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Blitzerbilanz: Mit 112 km/h durch Pirna

Raser spülten auch 2021 wieder ordentlich Geld in die Stadtkasse. Von Abzocke will das Rathaus aber nicht sprechen.

Von Mareike Huisinga
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Der Blitzer in Krietzschwitz bei Pirna machte auch im vergangenen Jahr wieder zahlreiche teure Fotos.
Der Blitzer in Krietzschwitz bei Pirna machte auch im vergangenen Jahr wieder zahlreiche teure Fotos. © Daniel Schäfer

Der Fuß schwer auf dem Gaspedal. Dann plötzlich ein grellroter Blitz aus dem Nichts. Scharfe Bremsung und zeitgleich der hektische Blick auf die Tachoanzeige. Wie teuer könnte es werden?

So ging es zahlreichen Autofahrern im vergangenen Jahr in Pirna. An den drei stationären Tempomessstationen wurden insgesamt 21.280 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt. Das teilt Pirnas Stadtsprecher Thomas Gockel auf Nachfrage von Sächsische.de mit. Der Spitzenreiter ist erneut in Krietzschwitz geblitzt worden. Ein Autofahrer wurde dort mit 112 Kilometer in der Stunde im Bild festgehalten. Erlaubt sind in der geschlossenen Ortschaft, die zum Stadtgebiet Pirna gehört, lediglich 50 km/h.

Überhaupt steht der Blitzer in Krietzschwitz an erster Stelle auf der Tabelle der Temposünder. Hier wurden 18.020 Verstöße festgestellt. An zweiter Stelle liegt Graupa, wo auf der Kastanienallee in beide Richtungen geblitzt wird. An diesem Standort, nahe dem Seniorenzentrum der Diakonie, fuhren insgesamt 2.989 Kraftfahrer zu schnell. Heftig: Ein Raser rauschte im ersten Halbjahr mit 74 km/h durch die 30er-Zone.

Auch am Thälmannplatz an der Königsteiner Straße in Pirna wurden unliebsame Fotos geschossen. Hier war der Spitzenreiter ebenfalls mit 74 Kilometern pro Stunde unterwegs. Gleich in der Nähe befindet sich die Lessinggrundschule. Insgesamt wurden am Standort 271 Geschwindigkeitsverstöße gemessen.

Stadt plant keine weiteren Blitzer

Die Raser spülen ordentlich Geld in die Stadtkasse. Die Verwaltung erhob 2021 Buß- und Verwarngelder in Höhe von 454.721 Euro. In diesem Zusammenhang flammt oft der Vorwurf auf, das Rathaus würde die Autofahrer abzocken. Davon will Thomas Gockel jedoch nichts hören. „Die Geräte wurden an besonders sensiblen Standorten aufgestellt, damit die Geschwindigkeit eingehalten wird und somit die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer gewährleistet ist“, betont der Stadtsprecher. Die festgestellten Geschwindigkeitsüberschreitungen seien vielmehr ein Beleg für die Notwendigkeit der Kontrollen. Von den eingenommenen Buß- bzw. Verwarngeldern werden unter anderem Investitionen der Stadt finanziert.

Außerdem weist die Stadt auch in ganz anderer Form auf die Einhaltung der Geschwindigkeiten hin: Insgesamt vier Geschwindigkeitstafeln mit Smileys zeigen ebenfalls eine gewisse Wirkung, sagt der Rathaussprecher. Weitere Errichtungen von stationären Messgeräten plane die Stadtverwaltung derzeit nicht.

Fußweg in Krietzschwitz fehlt

Auffällig bei der Blitzerbilanz des zurückliegenden Jahres ist erneut die hohe Anzahl der Geschwindigkeitsübertretungen in Krietzschwitz auf der Bundesstraße 172 nahe der Obstscheune. Auch in den Vorjahren wurden hier die meisten Verstöße festgestellt.

Der Blitzer in Krietzschwitz wurde im November 2014 nahe der Obstscheune installiert und stößt bei den Anwohnern auf große Zustimmung. „Es ist gut, dass es eine permanente Tempokontrolle gibt. Das sage ich vor allem als Familienvater“, erklärt ein Krietzschwitzer. Aber das ist nicht das einzige Problem im Dorf. Die Raserei wiegt umso schwerer, da an der Bundesstraße ein sicherer Fußweg fehlt. Schulkinder und andere Passanten, die zur Bushaltestelle wollen, müssen auf dem schmalen Trampelpfad an der Bundesstraße 172 laufen. Das Problem ist nach wie vor nicht gelöst.

Dabei fordern Anwohner seit Langem die Errichtung eines Fußweges. Allerdings sieht es nicht so aus, dass die Bauarbeiter zeitnah anrücken. "Im Unterschied zum Neubau, Ausbau und Erhalt an Bundes- und Staatsstraße werden für Gehwege keine Bedarfsanalysen durchgeführt. Je nach Vereinbarung kann diese Aufgabe den Kommunen übertragen werden, um so eine zusammenhängende Umsetzung inner- und außerorts zu ermöglichen", sagt eine Sprecherin vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) und wirft den Ball der Stadt Pirna zu. Der Wunsch nach einem Gehweg in diesem Bereich sei dem Lasuv jedoch nicht bekannt und befinde sich deswegen aktuell nicht in der Planung.

Ob dieser "Wunsch" an das Lasuv herangetragen wird, muss bezweifelt werden. Die Stadt Pirna teilt mit, dass es für den betreffenden Abschnitt seitens der Polizei bisher keine Meldungen zu Unfallauffälligkeiten in Zusammenhang mit Fußgängern gegeben habe. "Der betreffende Abschnitt ist kein Unfallschwerpunkt", sagt Pirnas Stadtsprecherin Jekaterina Nikitin.