Bauzeit von zehn bis zwölf Jahren. Laufen die Planung und die anschließenden Bauarbeiten reibungslos, könnte die Neubaustrecke möglicherweise 2039 fertig sein.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna