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Was wird aus dem Pirnaer "Hanno"?

Das Jugendhaus an der Hohen Straße wird kaum noch genutzt, der Saal ist schon lange gesperrt. Nun hat der Stadtrat die Zukunft besiegelt.

Jugendhaus Hanno in Pirna: Sobald wie möglich wird es zum Verkauf freigeben.
Jugendhaus Hanno in Pirna: Sobald wie möglich wird es zum Verkauf freigeben. © Archiv: Kristin Richter

Im März 2013 fasste der Pirnaer Stadtrat einen Beschluss, der zunächst eine weitreichende Bindung entfalten sollte. Das Gremium votierte dafür, dass das Jugendhaus "Hanno" an der Hohen Straße bis zum Jahr 2026 einem Zweck innerhalb der Jugendhilfe dienen wird.

Grund dafür war hauptsächlich ein finanzieller. Der Verein "Jugend-, Kultur und Vereinshaus Hanno", bislang Eigentümer des Objektes, hatte für verschiedene Bauarbeiten Fördermittel erhalten, die an diesen Zweck gebunden waren.

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Mitte 2013 ging das Eigentum am Grundstück Hohe Straße 1 wieder an Pirna, die Zweckbindung der Fördermittel galt nun für die Stadt. Hätte Pirna das Gebäude zweckentfremdet, hätte die Gefahr bestanden, einen Teil der Zuschüsse zurückzahlen zu müssen.

So aber schien nun mit dem Beschluss von 2013 die Zukunft des Hauses vorerst gesichert zu sein.

Stand ein Abriss zur Debatte?

2018 ploppte die Debatte um das Jugendhaus aber wieder auf, auch deswegen, weil unmittelbar hinter dem Hanno ein neues Baugebiet entstand und unklar war, ob das Gebäude den künftigen Häusern im Weg steht.

Der damalige Stadtrat Peter Tränkner (Pirnaer Bürgerinitiativen) erkundigte sich mehrfach danach, ob das Hanno möglicherweise aus dem Stadtbild verschwinden soll.

Doch ein Abriss, so argumentierte die Stadt, sei nicht vorgesehen, zumal das Haus unter Denkmalschutz stehe. Eine Fachgruppe des Rathauses prüfte unterdessen jedoch, ob das Objekt künftig für öffentliche Zwecke und als Vereinshaus entbehrlich ist. Würde dies zutreffen, so könne sich die Stadt vorstellen, das Haus zu verkaufen, um eine Einnahme zu generieren.

Pirna braucht das Hanno nicht mehr

Drei Jahre später ist aus dieser Vorstellung eine Tatsache geworden. Der Stadtrat votierte jetzt in seiner Februar-Sitzung dafür, den Zweckbindungs-Beschluss von 2013 aufzuheben. Zugleich stimmte die Mehrheit im Kommunalparlament dafür, das Grundstück Hohe Straße 1 sowie das darauf befindliche Gebäude sobald wie möglich zum Verkauf freizugeben. "Wir haben diesen Grundsatzbeschluss benötigt, um zu wissen, wie die Stadt mit dem Objekt umgehen soll", sagt Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos).

Für einen Verkauf sprechen aus Sicht der Stadt mehrere Gründe. Da ist zum einen der Zustand des Gebäudes. Das Hanno gilt schon lange als sanierungsbedürftig, dem Haus haften gravierende Mängel an. Der Saal ist wegen brandschutztechnischer Mängel schon seit Jahren baupolizeilich gesperrt.

Das Geld für die nötige Sanierung wollte Pirna jedoch sparen, weil die Stadt das Hanno nicht mehr wirklich benötigt, weder als Vereins- noch als Jugendhaus.

Laufende Kosten belasten die Stadt

Der offene Kinder- und Jugendtreff, den der Hanno-Verein einst in dem Haus eingerichtet hatte, sei laut des Rathauses von Jugendlichen kaum angenommen worden, weshalb dieses landkreisfinanzierte Grundangebot in die Pirnaer Altstadt verlagert wurde.

Mit seinen Büroräumen zog der Hanno-Verein im Frühjahr 2014 in das Verwaltungsgebäude Grohmannstraße 1, der Jugendtreff fand ein neues Domizil im ehemaligen Bistro der Stadtbibliothek im Zollhof. Der Hanno-Saal lag ohnehin schon seit Jahren brach.

Und der Tanzsportclub "Silberpfeil", bislang im Hanno beheimatet, bezog zu Beginn dieses Jahres seine neuen Räume in der Sporthalle der Pestalozzi-Oberschule an der Schulstraße in Copitz.

Derzeit gebe es nur noch einen Mietvertrag mit dem Jugendring Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, der im Hanno Büroräume nutzt. Diese Nutzung, so die Stadt, sei aber nicht zwangsläufig an dieses Gebäude gebunden.

Hinzu kommt ein finanzieller Aspekt. Pirna muss jedes Jahr einen erheblichen Geldbetrag für die laufenden Kosten im Hanno aufbringen, beispielsweise für Müllabfuhr, Gartenpflege, Hauswart, Winterdienst, Wachschutz, Strom- und Gaskosten und für Versicherungen. 2020 waren dafür reichlich 63.000 Euro angesetzt, in diesem Jahr sind es reichlich 53.000, nächstes Jahr dann über 54.000 Euro. Es ist Geld, was sich nicht wieder einspielen lässt.

Muss Pirna Fördermittel zurückzahlen?

Allerdings ist ein möglicher Verkauf des Hanno auch mit Risiken behaftet, sie sind vor allem finanzieller Natur.

Der Hanno-Verein hat im Laufe der Jahre zweckgebundene Fördermittel von der Stadt, vom Landkreis und vom Freistaat Sachsen bekommen, um das Haus Hohe Straße 1 in Schuss zu halten.

Um den offenen Treff zu erweitern und das Dachgeschoss auszubauen, floss beispielsweise ein Zuschuss von knapp 90.000 Euro. Für die Sanierung des Vereinshauses gab es Fördermittel in Höhe von 314.000 Euro. Für ein neues Dach, die Sanierung des Saalgebäudes sowie für eine neue Alarmanlage flossen reichlich 186.000 Euro.

Werde das Hanno nun veräußert, so attestiert das Rathaus, müssten die Zuwendungen "Sanierung Vereinshaus" in Höhe von 314.000 Euro sowie "Ausbau Dachgeschoss und Erweiterung offener Treff" in Höhe von 90.000 Euro teilweise zurückgezahlt werden. Wie hoch diese Rückzahlung tatsächlich ausfalle, hänge laut der Stadt maßgeblich davon ab, zu welchem Zeitpunkt das Haus veräußert werde.

Ob sich mit einem Verkauf diese mögliche Rückzahlungssumme decken lässt, steht derzeit noch nicht fest. Pirna ist kraft Gesetzes dazu verpflichtet, städtisches Eigentum zum vollen Verkehrswert zu verkaufen.

Dieser sei aber nach Angaben der Stadt derzeit nicht bekannt. Um den Verkehrswert zu ermitteln, müsse zunächst ein Gutachten in Auftrag gegeben werden. Auch der Zeitpunkt eines möglichen Verkaufs ist momentan noch unklar.

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